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Interview mit Prof. Evers

Interview mit Prof. Mariele Evers, UNESCO-Lehrstuhl Human-Water-Systems

 


Die UNESCO hat die Einrichtung eines UNESCO Chairs am GIUB bewilligt. Die designierte Lehrstuhlinhaberin ist Professorin Dr. Mariele Evers, die am Geographischen Institut die Arbeitsgruppe Öko-Hydrologie und Wasserressourcenmanagement leitet.
UNESCO Chairs verbinden Forschung und Lehre im Sinne der UNESCO Ziele wie die Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft und globale Zusammenarbeit mit dem Fokus auf Nord-Süd Kooperationen zu stärken. Außerdem beteiligen sich die UNESCO Chairs proaktiv in der Forschung und der Umsetzung der Sustainable Development Goals der Agenda 2030. Mit der Berufung auf den UNESCO Chair wird Frau Evers Mitglied der „UNESCO-Water-Family“ sein, zu der verschiedene Wasser bezogene Institutionen, Programme und Zentren gehören.



Liebe Frau Evers, wie erfolgt in der Regel eine Berufung auf einen UNESCO-Lehrstuhl?


ME: Für die Anerkennung eines UNESCO Chairs ist ein mehrstufiger Bewerbungsprozess notwendig. Zuerst muss die Deutsche UNESCO Kommission überzeugt werden. Es gibt einige Kriterien, die erfüllt werden müssen; dies sind u.a. der Nachweis des internationalen akademischen Renommees in einer wissenschaftlichen Disziplin, die in Bezug zu den UNESCO Zielen eine hohe Relevanz hat, überdurchschnittlich viele und intensive internationale Kooperationen, darunter insbesondere auch mit Länder des Südens sowie Beiträge zur Nachhaltigkeitsforschung. Wenn die deutsche UNESCO Kommission positiv entschieden und die Hochschulrektorenkonferenz zugestimmt hat, darf ein Antrag formuliert werden, der dann bei der UNESCO in Paris eingereicht wird. Der umfasst die Darstellung der Ziele und geplante Maßnahmen des Lehrstuhles und den Nachweis über ein international unterstützendes Netzwerk von Universitäten und internationalen Institutionen. Wir haben hierfür 15 Letter of Support erhalten. Der Antrag wurde dann von dem Rektorat der Universität Bonn über die deutsche UNESCO Kommission eingereicht. Der Antrag wird dann durch mehrere UNESCO Divisions, in meinem Fall z.B. die Water Division und die Science Division, geprüft. Nachdem das UNESCO Chair Auswahlgremium den Antrag genehmigt hat, wird zwischen der Universität und der UNESCO ein Vertrag aufgesetzt, der den Rahmen und die Aufgaben des UNESCO Chair beschreibt.

 

Welche Aufgaben sind konkret mit einem UNESCO-Lehrstuhl verbunden?


ME: Die Aufgaben umfassen Forschung, Lehre/Capacity Development und – idealerweise auch – outreach bzw. Generierung von Wissen für und mit Praxisakteuren, die über internationale Kooperationen realisiert wird. Der Fokus unseres UNESCO Lehrstuhls sind Human-Water-Systems. Forschung zu Mensch-Wasser-Systemen ist komplex und inter- und transdisziplinäre Zugänge sind zentral für ein besseres Verständnis und die Umsetzung von Wissen. Jedoch mangelt es oftmals an methodische Zugängen und der zielgerichteten Aufbereitung von Forschungsergebnissen. Genau hier wollen wir ansetzen. Der UNESCO Chair Human-Water-Systems hat zum Ziel eine internationale Forschungsplattform zur Mensch-Wasser-System Forschung aufzubauen, Wissen für Entscheidungsträgerinnen zu komplexen Systemen zu generieren und systemische Ansätze in der Lehre weiter zu entwickeln. Zum Beispiel sollen systemdynamische Theorien und Methoden auch für die Praxis anwendbar gemacht werden und Hilfestellung gegeben werden, wie Forschungserkenntnisse in Entscheidungshilfen überführt werden können.

 

Konnten in den ersten Monaten bereits Aktivitäten stattfinden? Wahrscheinlich wurden Sie direkt am Start mächtig durch Corona ausgebremst.


ME: Jein. Natürlich musste zunächst vieles auf Eis gelegt werden aber einiges wurde auch schon umgesetzt. Als eine erste Aktivität haben wir den Kontakt zu einem UNESCO Chair in Tansania aufgenommen und gemeinsame Aktivitäten abgestimmt. Als ersten konkreten Schritt haben wir ein Thema für eine Masterarbeit konzipiert, die im Rahmen des SFB „Fututre rural Africa“ durchgeführt wird und die wir gemeinsam betreuen. Des Weiteren haben wir eine eigene Fachsparte zu Mensch-Wasser-Systemen in der renommierten Zeitschrift Frontiers in Water etabliert, in der schon einige Artikel zu dem Thema erschienen sind und Sonderausgaben geplant sind. Gleichzeitig arbeiten wir an Lehrmaterialien, die in online-Lehrangeboten integriert werden sollen. Außerdem konzipieren die deutschen UNESCO Chairs eine Ringvorlesung, an der wir uns beteiligen werden. Natürlich freuen wir uns darauf, wenn wir auch wieder reisen können und die Kontakte und Aktivitäten auch mit physischen Treffen untermauern können. Für diese Zeit ist zum Beispiel ein Symposium zum Thema „Scales and coupling in Human-Water Systems“ geplant.

 

Wie viel Zeit bleibt Ihnen für die geplanten Projekte? Ist die Berufung auf den UNESCO-Lehrstuhl befristet?


ME: Ja, der Lehrstuhl ist erstmal auf vier Jahre befristet. Danach erfolgt eine Evaluation. Nach erfolgreicher Evaluation kann der Lehrstuhl für weitere Perioden für jeweils vier Jahre bewilligt werden.

 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und freuen uns über die Projekte berichten zu können.


ME: Vielen Dank!

 

Vielen Dank für das Interview.

 

 

Das Interview wurde von Anna Schoch-Baumann geführt und erschien im Jahresbericht 2019/20 des Geographischen Instituts Bonn.

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