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Podiumsdiskussion zum Thema „Fairer Handel“ mit Fairtrade-Experten

 

DSC06208.JPGAm 17.01.2018 fand im Rahmen der Reihe „Mittwochs im GIUB“ eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fairer Handel: Lokaler und globaler Nutzen“ am Geographischen Institut statt, an der über 100 Interessierte teilnahmen. Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Moderator Prof. Dr. Detlef Müller-Mahn, wieso sich die Geographische Entwicklungsforschung mit dem Thema Fairer Handel beschäftigt. Als eines der bekanntesten Labels ist fairer Handel einerseits eine zentrale Dimension bei der Analyse von Wertschöpfungsketten, andererseits spielt das Themenfeld auch eine wichtige Rolle in Diskussionen um globale Ungleichheit, die Universalität „westlicher“ Werte und damit auch „moral economies“.

In der Podiumsdiskussion gaben die drei Podiumsgäste Einblick in ihre Arbeit. Andreas Gemählich (GIUB) berichtete aus seinem Forschungsprojekt, das sich mit dem Anbau und Handel von Schnittblumen am Lake Naivasha in Kenia beschäftigt. Gemählich zeigte, dass Siegel und Zertifizierungen wie Fairtrade in der kenianischen Blumenindustrie nicht unbedingt auf eine vermehrte Nachfrage von Konsumenten zurückzuführen sind, sondern auf die zunehmende Macht großer Supermarktketten in der Wertschöpfungskette. Martin Schüller, entwicklungspolitischer Referent von TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland) gab in seinem Impulsvortrag einen Überblick über die Strukturen des internationalen Fairtrade-Systems sowie die Arbeit der deutschen Fairtrade Organisation. Er betonte, dass die Produzenten 50% der Stimmanteile innerhalb der Organisation haben und somit in entscheidendem Maß an der Weiterentwicklung des Standards und des Labels beteiligt sind. Fairtrade unternimmt erhebliche Anstrengungen, um seine Wirkung in Produktions-, aber auch Konsumländern zu erforschen. Auf Grund des steigenden Absatzes von Fairtrade-Produkten entwickle sich dabei Vieles positiv, so Schüller, jedoch sei eine Änderung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für mehr Nachhaltigkeit unbedingt notwendig.

DSC06232.JPGAbschließend stellte Angela Semmelroth, ehrenamtlich aktiv im Weltladen Bonn, die Initiative Fair Trade Town Bonn vor. 2010 verlieh Transfair e.V. Bonn den Titel „Fairtrade Town“, nachdem die Stadt Auflagen wie z.B. die Verwendung von Fairtrade-Kaffee in Ratssitzungen erfüllt hatte. Die Steuerungsgruppe, der Frau Semmelroth angehört, hat jedoch einen höheren Anspruch als Fairtrade. Deshalb begreift sie sich als Initiative, die den Gedanken des Fairen Handels als ein faires Miteinander auch auf andere Politikfelder ausweiten sowie in die Zivilgesellschaft hineintragen will. Dies versucht die „Fair Trade Town Bonn“ durch Öffentlichkeitsarbeit, verschiedene Aktionen, Vernetzungstreffen usw. zu erreichen. Abschließend ermunterte Semmelroth die zahlreich anwesenden Studierenden, sich in der Initiative zu engagieren.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, wie Handel in Zukunft fairer gestaltet werden kann, und zwar in sozialer, ökonomischer und ökologischer Sicht. Semmelroth wie auch Gemählich betonten, dass das Fairtrade-System die Probleme nur mindern, nicht lösen kann. Fairtrade-Experte Schüller verwies diesbezüglich auf die politischen Erfolge von Fairtrade. Letztlich tragen Konsumenten einen nicht unerheblichen Teil zu den Bedingungen des Welthandels bei, können diesen ohne politischen Wandel jedoch nicht grundlegend reformieren.

Die Präsentationen von Martin Schüller und Angela Semmelroth können Sie bis zum 6.März 2018 hier herunterladen:

Martin Schüller, TransFair e.V.

Angela Semmelroth, Initiative Fair Trade Town Bonn

Fotos: Réne Kwiatkowski
 

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