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Forschungsschwerpunkte

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Virtualität, Mobilität und Raum

Ein Forschungsschwerpunkt gilt den alltäglichen Folgen der zunehmenden Digitalisierung. In welchem Verhältnis stehen tatsächlicher und virtueller Raum? Welche Implikationen habe virtuelle Verbindungen und Räume auf translokale Lebenszusammenhänge? Welche Rolle spielen digitale Kommunikationstechnologien im Migrationskontext?

 

Smart Development

Informations-und Kommunikationstechnologien (IKT), insbesondere das scheinbar allgegenwärtige Mobiltelefon, gelten immer mehr als zentrale, wirkungsvolle Instrumente zur Umsetzung von Entwicklung im Globalen Süden. Vor allem im ländlichen Kontext sollen sie marginalisierten Gruppen direkten Zugang zu Wissen ermöglichen. Mit Hilfe sogenannter „apps“ wird Wissen über geeignete Anbaumethoden, Wettervorhersagen, Hygiene und Präventionsmaßnahmen, Finanzierungsmöglichkeiten u.v.m. vermittelt.

 

Farmer-Weather_Forecast.jpg Ausgehend von der aktuellen Debatte um Information and Communication Technologies for Development (ICT4D) haben wir zum Ziel, zu einem besseren Verständnis der Rolle mobiler Informationsdienste (m-services) beizutragen, indem wir insbesondere auf den Zusammenhang dieser neuen Technologien mit sich verändernden Mensch-Natur-Beziehungen fokussieren. Welche Vorstellungen von Entwicklung und Technologien prägen die Implementierung mobiler Informationssysteme?  Wie übersetzen m-services durch die Vernetzung von Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaftlern, Software-Entwicklern und Nutzern abstraktes Wissen in konkrete, lokal angepasste Handlungsanleitungen? Wie verändern mobile Informationssysteme durch die Bereitstellung einer spezifischen Form von Wissen Mensch-Natur-Beziehungen, z.B. indem bisheriges stärker ehrfahrungsbezogenes Wissen und entsprechende Praktiken möglicherweise durch rationalere, probabilistische Ansätze ersetzt werden?

 

Kulturelle Geographien des globalen Südens

 
 

Translocality In unterschiedlichen Forschungsprojekten widmet sich die Arbeitsgruppe aktuellen Dynamiken transregionaler Mobilität im Indischen Ozean. Dabei geht es zum einen um die Mobilität und Aneignungen von wissenschaftlichen Diskursen zur Begründung von Indian Ocean Studies (Forschungsprojekt zu „Post-terrestrial Area Studies? The Indian Ocean, Translocal Histories and Maritime Constructions of Space“ im Rahmen des BMBF-geförderten Frankfurter Interzentren Programms AFRASO), zum anderen um die Erschließung neuer Märkte durch afrikanische Händler in Südostasien, und schließlich um die Erfahrung einer spezifischen transregionalen Aura und Ästhetik (Herausgabe eines Themenhefts zum Indischen Ozean als ästhetischen Raum bei CSSAAME).

 

„Mobility not only challenges the everyday lives of millions of people, it also challenges scientific understandings of society, culture and space. Based on long-term mobile ethnographic research connecting Zanzibar, the Tanzanian mainland, Mombasa, Dubai and London, this volume takes up this challenge by exploring the translocal space emerging around contemporary Swahili trade. Examining translocality as a lived experience, the book succeeds in refining often overly abstract notions of mobile settings and relational space.“ (Julia Verne, Living Translocality, 2012)


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 Maritime Geographien

 

Ein zentrales Thema der Forschung im westlichen Indischen Ozean versucht die Mobilität innerhalb der Region und darüber hinaus, insbesondere nach Südostasien, historisch nachzuzeichnen. Vor allem auf Basis archäologischer, paläontologischer, linguistischer und genetischer Forschung geht es dabei darum, herauszufinden, wann, wie und von wo die Region besiedelt wurde und welche Schlüsse sich aus archäologischen Funden, Flora und Fauna, Sprachen, (im)materieller Kultur und genetischem Material über die Mobilität im Indischen Ozean ziehen lassen. Der Ozean wird dabei nicht vornehmliches als trennendes Element, sondern als relationaler Raum konzeptionalisiert, der wesentlich durch eine Vielzahl von Austauschprozessen und Verbindungen charakterisiert ist.

