Das GIUB befasst sich seit zwei Jahren mit der Frage, was die Fortschritte im Bereich Künstliche Intelligenz für Forschung und Lehre in der Geographie bedeuten. Der hierfür gegründete „Arbeitskreis KI“, bestehend aus Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Professor*innen, verfasste zunächst eine Handreichung für den Umgang mit KI in der Lehre. Nachdem diese Handreichung durch den Vorstand angenommen wurde, arbeitet der AK nun daran, über aktuelle Entwicklungen im Bereich KI zu informieren und den Austausch hierüber zu stimulieren.
Aus diesem Grund war am 26. November 2025 KI das Thema zweier Vortragsveranstaltungen: Einsatz von KI zur Vorhersage von Extremereignissen und Einfluss von KI-Tools auf Forschung und Lehre in der Humangeographie.
In der Lunch Lecture berichtete Prof. Jürgen Gall vom Institute of Computer Science der Universität Bonn über den Einsatz von KI zur Vorhersage von Extremereignissen. In seinem Vortrag stellte er drei Anwendungsbeispiele aus seinen eigenen Arbeiten vor. Im ersten Beispiel zeigte er, wie KI genutzt wird, um die Vorhersage von Waldbränden zu optimieren. Hierbei geht es um kurzfristige Vorhersagen räumlicher Ereignisse auf Grundlage dynamischer Variablen. Das vorgestellte Modell wird unter anderem verwendet, um Rettungskräfte ideal im Raum zu positionieren. Ein auf langfristige Prognosen ausgerichtetes KI-getriebenes Modell seiner Forscher*innengruppe befasst sich mit der Vorhersage von Dürren. Hierbei wird die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Dürren in den nächsten beiden Jahren modelliert. Ein drittes Anwendungsbeispiel zeigte, wie KI-gestützte Modelle verwendet werden, um Überschwemmungsereignisse auf globaler Ebene vorherzusagen. Eine wesentliche Schlussfolgerung des Vortrags lautete, dass KI-gestützte räumliche Modelle vor allem dann, sehr gute Prognosen liefern, wenn langfristige Trainingsdaten vorliegen.
Bei der Abendveranstaltung gingen drei Diskutant*innen der Frage nach, wie KI-Tools Forschung und Lehre in der Humangeographie beeinflussen. Dr. Johannes Dittmann (Bonn) moderierte den Austausch zwischen den beiden externen Gästen Prof. Dr. Marc Boeckler (Frankfurt), Prof. Dr. Veronika Cummings (Mainz) und Dr. Jonas Birke (Bonn). Marc Boeckler stellte in seinem Beitrag heraus, dass KI insbesondere die Produktion von wissenschaftlichen Texten grundlegend verändert – Autor*innen werden nun eher zu Designern von Texten. Gleichzeitig bleibt KI unfähig, Datenerhebung mit ethnographischen Methoden durchzuführen. Veronika Cummings adressierte in Ihren Beiträgen vor allem forschungsethische Fragen des Umgangs mit KI. Eine zentrale Frage ist die, nach Verantwortung und Verantwortungsübernahme, wenn in Forschungsprozessen KI zur Beschleunigung und Rationalisierung von Prozessen eingesetzt wird. Jonas Birke stellte heraus, dass KI auch als Forschungsfeld neue Fragen für die Humangeographie aufwirft, etwa die Veränderung soziale Interaktionen oder die Veränderung räumlicher Praktiken durch KI.
Einig waren sich alle drei Referent*innen, dass KI eine bedeutende Herausforderung für die Lehre darstellt. Die wesentliche Aufgabe ist dabei, Studierende im Umgang mit KI anzuleiten. Während einerseits Studien- und Prüfungsleistungen angepasst werden müssen, ist es wichtig andererseits Studierenden das notwendige Vertrauen entgegenzubringen, dass sie nicht leichte und leichtfertig „Abkürzungen“ nehmen. Neben der Befähigung zur informierten Nutzung wurde zusätzlich herausgestellt, dass ein fairer Zugang zu Premium-Versionen von KI-Tools geschaffen werden sollte.
Im Anschluss an die Abendveranstaltung klang der Abend bei weiteren Diskussionen im Roten Saal aus. Hier hatte die Fachschaft Getränke, Snacks und Musik organisiert. Der AI-Day am GIUB lieferte keine abschließenden Antworten, aber zahlreiche Anregungen für die fortlaufende Beschäftigung mit der Frage, was KI für die Geographie bedeutet.