Im April 2026 führten Prof. Dr. Mariele Evers und Dr. Pınar Pamukçu Albers von der Forschungsgruppe für Ecohydrologie und Wasserressourcenmanagement an der Universität Bonn zwei partizipative Stakeholder-Workshops in Oshakati, Namibia und Santa Clara, Angola durch. Die Workshops fanden im Rahmen des Co-HYDIM-SA-Projekts innerhalb des Programms „Water Security in Africa“ (WASA) in Zusammenarbeit mit der Cuvelai Watercourse Commission (CUVECOM) statt und brachten lokale Expertinnen und Experten, Praktikerinnen und Praktiker sowie Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinschaften zusammen, um gemeinsam Dürre- und Hochwasserrisiken in den Cuvelai–Cunene-Einzugsgebieten zu bewerten.
Das südliche Afrika ist zunehmend von Klimavariabilität betroffen, wobei wiederkehrende Dürren und Überschwemmungen erhebliche Herausforderungen für die Wassersicherheit, Ernährungssysteme und Lebensgrundlagen darstellen. In der Cuvelai–Cunene-Region verstärken stark schwankende Niederschläge, ephemere Flusssysteme (Iishana) sowie rasche sozioökonomische Veränderungen diese Risiken zusätzlich. Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert integrierte Ansätze, die wissenschaftliche Daten mit lokalem Wissen und den Perspektiven relevanter Akteure verbinden.
Daher sind gezielte Informationen zu Wetter und Klima – und vor allem zuverlässige Vorhersagen zu potenziellen Hochwasser- und Dürreereignissen – von größter Bedeutung. Das ist das zentrale Ziel des Co-Hydim-SA Projektes, das vom BMBFTR für vier Jahre gefördert wird. Ein Informations- Frühwarnsystem mit saisonalen und subsaisonalen Vorhersagen wird durch das internationale Konsortium entwickelt. Bei den Informationssystemen kommt es jedoch nicht nur auf genaue Vorhersagen an; auch die Art der Informationen und das Format, in dem sie bereitgestellt werden, sind entscheidend, um sich auf Extreme vorzubereiten und eine möglichst nachhaltige Wasserbewirtschaftung für die Menschen in der Region zu gewährleisten.
Genau das war das Thema und Ziel zweier Workshops in dem transnatinalen Einzugsbegites des Cunene-Cuvelai-Flusssystems in Angola und Namibia. Die Workshops bildeten einen zentralen Bestandteil eines partizipativen Multi-Kriterien-Entscheidungsrahmens (MCDM) zur Risikobewertung. Die Teilnehmenden beteiligten sich aktiv an der Identifizierung, Diskussion und Priorisierung von Indikatoren in den Bereichen Gefährdung, Exposition und Vulnerabilität. Dieser Prozess stellt sicher, dass die Bewertung lokale Gegebenheiten, Bedürfnisse und Entscheidungsprozesse widerspiegelt.
Während der Workshop in Oshakati den Schwerpunkt auf Herausforderungen im Zusammenhang mit wiederkehrenden Überschwemmungen und Entwässerungsinfrastruktur legte, wurden in Santa Clara insbesondere die Auswirkungen von Dürren, die Sensitivität von Lebensgrundlagen sowie die Bedeutung des Wassermanagements hervorgehoben. An beiden Standorten betonten die Beteiligten die Notwendigkeit verbesserter Frühwarnsysteme, eines besseren Zugangs zu Daten sowie einer stärkeren institutionellen Koordination. Im Rahmen des Workshops in Angola wurde zudem eine Exkursion nach Ondjiva durchgeführt, um vor Ort umgesetzte Hochwasserschutzmaßnahmen und Infrastrukturen zur Verringerung von Überschwemmungsfolgen zu besichtigen und zu diskutieren.
Die Ergebnisse dieser Workshops tragen direkt zur gemeinsamen Entwicklung des hydro-meteorologischen Frühwarn- und Informationssystems CUVEWIS bei, das eine klimaresiliente Wassergovernance in der Region unterstützen soll. Durch die Integration räumlicher Daten, lokalen Wissens und der Prioritäten relevanter Akteure entwickelt das Projekt Werkzeuge, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praxisnah sind.
Mit diesen Workshops unternimmt das Co-HYDIM-SA-Projekt einen wichtigen Schritt hin zur Entwicklung umsetzbarer, lokal verankerter Strategien für ein nachhaltiges Wassermanagement im südlichen Afrika und leistet damit einen Beitrag zu übergeordneten regionalen und globalen Bemühungen im Bereich Klimaanpassung und Wassersicherheit.