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Aktuelles Programm

 

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Einladung
zu den Vorträgen
im

Wintersemester 2021/2022

 

"Infrastrukturen"

 

Aufgrund der aktuellen COVID-19 Lage finden die Vorträge im Wintersemester 2021/22 erneut virtuell als Zoom-Veranstaltungen statt (live).

 

Zoomlink Wittwochs am GIUBErgänzung zu QR-Code 2122

 

Mittwoch, 27.10.2021, 18 Uhr c.t.

Infrastrukturen als Biopolitik. Eine kritische Perspektive auf Technologien im Artenschutz

Julia Poerting, Bonn

Artenschutzprojekte sollen Biodiversität in Zeiten ökologischer Krisen erhalten. Die Dringlichkeit solcher Unterfangen unterscheidet sich; während die einen Arten vor dem Aussterben geschützt werden, werden andere Arten zum Zwecke der Landschaftspflege oder Waldverjüngung ausgewildert. Um Erfolge zu messen und Kontrolle zu behalten, sind Monitoring- und Managementtechnologien unabdingbar. Diese Technologien können sowohl analog (Zäune) als auch digital (Fotofallen, Besenderung, algorithmische Entscheidungen) sein. Vor allem der Einsatz digitaler Technologien stellt wichtige Fragen über die Zukunft von Entscheidungen im Artenschutz.

Am Beispiel des Schutzstatus von Wölfen in Deutschland zeigt der Vortrag auf, dass solche Technologien biopolitische Praktiken sind, die Mensch-Umwelt-Beziehungen determinieren und verschiedenen Tieren einen unterschiedlichen Wert zuschreiben. Nach europäischem Recht sind Wölfe in Deutschland streng geschützt, weswegen Vorhaben für eine friedliche Koexistenz mit dem Wildtier vor allem auf Herdenschutzmaßnahmen fokussieren. Diese Herdenschutzmaßnahmen können als infrastrukturelle Praktiken verstanden werden, die in ländlichen Regionen profunde sozialökologische Konflikte hervorrufen. Die Quantifizierung von Koexistenz in Form von Zaunhöhen, Zaunspannung und Entschädigungssummen ignoriert die affektiven Dimensionen von Mensch-Wildtier- und Mensch-Nutztier-Beziehungen. Unter Rückbezug auf eine raumbezogene biopolitische Perspektive diskutiert der Vortrag aktuelle Konflikte und Lösungsansätze in Niedersachsen und Brandenburg.

 

Mittwoch, 10.11.2021, 18 Uhr c.t.

Der Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania – Nachhaltige regionale Wirtschaftspolitik durch Integration in globale Produktionsnetzwerke?

Peter Dannenberg und Gideon Tups, Köln

Wachstumskorridore erleben derzeit in Afrika und anderen Teilen der Welt einen Boom. Häufig dienen sie als Instrument, um ländliche Entwicklung zu fördern und eine schnelle Intensivierung und Modernisierung der Landwirtschaft voranzutreiben. Dies soll vor allem durch die strategische Kopplung zwischen globalen Produktionsnetzwerken multinationaler Agrarkonzerne und Agrarregionen unter starker staatlicher Unterstützung geschehen. Multinationale Unternehmen bringen dabei jedoch oft ihre ganz eigenen Vorstellungen und Interessen in die Ausgestaltung eines Korridors ein (z.B. die Erschließung eigener Absatzmärkte). Wie dabei die unterschiedlichen Interessen ausgehandelt werden und wie sich die unterschiedlichen Akteure bei der tatsächlichen Planung und Umsetzung des Korridors durchsetzen können, ist jedoch noch wenig untersucht.
Basierend auf umfangreichen Studien vor Ort, bietet der Vortrag am Fallbeispiel des Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania (SAGCOT) eine kritische Analyse dieses Trends. Dabei wird gezeigt und erklärt, wie der multinationale Düngemittelhersteller YARA durch die Entwicklung einer langfristigen Vision für die Zukunft des ländlichen Tansanias die Politik des Landes über Jahre beeinflussen konnte. Durch die enge Partnerschaft mit öffentlichen Akteuren, trug die Mobilisierung SAGCOTs wesentlich dazu bei, YARAs Absatzmarkt für synthetische Düngemittel in Tansania zu erweitern.

 

Mittwoch, 24.11.2021, 18 Uhr c.t.

