Highlights aus der Lehre
Die Lehrbeauftragten unserer Arbeitsgruppe entwerfen immer wieder spannende Seminare und Exkursionen, um methodisches und inhaltliches Wissen aus der Forschungspraxis an die Studierenden des Instituts weiterzugeben.
Diese Seite bietet einen Überblick über jüngste Highlights unter den Lehrveranstaltungen der AG.
Wintersemester 2024/2025
Exkursion: Begegnungsorte im Ahrtal nach der Flutkatastrophe
Susanne Bell
Im Nachgang der Flutkatastrophe im Ahrtal ist eine Vielzahl neuer Begegnungsorte entstanden, von der spontanen und kurzlebigen Versorgungsecke bestehend aus zwei Bierzeltbänken, Kaffee und belegten Brötchen bis hin zur fest institutionalisierten Begegnungsstätte, die über drei Jahre nach der Flutkatastrophe noch gesellige Aufenthaltsräume und ein buntes Programm für Jung und Alt bietet.
Solche Orte, an denen Menschen zusammenkommen und gemeinsam das Erlebte verarbeiten können, sind essenzieller Bestandteil der emotionalen Bewältigung vieler Flutbetroffenen. Sie helfen gegen Einsamkeit, Trübsinnigkeit, Vertrauensverlust und Selbstzweifel. Sie können aber dazu führen, dass sich negative Stimmung ausbreiten und dysfunktionale Gruppendynamiken herausbilden.
Was bei der Gestaltung von Begegnungsorten, sodass sie möglichst vielen Menschen etwas Positives mitgeben können und insgesamt dem sozialen Zusammenhalt förderlich sind, zu beachten ist, durften Bachelorstudierende im Februar 2025 auf einer ganztägigen Exkursion von Susanne Bell ins Ahrtal erkunden. Dabei halfen örtliche Expert*innen auf Teilen der Strecke das alltägliche soziale Miteinander im Ahrtal näherzubringen.
Exkursion: Erinnerungskultur im Ahrtal nach der Flutkatastrophe
Susanne Bell
An welchen Stellen im Ahrtal sieht man noch getrockneten Schlamm, kaputte Fensterscheiben und Hausruinen aus der Flutnacht 14./15. Juli 2021? Wie entstehen ungeplant Erinnerungsorte und -objekte, die als "stille Zeitzeugen" dienen, und welche Wirkung entfalten sie auf die Nutzung des öffentlichen Raumes, das Wohlbefinden der Menschen und die kollektive Bewältigung dieses einschneidenden Ereignisses? Welche Gedenkstätten wurden bewusst geschaffen, um an welche bestimmten Aspekte des Ereignisses zu welchem Zweck zu erinnern?
Diese Fragen waren zentral für die Bachelorstudierenden auf Susanne Bell's Exkursion ins Ahrtal im März 2025. Mithilfe von örtlichen Expert*innen und kleinen Übungen wurden diese Fragen erörtert und die Lebensrealität sowie jüngere Geschichte des Ahrtals nähergebracht.
Vergangene Semester
Service Learning:
Urbane Ernährungswende: Nachhaltigkeit, Regionalität und Transformation
Juliane Dame
Wie kann eine urbane Ernährungswende in Bonn gelingen? Mit dieser Frage haben sich im Sommersemester 2024 fünfzehn Bachelor-Studierende der Geographie im Rahmen ihres Projektseminars beschäftigt. Ziel des Seminars war es, am Beispiel der „Bio-Stadt” Bonn die Bedeutung von sozial-ökologischer Transformation des Ernährungssystems als Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu analysieren und die Gründung eines Ernährungsrates als möglichen Ansatz für eine urbane Ernährungswende zu diskutieren.
Unter Leitung von Dr. Juliane Dame in Zusammenarbeit mit Isabel Naguib (Verbraucherzentrale NRW e.V.) und Dr. Darya Hirsch (Bundesstadt Bonn) haben die Studierenden Projektarbeiten zu selbst gewählten Fragestellungen erarbeitet und die Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung mit Podiumsdiskussion und Posterausstellung präsentiert. Dabei entstanden spannende Einblicke in die Apfel-Wertschöpfungskette in der Region, den Potentialen und Herausforderungen einer Marktschwärmerei und die Umsetzung von Ernährungsbildung an weiterführenden Schulen. Eine weitere Gruppe ging der Frage nach, inwiefern von Initiativen organisierte Koch-Events (z.B. KüFa, Foodsharing) zu mehr Ernährungsbewusstsein beitragen können.
Durch die Konzeption als Service-Learning-Seminar in enger Zusammenarbeit mit Praxispartner:innen, Exkursionen im Köln-Bonner Raum und die öffentliche Präsentation der Projektarbeiten konnten sich die Teilnehmenden nicht nur mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen, sondern zugleich Impulse in die Stadtgesellschaft hineintragen.
Exkursion: Geographien des gesellschaftlichen Wandels: Thüringen/Sachsen
Kathrin Hörschelmann
Im September 2024 führte eine Exkursion von Kathrin Hörschelmann die Studierenden in drei Orte im Osten Deutschlands, um dem Zusammenhang von Mentalitäts-, Ideologie- und Politikwandel sowie deren räumlichen Ausprägungen nachzugehen.
Besuche im Bauhausmuseum in Weimar und der Gedenkstätte Buchenwald bildeten den historischen Ausgangspunkt, der im Laufe der Exkursion im Rahmen von Expertengesprächen in Leipzig und nicht zuletzt der eigenen Forschung der Studierenden um Perspektiven aus der jüngeren und jüngsten Vergangenheit ergänzt wurde.
Exkursion: Mythos Rhein
Kathrin Hörschelmann
Wintersemester 2021/22 sowie Wintersemester 2022/23
Zur Vielschichtigkeit von „Landschaft” gehört nicht nur ihre - aus physischen und gesellschaftlichen Prozessen resultierende – materielle Beschaffenheit. Landschaft ist ebenfalls ein Begriff für individuelle Raumwahrnehmungen, künstlerische Raumdarstellungen und die kulturell-politische Konstruktion von Raum und Gesellschaft. Eine politisch neutrale Landschaft gibt es insofern nicht, als sich mit Perspektiven auf Landschaft einerseits verschiedene ästhetische und raumrechtliche Ansprüche verbinden und Landschaft andererseits unser Verständnis anderer sozial-räumlicher Kategorien wie Ort, Gemeinschaft, Region, Heimat oder Nation mitprägt. Wie stark dieses Verständnis und die Verbindung zu sozialen Konstruktionen von Landschaft von gesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst wird, zeigt uns nicht zuletzt die (Neu-)Erfindung von Landschaft zur Zeit der Romantik.
Die Exkursion fokussierte auf diese (Neu-)Erfindung, ihre geopolitische, kunsthistorische und sozialpolitische Hintergründe sowie ihre Konsequenzen für das sich wandelnde Verständnis von Natur und Nation auf die Spur. An verschiedenen Stationen entlang des Mittelrheins zeichneten wir die Entstehung des Flusses als ‚mythischen Ort‘ in Kunst, Literatur, Musik und Landschaftsgestaltung nach und diskutierten, wie der Rheinmythos damalige und gegenwärtige Verständnisse von Landschaft, Natur und Nation beeinflusst hat. Das Landschaftsverständnis der Romantik versuchten wir aber auch durch individuelle Wahrnehmungen und kritische Überlegungen zu konterkarieren. Da Raumwahrnehmungen und -verständnisse perspektivisch angelegt sind und Perspektiven schaffen, wurden Wahrnehmungen vor Ort aufgezeichnet und in die Betrachtungen integriert.