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Wie wirkt sich der Klimawandel auf Migration aus? Gibt es Klimaflüchtlinge? Und kann Migration sogar zur Anpassung an den Klimawandel beitragen? - Das Projekt TransRe bei der Klimakonferenz in Bonn

Zwischen dem 6. und dem 17. November sind mehr als 19.000 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Einladung von den Regierungen von Fidschi und Deutschland gefolgt und haben an der 23. Weltklimakonferenz teilgenommen. Das Wien-Bonner Forschungsprojekt „TransRe“ unter seinem Leiter Prof. Dr. Patrick Sakdapolrak hat seine Arbeiten auf einem hochrangigen Parlamentariertreffen, in einer öffentlichen Podiumsdiskussion und auf einem ganztätigen Stand vorgestellt.


Warum der Begriff „Klimaflüchtlinge“ problematisch ist
_MG_7197.jpgDie Debatten auf und rund um den Gipfel haben gezeigt, dass es ohne drastische Änderungen der Politik kaum möglich sein wird, die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens einzuhalten. Daher sei zu erwarten, so die Forscher um Prof. Sakdapolrak, dass in Zukunft die Lebensverhältnisse von zahlreichen Menschen durch den Klimawandel stärker beeinträchtigt würden. Das betrifft vor allem, aber nicht nur, ärmere Bauern und Arbeiter in Entwicklungsländern. Für Migrationsentscheidungen seien Klimawandel und Klimarisiken aber nur ein Faktor unter vielen, und nur in sehr wenigen Fällen als Hauptursache abzugrenzen: „Die Verbindungen zwischen Klimawandel und Migration sind wirklich komplex. Es gibt da kein einfaches Ursache-Wirkungs-Verhältnis“, so Prof. Sakdapolrak. Deshalb ist der Begriff der „Klimaflüchtlinge“ auch problematisch. Schätzungen, wonach bis zu 200 Millionen „Klimaflüchtlingen“ bis 2050 ihre Heimat verlassen und zur Migration gezwungen sind, seien vollkommen unhaltbar. Man sollte der Versuchung widerstehen, Druck in Richtung einer besseren Klimaschutzpolitik auszuüben, indem eine Angstdebatte über Migration angeheizt werde – das sei nicht nur unseriös, sondern auch unverantwortlich.


Welchen Beitrag kann Migration zur Anpassung an den Klimawandel leisten?

20171117_122335.jpgViel wahrscheinlicher sei es dagegen, dass einzelne Haushaltsmitglieder sich auf den Weg machten, um vor allem in den Städten ihrer Heimatländer Geld zu verdienen und somit ihre Familien in den Dörfern zu unterstützen. Die Ergebnisse des TransRe-Projektes bestätigen, dass die Migranten ihrer Heimat meistens eng verbunden bleiben, und ihre Heimatorte nicht nur durch Geldüberweisungen, sondern auch durch Wissen und neue Ideen unterstützen. Diese Verbindungen zwischen Herkunfts- und Zielorten leisten einen messbaren Beitrag, die Verwundbarkeit gegenüber Klimarisiken wie zum Beispiel Dürren oder Überschwemmungen zu verringern.
Wie wirksam Migration als Anpassungsstrategie sein kann, hängt sowohl von den Bedingungen an den Herkunfts- als auch an den Zielorten der Migranten ab: „Wenn die Arbeits- und Lebensbedingungen am Migrationsziel sehr prekär sind, können die positiven Möglichkeiten von Migration nicht ausgeschöpft werden“, so Sakdapolrak. Der Erfolg oder Misserfolg von Migration sei außerdem vom Grad der Wahlfreiheit abhängig, den Menschen bei ihrer Entscheidung haben, zu migrieren oder zu bleiben. Die Politik täte gut daran, das positive Potential von Migration zur Klimawandelanpassung stärker zu berücksichtigen, und dabei auch nach Lösungen zu suchen, die Migranten dabei zu unterstützen.
 

Fotos: H. Sterly

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