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Historische Entwicklung der Geographie in Bonn

Personelle Entwicklung

Die Entwicklung bis zum II. Weltkrieg


Die Entwicklung des Fachs Geographie, die zeitweise auch von Bonner Geographen maßgeblich mitgeprägt wurde, spiegelt sich in folgender Weise in Aufbau und Zusammensetzung des Forschungs- und Lehrbereichs an der Bonner Universität wider:

Die erste Habilitation eines Geographen an der Universität Bonn erfolgte 1828 mit G. B. Mendelssohn, der 1835 zum außerordentlichen, 1847 zum ordentlichen Professor ad personam ernannt wurde. Ein eigentlicher geographischer Lehrstuhl mit zugehörigem "Apparat" wurde 1875 eingerichtet.

RichtErster Vertreter wurde der renommierte Geologe und später führende Geograph F. Freiherr von Richthofen, der allerdings nur vier Jahre in Bonn blieb, aber als eigentlicher Begründer eines neuzeitlichen geographischen und länderkundlichen Ansatzes gilt und damit der Bonner Geographie von Anbeginn eine Richtung wies.

Nachfolger Richthofens wurde 1883 J.J. Rein. Mit seinem Forschungsgebiet Japan begründete er die bis in die Gegenwart reichenden engen Beziehungen der Bonner Geographie zu japanischen Hochschulen.

PhilipssonNach Richthofen leitete A. Philippson den Lehrstuhl von 1911 bis 1929.
Obwohl Geomorphologe, deckte er die Geographie in großer Breite ab. Seine Forschungsschwerpunkte lagen im Mittelmeerraum und in den Rheinlanden. Er förderte den Ausbau des Seminars bzw. des Instituts, erreichte die eigenständige Stellung des Fachs und die Einrichtung einer weiteren Professur für den Bereich "Allgemeine Wirtschaftsgeographie".

Mit der Besetzung dieser Stelle durch O. Quelle entstand der neue regionale Schwerpunkt "Lateinamerika", der bis heute gepflegt wird.

WaibelVon 1930 bis zu seiner in nationalsozialistischer Zeit erzwungenen Abberufung 1937 erfuhr die Bonner Geographie unter L. Waibel eine Neuorientierung in Richtung einer "physiologischen Landschaftskunde" und einer aus biogeographischen Konzepten entwickelten Wirtschaftsgeographie. Gleichzeitig wurden neue regionale Forschungsschwerpunkte etabliert: die afrikanischen und lateinamerikanischen Tropen. Dieser übergreifende Ansatz führte schließlich auch zu einer Neukonzeption der Lehre.

TrollAm nachhaltigsten dürfte wohl der Einfluß von C. Troll gewirkt haben, der von 1938 bis 1966 den Bonner Lehrstuhl besetzte.
Mit seinen Forschungsschwerpunkten "Landschaftsökologie" (eine Troll'sche Begriffsprägung) und "Vergleichende Geographie der Hochgebirge" blieb er hauptsächlich Physischer Geograph, der höchste internationale Standards setzte und durch seine Person Bonn zu weltweiter Anerkennung verhalf.
Er förderte aber ebenso die Forschungsrichtungen der Kultur- und Wirtschaftsgeographie.

 

Entwicklungen nach dem II. Weltkrieg

1949 wurde eine außerordentliche Professur für Wirtschaftsgeographie eingerichtet, 1950 eine "Abteilung für Historische Geographie", 1952 eine "Abteilung für Klima- und Gewässerkunde", aus der später die "Abteilung für Angewandte Physische Geographie" wurde (bis 1996 besetzt von J. Grunert) und 1953 eine "Abteilung für Geographische Landeskunde der Rheinlande" (bis 1995 W. Matzat). 1959 wurde ein eigenes Institut für Wirtschaftsgeographie mit Ordinariat (1965 bis 1986 H. Hahn) geschaffen. Mit ihm begann der intensive Austausch mit Afghanistan ("Ein Stuhl für Kabul").

Der Historischen Geographie wurde 1962 der Status eines Seminars in der Philosophischen Fakultät  verliehen, welches von 1972 bis 2001 von K. Fehn geleitet wurde.
Das Geographische Institut konnte 1963 um ein Ordinariat für Kulturgeographie (W. Kuls) erweitert werden.

Der Ausbau der Geographie erfolgte auch unter H. Hahn, W. Kuls und W. Lauer (ab 1966 Nachfolger von C. Troll) vorerst noch unvermindert; die Atmosphäre am Institut "um 1968" war noch geprägt von autoritären Strukturen, die langsam aufbrachen. Im Einzelnen erfolgte die Einrichtung je eines zweiten Ordinariats in der Physischen Geographie (1967; 1970-1994 P. Höllermann) und in der Wirtschaftsgeographie (ab 1972 K.A. Boesler), 1970 Gründung der "Abteilung für Angewandte Geographie" (bis 1993 G. Aymans), 1972 Einrichtung einer weiteren Professur für Geographie (E. Mayer), 1982 Überleitung von D. Klaus vom Studienprofessor zum Professor C3 und von H. Toepfer vom Oberassistenten zum Professor C2. 1980 war H. Böhm zum Außerplanmäßigem Professor ernannt worden; er war langjähriger Chronist des Instituts.

Seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre erfolgte ein Wechsel auf fast allen planmäßigen Professorenstellen, die sowohl wesentliche Änderungen in den jeweiligen fachlichen Ausrichtungen als auch bedeutende Kompetenzen in richtungsweisenden Methoden mit sich brachten: 1987 traten E. Ehlers (Kulturgeographie, Entwicklungsländer) die Nachfolge von H. Hahn und 1985 R. Grotz (Stadtgeographie, Industriegeographie) die von W. Kuls, 1988 M. Winiger (Klimatologie, Geoökologie, Hochgebirge) die von W. Lauer an.

