Forschung

Angesichts drängender globaler Herausforderungen formiert sich in aktuellen geographiedidaktischen Diskursen ein Verständnis von Transformation an der Schnittstelle von Gesellschaftstheorie und Pädagogik. Kern dieser Perspektive ist die Annahme, dass gesellschaftliche Prozesse trotz zunehmend als unsicher wahrgenommener Zukünfte weiterhin aktiv von Menschen gestaltet werden können und Zukünfte folglich transformierbar bleiben. Diese auf konkrete raumbezogene Bildungsfragen zu übertragen, stellt hingegen bislang weitgehend ein Desiderat dar.

An diesem Desiderat setzt die Forschung der Arbeitsgruppe an. Sie ist von der Überzeugung getragen, dass geographische Wissenschaft gesellschaftlich relevante Transformationsprozesse nicht nur analysieren, sondern auch aktiv mitgestalten sollte. An der Schnittstelle von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Vermittlungspraxis untersuchen wir, wie Wissen über Mensch-Umwelt-Beziehungen, räumliche Ungleichheiten und globale Verflechtungen so aufbereitet und vermittelt werden kann, dass es zu einer demokratischen, emanzipatorischen und nachhaltigkeitsorientierten Gestaltung von Zukunft befähigt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie unterschiedliche Akteur:innen – in Schule, Hochschule, Stadtgesellschaft und Öffentlichkeit – dabei unterstützt werden können, alternative Zukünfte kritisch zu verhandeln und verantwortungsvoll zu gestalten.

Die in diesem Feld verorteten Forschungsprojekte konkretisieren diesen Anspruch, indem sie kritische geographische Forschung mit transformativen Bildungsansätzen sowie innovativen Vermittlungsweisen verbinden.

Forschungsprojekte der AG Nöthen

„SFB Future Rural Africa. Teilprojekt Z05: Negotiating African Futures“

Projektförderung: Deutsche Forschungsgemeinschaf (DFG)

Kooperationspartner:innen: Prof. Dr. Michael Bollig (Universität zu Köln), Dr. Gabriele Zipf (Futurium – Haus der Zukünfte, Berlin)

Laufzeit: 07/2026-06/2029

Projektidee: Das Projekt „Negotiating African Futures“ ist eine Kooperation zwischen dem Sonderforschungsbereich 228 „Future Rural Africa“ und dem Futurium – Haus der Zukünfte, Berlin. Ziel ist es, zentrale Forschungsergebnisse des Sonderforschungsbereichs in ein zugängliches Format der Wissenschaftskommunikation zu übertragen und damit Perspektiven auf die Zukunftsgestaltung im ländlichen Afrika einem breiten Publikum in Europa und Afrika im Rahmen einer Ausstellung im Futurium zu vermitteln. Die Ausstellung versteht sich dabei als Impuls zur Auseinandersetzung mit den vielfältigen Vorstellungen, Herausforderungen und globalen Verflechtungen, die Prozesse der Zukunftsgestaltung prägen.

Weitere Informationen zum Projekt über Eva Nöthen und unter https://crc-trr228.de/.

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© Nöthen

„Wissenschaftliches Netzwerk: Transformative Geographische Bildung“

Projektförderung: Deutsche Forschungsgemeinschaf (DFG)

Kooperationspartnerin: Prof. Dr. Verena Schreiber (Pädagogische Hochschule Freiburg)

Laufzeit: 01/2026-12/2029

Projektidee: Transformative Ansätze des Lehrens und Lernens sind zu wichtigen Impulsen für die geographische Bildung geworden. Mit der konsequenten Fokussierung sozial-ökologischer Schlüsselprobleme und Krisenphänomene sowie ihrem kritisch-emanzipatorischen Bildungsanspruch verweisen sie auf die Notwendigkeit, zu einer gerechten wie zukunftsorientierten Transformation von Gesellschaft und Mensch-Umwelt-Verhältnissen beizutragen, und vorherrschende Bildungskonzepte auf den Prüfstand zu stellen. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Wissenschaftliche Netzwerk das Anliegen, die pädagogischen, methodischen und vermittlungspraktischen Potenziale einer transformativen Bildung für die deutschsprachige Geographie und ihre Didaktik zu erschließen und diese so an internationale Debatten um transformatives Lehren und Lernen anzubinden. 

Weitere Informationen zum Projekt über Eva Nöthen.

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© Nöthen

„Bildungs-Communities für Nachhaltige Entwicklung, Demokratie und Sprache in NRW (ComeNEDeS_NRW)“

Projektförderung: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW)

Kooperationspartner:innen: Prof. Dr. Jochen Lange (Universität Siegen), Prof. Dr. Dorothee Gronostay (Technische Universität Dortmund), Prof. Dr. Vivien Heller (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Dr. Miriam Morek (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Björn Rothstein (Ruhr-Universität Bochum), Prof. Dr. Inga Gryl (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Stefan Rumann (Universität Duisburg-Essen), Dr. Günther Wolfswinkler (Universität Duisburg-Essen), Charlyn Lipke (Universität Duisburg-Essen)

Laufzeit: 04/2026-03/2029

Projektidee: ComeNEDeS_NRW zielt darauf, dauerhaft verlässliche Strukturen von Seiten der Hochschule für eine phasenübergreifende Kooperation der an der Lehrkräftebildung beteiligten Bereiche zu entwickeln. Das soll zunächst prototypisch durch Entwicklung und Erprobung von Fortbildungskonzepten und darauf bezogenen Materialien zur Förderung von Kompetenzen in den drei Bereichen Sprache, Demokratie und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfolgen. Die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung erfolgt anknüpfend an das Projekt ComeIn und in Ergänzung zu der vom BMBF erfolgenden Förderung für „Kompetenzzentren für digitalen und digital gestützten Unterricht in Schule und Weiterbildung“.

