Sie sind hier: Startseite Das Institut Netzwerke Bonner Geographische Gesellschaft Aktuelles Programm

Aktuelles Programm

Die Vorträge der Reihe finden in Präsenz im Alfred-Philippson-Hörsaal des Geographischen Instituts statt.

Für Mitglieder der Bonner Geographischen Gesellschaft bieten wir in diesem Semester auch eine digitale Teilnahme über Zoom an. Hierfür bitten wir um eine kurze Nachricht per Email, wir schicken Ihnen dann die Zugangsdaten zu.

  

Einladung
zu den Vorträgen
im

Sommersemester 2022
 

 

"Mensch-Technologie-Naturbeziehungen im Wandel"

 

Mittwoch, 11.05.2022, 18 Uhr c.t.

Wildpferde im Fokus humangeographischer Forschung: Von Naturschutzkonflikten um Namib-Horses zur Vermarktlichung amerikanischer Mustangs in Deutschland

Prof. Dr. Robert Pütz, Frankfurt

Wildlebende Pferde sind weltweit Gegenstand tiefgreifender Konflikte um den Umgang mit ihnen. Es zeigt sich, dass dahinter häufig Auseinandersetzungen über ihre „Zuordnung“ stehen: Sind Wildpferde eine invasive Art, die regionale Ökosysteme gefährden, oder selber eine bedrohte Art, die Schutz bedarf? Sind Sie überhaupt „wild“ oder nur „verwildert“, und was bedeutet das für ihre Schutzwürdigkeit? Sind sie „Natur“ oder „Kultur“? Am Beispiel einer Wildpferdeherde in Namibia, die noch auf die Zeit der deutschen Kolonialherrschaft zurückgeht und deren Bestand aktuell von Hyänen bedroht wird, zeichnet der Vortrag zunächst unterschiedliche Dimensionen der Naturschutzkonflikte nach. Im zweiten Teil geht es um die Vermarktung von Wildpferden, die seit jeher Bestandteil des US-Amerikanischen Wildpferdemanagements ist. Seit wenigen Jahren werden Mustangs mit großem Aufwand auch in Deutschland vermarktet. Welche Rolle spielt hier der „wilde“ Hintergrund der Pferde und was kann man als Wirtschaftsgeograph daraus grundsätzlich über Märkte von „lebendigen Waren“ lernen?

Mittwoch, 01.06.2022, 18 Uhr c.t.

Nährstoff und/oder Schadstoff – Eine relationale Geographie des Stickstoffs

Jun.-Prof. Friederike Gesing, Graz

Stickstoff ist ein essentieller Nährstoff für Pflanzen und Bestandteil der Zellstruktur und Erbsubstanz aller Lebewesen. Als Pflanzennährstoff ist Stickstoff begrenzender Faktor für die landwirtschaftliche Produktion. Mehr als die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittelproduktion basiert heute auf der Verwendung synthetischer Stickstoffdünger. Seit der Entwicklung der Ammoniaksynthese kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat sich so die globale Zirkulation reaktiver Stickstoffverbindungen vervielfacht. Paul Crutzen und Eugen Stoermer sahen dies als ein wichtiges Symptom des Anthropozäns; der globale Stickstoffkreislauf gilt heute als eine bereits überschrittene planetare Grenze. Durch übermäßige Stickstoffeinträge ist der "Baustein des Lebens" vielerorts vom Nährstoff zum Problemstoff geworden, der Boden, Wasser und Luft belastet. Reaktiver Stickstoff ist eine "Materie in Beziehung": er kann immer neue Verbindungen eingehen und Umweltwirkungen entfalten. Als Nährstoff und/oder Problemstoff durchkreuzt er dabei einfache Unterscheidungen in natürlich und anthropogen und verwischt zugleich die Grenzen zwischen Natur und Kultur. Stickstoff zeigt eindrucksvoll das Ausmaß der zunehmenden Vermischung von Natur und Kultur auf unterschiedlichen Ebenen, vom Körpergewebe bis zu globalen Stoffflüssen. Seine Materialität forciert zudem neue Praktiken der Wissensproduktion und politischen Steuerung. Der Vortrag plädiert für eine materielle und relationale Perspektive auf Stickstoff und diskutiert, wie ein chemisches Element unter den Bedingungen des Anthropozäns politisch wird.

Mittwoch, 06.07.2022, 18 Uhr c.t.

Zwischen Kinderwunsch und Bevölkerungspolitik: Eine Analyse „reproduktiver Geopolitik“ anhand globaler Kämpfe um körperliche Selbstbestimmung und reproduktive Rechte

Prof. Dr. Carolin Schurr, Bern

Nur wenige Wochen nachdem Schweizer Frauen im Juni 2019 den größten Frauenstreik des Landes organisiert hatten, verlor eine Asylbewerberin ihr Baby, weil sie keinen Zugang zu Schwangerschaftsvorsorge hatte. In Mexiko demonstrierten Frauen für ihr verfassungsmäßiges Recht auf Abtreibung, während indigene und ländliche Frauen weiterhin gezwungen sind, Verhütungsmittel zu nehmen, um keine Sozialleistungen zu verlieren. All diese jüngsten Ereignisse sind Beispiele für das, was wir "reproduktive Geopolitik" nennen. Indem wir das reproduktive Leben mit der Geopolitik in Verbindung bringen, gehen wir davon aus, dass Reproduktionstechnologien in die Geopolitik verwickelt sind, wenn Individuen, Staaten, internationale Organisationen, transnationale Unternehmen sowie religiöse und nichtstaatliche Organisationen definieren, wessen Fortpflanzung als wünschenswert und wessen Körper als wertlos gilt. Der Zugang zu Reproduktionstechnologien sagt viel darüber aus, wessen Leben in einem bestimmten Territorium welcher Wert beigemessen wird. Während einige das "Ende der staatlichen Biopolitik" ausrufen und die "Geschichte der Bevölkerungskontrolle" als Vergangenheit betrachten, zeigt dieser Vortrag am Beispiel Mexikos die Brüche, Kontinuitäten und Verstrickungen zwischen der traditionellen staatlichen Biopolitik und neuen Formen reproduktiver Geopolitik auf. Während in Mexiko in der Vergangenheit die territoriale Verwaltung der Bevölkerung explizit als Bevölkerungspolitik bezeichnet wurde, findet die Steuerung der Reproduktion in der Gegenwart eher implizit durch Regime der Gesundheitsversorgung, der Migration und der Sexualpolitik statt. Die Politik dieser Regime steuert die Bevölkerung weiterhin auf territoriale Weise, verfolgt aber offiziell keine Bevölkerungskontrolle. Das Konzept der reproduktiven Geopolitik zielt darauf ab, diese nicht wahrgenommene Bevölkerungspolitik explizit zu machen.

 

Kontakt

BONNER GEOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT e.V.
Geographisches Institut der Universität Bonn
Meckenheimer Allee 166
53115 Bonn

Vorstand

Vorsitzende: Prof. Dr. Nadine Marquardt
Stellvertretender Vorsitzender: Arnulf Marquardt-Kuron
Geschäftsführerin: Dr. Julia Poerting

Beisitzer: Dr. Hans Baumgarten, Dr. Marcus Mogk


E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

 

Artikelaktionen