1995 wurde H.-D. Laux (Bevölkerungs- und Sozialgeographie) zum apl. Professor ernannt. 1996 übernahm B. Diekkrüger (Hydrologie, Okösystemforschung) die 1990 von der Math.-Nat. Fakultät zur Verfügung gestellte und von Geschichte der Naturwissenschaften in Geohydrologie umgewidmete Professur von W. Flügel. Im gleichen Jahr nahmen R. Dikau (Geomorphologie, Naturgefahren) den an ihn ergangenen Ruf auf die C4-Professur Nachfolge P.W. Höllermann, K. Greve (Geographische Informationssysteme) den auf die neu eingerichtete Professur (HSP II) für GIS und J. Pohl (Sozialgeographie, Theorie und Methodologie) den auf die Professur Nachfolge G. Aymans an. 1997 übernahm L. Zöller (Quartärmorphologie, Datierungsmethoden) die Nachfolge von J. Grunert. 1998 trat G. Menz (Fernerkundung) seinen Dienst als Nachfolger auf die von W. Matzat mit der Fachrichtung Rheinische Landeskunde besetzte und jetzt in Fernerkundung umgewidmete C4-Professur an. Im gleichen Jahr übernahm G. Grabher (Regionalökonomie und Wirtschaftsgeographie) die Nachfolge von K.-A. Boesler. Ebenfalls 1998 folgte D. Müller-Mahn (Entwicklungsforschung) dem Ruf auf die Nachfolge von E. Mayer, die er aber bereits zum 31.03.2001 wieder verließ, da er einem Ruf auf einen Lehrstuhl in Bayreuth folgte. Die Nachfolge trat 2002 als erste Professorin im Fach Geographie an der Bonner Universität S. Tröger an.

 

Entwicklungen seit dem Zusammenschluss zum Geographischen Institut

Im Oktober 2001 trat W. Schenk (Historische Geographie) die Nachfolge von K. Fehn an. Gleichzeitig wurde das Seminar für Historische Geographie laut Senats-Beschluss vom 13. Juli 2000 mit dem Geographischen Institut zusammengelegt.

L. Zöller folgte 2002 einem Ruf nach Bayreuth. Die Professur wurde kurz von B. Schütt, dann von J. Herget vertreten. 2004 erfolgte die Berufung Hergets auf die von ihm vertreten Stelle. J. Herget profilierte die Professur mit dem Schwerpunkt Geomorphologie und Paläohydrologie.

In den Jahren 2003 und 2004 zeichnete sich ein richtungsweisender Wechsel ab. 2003 trat U. Schickhoff (Vegetationsgeographie) die Nachfolge von D. Klaus an, wobei die Professur aufgrund des bevorstehenden Wegfalls der Lehrerausbildung 2008 von einer Didaktikprofessur in Vegetationsgeographie umgewidmet wurde. 2004 trat H.-G. Bohle (Geographische Entwicklungsforschung) die Nachfolge von E. Ehlers an, C.-C. Wiegandt (Stadt- und Regionalforschung) nahm den an ihn ergangenen Ruf auf die C4-Professur Nachfolge R. Grotz an.

M. Winiger wurde im Januar 2004 zum Rektor der Universität Bonn gewählt, nachdem er vorher ein Jahr das Amt des Dekans der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät bekleidet hatte. Die Professur wurde von J. Löffler vertreten, der 2007 den Ruf auf diese Professur erhielt.

Im Oktober 2004 erhielt U. Schickhoff einen Ruf auf eine C4-Professur an die Universität Hamburg. Die Professur für Vegetationsgeographie wurde zunächst von J. Böhmer vertreten und am 1. Juli 2006 mit S. Schmidtlein wiederbesetzt. Durch seinen Ruf an das KIT in Karlsruhe zum 01.04.2013 ist diese Stelle derzeit nicht besetzt.

Seit dem 1. Juli 2005 ist die Professur für Kartographie aus der Landwirtschaftlichen Fakultät dem Geographischen Institut zugeordnet. Die Räumlichkeiten der Professur und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbleiben in der Meckenheimer Allee 172. Am 1. Oktober 2007 trat  A. Zipf die Professor für Kartographie an, bis er im Oktober 2009 einen Ruf an die Universität Heidelberg annahm. Diese Stelle wurde in die Professur für Ökohydrologie und Wasserressourcenmanagement umgewandelt. Frau  M. Evers trat zum 01.04.2013 diese Professur an.

G. Grabher erhielt zum 1. April 2009 einen Ruf an die HafenCity-University in Hamburg. Die Professur für Wirtschaftsgeographie wurde nach verschiedenen Vertretungen im Jahr 2012 mit Frau B. Klagge wiederbesetzt. Herr D. Müller-Mahn trat 2013 die Nachfolge von H.-G. Bohle an, der 2013 emeritiert wurde.

Am 01.09.2013 trat L. Schrott die vorgezogene Nachfolge von R. Dikau an, der Ende Februar 2016 nach 20 Jahren am GIUB in Ruhestand ging. Vom 01.10.2013 bis zum 30.09.2015 war Frau Ch. Ifejika Speranza als Professorin für den Joint Master mit der United Nations University tätig. Im November 2015 durfte das Geographische Institut Frau J. Verne als neue Professorin begrüßen. Sie besetzt die vorgezogene Nachfolge von Frau S. Tröger.

Im August 2016 verstarb überraschend G. Menz. Zum 16.12.2016 trat Frau N. Marquardt die Professur für Sozialgeographie an, die seit dem Tod von J. Pohl im Juni 2014 nicht besetzt gewesen war.

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