Weitere Informationen zum Projekt über Eva Nöthen.

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„BACK:LAB. Labor für künstlerische Stadtforschung“

Projektförderung: Verfügungsfonds, Innenstadt Management Bonn

Kooperationspartnerin: Jun.-Prof. Miriam Hamel (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft)

Laufzeit: 09/2025-12/2025

Projektidee: Der Marthashof in der Innenstadt von Bonn stellt einen intensiv genutzten, größtenteils versiegelten Hinterhof dar, in dem unterschiedliche soziale Gruppen mit teils widerstreitenden Interessen aufeinandertreffen. So bündelt er Perspektiven von Anwohner:innen, Gewerbetreibenden und weiteren städtischen Akteur:innen. Das Projekt „BACK:LAB. Labor für künstlerische Stadtforschung“ greift diese Situation auf und nutzt den Ort als experimentelles Reallabor ko-kreativer Stadtentwicklung. Gemeinsam mit der Nachbarschaft und lokalen Beteiligten werden aktuelle Nutzungen, historische Prägungen und zukünftige Potenziale erfasst und analysiert. Auf dieser Grundlage werden unter Beteiligung der Stadtgesellschaft Ideen für eine sozial gerechte, klimabewusste und lebenswerte Zukunft des Marthashofs entwickelt.

Weitere Informationen zum Projekt über Eva Nöthen.

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„Unearthing Atlanta's Past: Learning Urban History with Collaborative Digital Projects“

Projektförderung: Collaborative Research Grant

Kooperationspartner:innen: Christina Crawford, Alexander Cors, Bailey Betik (Emory University, Atlanta)

Laufzeit: 01/2024-12/2025

Projektidee: Die Stadtentwicklung nordamerikanischer Metropolen und die damit verbundenen sozial(räumlich)en Prozesse stehen seit Jahrzehnten im Fokus geographischer Forschung – und sind fest in deutschen Lehrplänen verankert. Gefördert durch den „Collaborative Research Grant“ der Universität Bonn arbeitet die AG „Didaktik der Geographie“ gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam der Emory University Atlanta am Webtool „Open World Atlanta“, durch das die Geschichte der Stadt Atlanta sowie die sozialräumlichen Strukturen und deren Wandel im Laufe der Zeit digital erkundet werden können. Historische Karten, die mit GIS aufgearbeitet wurden, bilden den Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen durch eine Stadt, deren Entwicklung von Industrialisierungs- und Suburbanisierungs-, aber auch von Segregations- und Marginalisierungsprozessen durch rassistische Diskriminierung geprägt ist. Während bei der Entwicklung der Website zunächst technische Fragen im Vordergrund standen, sollen die dort verfügbaren Informationen nun für didaktische Zwecke aufbereitet und u. a. in Form von Unterrichtsmaterialien für verschiedenste Vermittlungskontexte nutzbar gemacht werden.

Weitere Informationen zum Projekt über Julia Klumparendt, Tobit Nauheim oder Eva Nöthen.

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„Earth System Science & Transformative Geographical Education. Linking Theories – Experimenting in Practice“

Projektförderung: Deutsch-Israelische Gesellschaft Bonn, Bonner Zentrum für Lehrerbildung

Kooperationspartner:innen: Nir Orion (Weizmann Institute of Science, Tel Aviv), Ariel Meroz (Dead Sea and Arava Science Center/Hebrew University, Jerusalem)

Laufzeit: 04-05/2025

Projektidee: Die Ansätze der Transformativen Geographischen Bildung und der Earth System Education entwerfen vor dem Hintergrund komplexer globaler Herausforderungen unterschiedliche Strategien, um Lernende zur verantwortungsbewussten und selbstreflektierten zivilgesellschaftlichen Praxis zu befähigen und damit die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu schließen. Während die naturwissenschaftlich ausgerichtete Earth System Education durch die Förderung systemischen Denkens Handlungsfähigkeit seitens der Schüler:innen befördern will,  verfolgt die Transformative Geographische Bildung einen zukunftsorientierten Ansatz, der dazu ermutigt, gesellschaftliche Strukturen kritisch zu reflektieren und sich durch transformative Maßnahmen für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Im Rahmen von Vorträgen sollen die Potentiale eines Theoriekontakts diskutiert werden; Workshops eröffnen die Möglichkeit, die unterschiedlichen Zugänge in didaktischen Settings praktisch zu erproben.

Weitere Informationen zum Projekt über Julia Klumparendt, Tobit Nauheim oder Eva Nöthen.

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