'My cello was always with me'. Über die Ko-Produktion von Migration und Materialität

Anna-Lisa Müller, Heidelberg

Basierend auf mehrjähriger Forschung mit hochmobilen internationalen MigrantInnen stelle ich in meinem Vortrag Forschungsergebnisse vor, die auf die Ko-Produktion von Migration und Materialität verweisen. So werden etwa Objekte – wie ein Cello oder ein Laptop – durch die migrierenden Personen selbst zu mobilen Objekten mit eigenen Migrationsbiographien. Darüber hinaus entsteht die spezifische räumliche Mobilität von Menschen und damit Migration erst durch die Integration von materiell-physischen Objekten und Infrastrukturen, etwa indem Flugzeuge genutzt, Grenzposten passiert oder Passdokumente vorgezeigt werden. Auch das Verteilen von Objekten an unterschiedlichen Orten auf der Welt bringt die Alltagsrealität einer transmigrantisch lebenden Person erst mit hervor: Das Einlagern der geliebten Comics im Elternhaus oder des Klaviers bei einem privaten Unternehmen ko-produziert Migration. Ausgehend von einer materialitätssensitiven Perspektive, die von den science and technology studies inspiriert ist, argumentiere ich daher, dass Migration und Materialität als Phänomene verstanden werden können, die sich wechselseitig beeinflussen. Das Materielle der Migration und das Migrantische der Materialität in den Blick zu nehmen bedeutet dann auch, jenseits der sozialräumlichen Dimensionen der Migration zu schauen und den Nexus von Gesellschaft und Materialität für ein raumzeitliches Phänomen wie Migration weiterzudenken.

 

Mittwoch, 19.01.2022, 18 Uhr c.t.

’Our stories, our voices’: A feminist toolkit for authorship in the data peripheries

Ayona Datta, London

This lecture will present a feminist toolkit for gendered authorship that develops a range of adaptable resources for marginal citizens to occupy the digital-analogue margins. Drawing upon a series of participatory, visual and aural tools used by young millennial women living in Delhi’s urban peripheries, the toolkit will highlight new forms of literary ‘innovation’ through the expression of anger, joy, freedom and despair in the data peripheries of the city. The lecture will argue that self-authorship in the toolkit can transform the data peripheries by underlining the affective and resistant potential of data, thus profoundly changing the social nature of digital space and its potential to shape feminist urban futures.
 

Mittwoch, 26.1.2022, 18 Uhr c.t.

Geographien von Infrastrukturtransitionen: Technologien, Politik und Konflikte

Sören Becker, Marburg

Der Umbau von Energie- und anderen technischen Infrastruktursystem ist eines der wichtigsten Handlungsfelder für die Verminderung des Klimawandels und die Anpassung an seine Folgen. Gleichzeitig sind Infrastruktursysteme komplexe und beständige Gefüge, die so konstruiert werden, dass sie nur schwer zu verändern sind. An verschiedenen Beispielen – von modularen Infrastrukturanbietern in Nairobi bis zur deutschen Energiewende – diskutiert der Vortrag politische und ökonomische Veränderungsdynamiken und zeigt, wie die Transition von Infrastrukturen Gegenstand und Auslöser gesellschaftlicher Konflikte sein kann. In dem Vortrag wird das Argument entwickelt, dass über evolutionäre Erklärungsmodelle hinausgedacht werden muss, um die Veränderung von Infrastrukturen zwischen Politik und Markt zu verstehen. In diesem interdisziplinären Forschungsfeld kann sich die Geographie als zeitdiagnostische und kritische Disziplin positionieren.

 

Für Interessierte an unserer Vortragsreihe

Für die digitale Reihe erheben wir keinen Eintritt. Vielleicht möchten Sie in diesem Semester stattdessen aber eine der nachfolgenden Organisationen mit einer kleinen Spende unterstützen. Das würde uns freuen.

Medico International - https://www.medico.de/spenden

Seebrücke - https://seebruecke.org/spenden/

Sea-Watch - https://sea-watch.org/spenden/

Exit Deutschland - https://www.exit-deutschland.de/spenden/

 

Kontakt

BONNER GEOGRAPHISCHE GESELLSCHAFT e.V.
Geographisches Institut der Universität Bonn
Meckenheimer Allee 166
53115 Bonn

Vorstand

Vorsitzende: Prof. Dr. Nadine Marquardt
Stellvertretender Vorsitzender: Arnulf Marquardt-Kuron
Geschäftsführerin: Dr. Julia Poerting

Beisitzer: Dr. Hans Baumgarten, Dr. Marcus Mogk


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