Tagungsbericht

 

EnergieGeographien in internationaler Perspektive - Tagung in Bonn

 

Der Arbeitskreis für Geographische Energieforschung tagte am vergangenen Wochenende im GIUB. Im Fokus der mit 90 TeilnehmerInnen gut besuchten Tagung stand der globale Ausbau erneuerbarer Energien. Nationale und internationale ExpertInnen aus der Geographie, den Nachbardisziplinen und der Praxis vermittelten in ihren Vorträgen ein umfangreiches Bild über die politischen, wirtschaftlichen und technischen Prozesse sowie die Risiken, welche die Transformation des Energiesystems derzeit begleiten. Ausrichter war der Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialgeographie um Prof. Britta Klagge.

Ruud Kempener von der International Renewable Energy Agency (IRENA) eröffnete die zweitägige Veranstaltung mit einem Ausblick auf die globale Entwicklung nachhaltiger Energieversorgung. Kempener und IRENA beraten Regierungen auf der ganzen Welt beim Übergang vom fossil-nuklearen ins erneuerbare Zeitalter. Der Ausbau der erneuerbaren Energien werde weiter stark voranschreiten, trotz derzeit niedriger Preise für fossile Brennstoffe. Vor allem große Schwellenländer wie China oder Indien intensivieren ihre Anstrengungen.

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Nach der ersten Keynote Lecture teilte sich das Plenum zu verschiedenen thematischen Vortragsblöcken auf, die sich mit „Energie und Entwicklung“, „Folgen der deutschen Energiewende“ und „Lokalen Konflikten“ beschäftigten. In den an die Vorträge anschließenden Fragerunden kam es zum regen Austausch und kontroversen Diskussionen. In der Teepause ließen sich einzelne Gesprächsfäden nochmals aufnehmen und vertiefen. Außerdem nutzten die TeilnehmerInnen die Zeit zum „Netzwerken“.

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Den thematischen Abschluss des ersten Tages lieferte Prof. Andrew Cumbers von der University of Glasgow. Der Politökonom fokussierte auf die unterschiedlichen Entwicklungspfade, Eigentumsstrukturen und damit verbundene Machtasymmetrien, die bei der Finanzierung von Energieprojekten offensichtlich werden. Durch den Vergleich von Großbritannien, Dänemark und Deutschland wurde deutlich, dass die (De-)Zentralität der Investitionsstrukturen umkämpft ist, oft aber das politische System widerspiegelt. Nach der zweiten Keynote Lecture trafen sich die Teilnehmenden im libanesischen Restaurant zum gemeinsamen Abendessen und auf ein – oder auch mehrere – Bier.

Der zweite Tagungstag begann für die TeilnehmerInnen nach einem morgendlichen Kaffee oder Tee mit zwei weiteren thematischen Sitzungsblöcken. Hier standen „Lokale Strategien“, „Technologie und Risiko“ sowie „Neue Nord-Süd-Beziehungen“ und „Technologie und Verkehr“ im Fokus, die von internationalen Referenten aus Theorie und Praxis näher beleuchtet wurden.

Den Schlusspunkt der Tagung setzte Sven Harmeling von CARE International, der in der dritten Keynote Lecture über die Erwartungen an die Entwicklungen im Jahr 2015 aus der Perspektive einer Nichtregierungsorganisation (NGO) referierte. Im Mittelpunkt standen dabei die Klimaverhandlungen in Paris und die Fortschreibung der als Millennium Development Goals bekannten Entwicklungsziele der Vereinten Nationen unter dem neuen Label Sustainable Development Goals. Darüber hinaus ging der Referent auf die bi- und multilateralen Vereinbarungen zwischen wichtigen Ländern (USA – China, „Energiewende-Club“) ein und gab spannende Einblicke hinter die Kulissen internationaler Politik. Sein insgesamt positiver Ausblick spiegelte auch die Zuversicht des Arbeitskreises wider, die geographische Energieforschung in Deutschland zukünftig weiter voranzutreiben. Dass die Geographie sehr sinnvolle Beiträge zur Diskussion um den richtigen Umbau der Energieversorgung liefern kann, hat die Tagung eindrücklich bewiesen.

Link zum Tagungsprogramm

 

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