 

Diese aktuelle Forschung schließt damit zum einen (oft unbewusst) an die alte Idee der Kulturkreise an, die vor allem vom Geographen Friedrich Ratzel Ende des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde und in der Ethnologie als deutscher Diffusionismus weiterverfolgt wurde. In unserer Forschung geht es darum, historische Kontinuitäten und Brüche in der Auseinandersetzung mit Mobilität im Indischen Ozean aufzudecken und kritisch zu diskutieren. (vgl. Verne, J. (2017) The neglected gift of Ratzel: thoughts on mobilities, materialities and relational spaces, Geographica Helvetica 72, 85-92.)

 

Zum anderen betont dieses Forschungsfeld die enge Verwobenheit der Mobilität von Menschen und Tieren. Daraus ergibt sich ein zweiter Forschungsschwerpunkt der Arbeitsguppe, in dem die technologie-gestützte Zirkulation von Reptilien derzeit im Vordergund steht:

 

 

Gecko Diasporas: Die Translokalität von Phelsumen im und über den Indischen Ozean hinaus

 

In diesem Forschungsprojekt untersucht Lisa Krieg die Translokalität von Reptilien aus der Region des westlichen Indischen Ozeans, vor allem die der Taggeckos des Genus Phelsuma.

Als Insel-Endemiten sind die ursprünglichen Habitate dieser kleinen, farbenfrohen Tiere klein und durch den Ozean klar voneinander getrennt. Das führt dazu, dass sich die Phelsumen-Arten von Insel zu Insel unterscheiden, und ihre Populationen oft klein und gefährdet sind. Allerdings gelingt es Phelsumen immer wieder, ob als blinde Passagiere an Bord von Schiffen, in Form von angeklebten Eiern an Treibholz, oder in der Tasche eines Tierhändlers oder Touristen sich zwischen den Inseln des westlichen Indischen Ozeans zu bewegen und einige schafften es sogar bis nach Hawaii, Florida und Französisch Polynesien, wo sie teilweise als invasive Art andere, endemische Geckos bedrohen. Darüber hinaus migrieren sie nach Europa, vor allem nach Deutschland, wo sie beliebte Terrarientiere sind.

Die Translokalität von Phelsumen ist dabei grundsätzlich eng mit verschiedensten menschlichen Aktivitäten verknüpft, sei es durch Handel, Forschung, Zucht, oder Artenschutz. Darüber hinaus sind es moderne Technologien wie Gentests, Isotop-Analysen, computer-gesteuerte Terrarien und social media Plattformen, die zentral für die globale Wissensproduktion und die Zirkulation von Phelsumen sind. Dieses Projekt fokussiert auf die Rolle dieser Technologien für die Zirkulation lebender und toter Tiere, von Populationen, Genen, und Wissen und trägt dabei zur aktuellen geographischen Debatte um Mensch-Tier Beziehungen bei. Methodisch basiert das Projekt auf einer translokalen Ethnographie, durch die Phelsumen und die wissensgenerierenden Praktiken, in die sie eingebunden sind, an unterschiedlichen Orten (physisch und virtuell) begleitet werden und verbindet dies mit der Analyse digitaler Daten aus social media Plattformen.

 
 
 

DSC_0018_4-3.jpgKonservierte Phelsumen in der Sammlung des Museum König, Bonn

 

ljk_picture kopie.jpgPhelsuma Grandes Terrarium im Zoo Köln

IMG_20170304_112921.jpgPhelsumen zum Verkauf auf einer Terrariumbörse in Transportboxen

 
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