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Corona-Blog

Der Corona-Blog vom GIUB

Hier werdet ihr in den nächsten Tagen und Wochen verschiedene Einträge zum Thema Corona, und wie es unseren Alltag am GIUB beeinflusst, finden. Dazu zählen Erfahrungsberichte von Studierenden und Wissenschaftler*innen, die zu Beginn und während der Coronakrise im Ausland sind/waren, Berichte von der digitalen Lehre und Updates zu den Maßnahmen am GIUB. So haben wir noch einen Weg, euch auf dem Laufenden zu halten!

Falls ihr etwas zum Blog beitragen wollt, dann schreibt mir einfach eine e-mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

Viele Grüße von eurer Anna

 

 

 

Die hier geposteten Beiträge spiegeln die Ansichten der jeweiligen Autoren und nicht in jedem Fall die des Geographischen Instituts der Universität Bonn wider.

Foto: Volker Lannert/Universität Bonn

9.09.2020

Die Fachschaft während Corona – Ein Beitrag an alle Studierenden der Geographie in Bonn

April 2020 – Die Corona-Pandemie bricht über das Uni-Leben herein. Von Dozierenden bis Sekretariat, alle Mitarbeitenden der Uni bereiten schnellstmöglich ein digitales Semester vor. Innerhalb von wenigen Wochen leeren sich die Gebäude, bevor nach und nach „rotierende Nutzungssysteme“ wieder für eine teilweise Belebung der Büros sorgen. Schließlich öffnet, mit strengen Hygieneregeln, sogar die Bibliothek wieder für einige Stunden am Tag.

FS_Foto1.jpgWas leer bleibt, ist der rote Saal am Dienstagabend. Die wöchentlich stattfindende Fachschaftssitzung ist in dem schönen, kleinen Raum nicht mehr möglich. Aber wozu auch? Ist die Fachschaft Geographie nicht weithin für die Organisation von Veranstaltungen bekannt, wie der Erstirallye, den Erstifahrten nach Stadtkyll, dem Glühweinabend im Dezember, der Geoparty im Frühjahr und schließlich dem Sommerfest? All diese Veranstaltungen können in der bisherigen Form vorerst nicht mehr stattfinden. Also hat die Fachschaft auch nichts mehr zu tun, oder?

Falsch gedacht! Denn gerade in Zeiten wie diesen ist es immens wichtig, die Perspektiven der Studierendenschaft an das Institut heranzutragen.

Digital war die Fachschaft bereits vor der Pandemie bestens aufgestellt. Schon allein, um sich über zahlreiche Themen in Kleingruppen auszutauschen, ohne den Überblick zu verlieren, nutzen wir Kommunikationstools wie Slack und teilen Inhalte über Sciebo. E-Mail-Verteiler und Social-Media-Kanäle sind stark frequentiert, um die Kommunikation zu allen Studierenden zu gewährleisten. Insgesamt war es technisch nicht schwer, die wöchentliche Sitzung in ein Zoom-Meeting zu verwandeln.

FS_Foto2.jpgUnd das ist bitter nötig: Denn die Fachschaftsarbeit schläft nicht. Ob Evaluationsbögen der Veranstaltungen durchlesen, die Meinung der Fachschaft zur Auswahl der Seminarthemen des nächsten Jahres oder zur Berufung neuer Professor*innen kommunizieren, über  auszugebende Gelder zur Verbesserung der Lehre abzustimmen oder sich in der Vorstandssitzung über die Vorgänge im Institut auf dem Laufenden zu halten -  Corona hat an der Menge der zu erledigenden Dinge nur wenig geändert. Glücklicherweise muss dank Digitalisierung niemand mehr für die Kommissionen ins Geographische Institut fahren. Eine Flexibilität, die zu Beginn des Semesters vielen Fachschaffenden mehr Engagement ermöglicht und zu reger Teilnahme an den Sitzungen geführt hat.

Und jetzt?

September 2020 – Die Gebäude der Universität sind nun im sechsten Monat nur begrenzt zugänglich. Die vorlesungsfreie Zeit erreicht ihren, scheinbar verschlafenen, Tiefpunkt. Es ist die Zeit des Jahres, in der uns Studierenden nicht einmal mehr regelmäßige Online-Veranstaltungen zur Verfügung stehen, um daran festzumachen, welcher Wochentag heute eigentlich ist.  Die Zeit, in der sich sowieso alle einzelkämpferisch um die Abgaben ihrer Hausarbeiten bemühen. Na gut, einige haben es, allen Hindernissen zum Trotz, auch in den Urlaub geschafft. Auf jeden Fall ist jetzt auch die Fachschaftssitzung deutlich weniger besucht. Die Teilnehmerzahl der Sitzungen dümpelt um die fünf herum vor sich hin.

Das muss sich dringend ändern. Denn wie jede*r weiß, lebt eine gute, demokratische Diskussion auch von der Opposition. Einige unserer Mitglieder sind schon über Jahre hinweg aktiv, über alle Vorgänge im Institut informiert und sehr engagiert in dem Ziel, das Studium für alle noch qualitativ hochwertiger zu gestalten. Sie bilden den harten Kern der Fachschaft und haben die Aufgabe, ihr Wissen, von Veranstaltungsorganisation bis Hochschulpolitik, an die nächste Generation weiterzugeben. Eine Generation, die momentan leider nur schwer erreichbar ist. Was das mit Demokratie zu tun hat? Etwas überspitzt formuliert: Um zu vermeiden, dass sich in der aktuellen Situation immer wieder die gleichen fünf Teilnehmenden an der Sitzung gegenseitig ihre Meinung vorsagen, braucht es dringend eines: DICH!

Neue Mitglieder in der Fachschaft. Studierende, egal aus welchem Semester, die das Studium für ihre Kommiliton*innen verbessern möchten. Die sich in deren Positionen hineinversetzen, ihre Meinungen vertreten und sich aktiv einbringen. Sei es in der Mitbestimmung in Kommissionen, beim kritischen Lesen neuer Prüfungsordnungen, der Ausarbeitung des politischen Selbstverständnisses der Fachschaft, Kommunikation mit dem AstA oder das Einrichten des neuen Fachschaftsraumes. Insbesondere kreative Ideen, wie die Erstiwoche dieses Jahr Corona-gerecht gestaltet werden kann, sind aktuell gefragt. Ob große oder kleine Aufgaben, jede*r kann sich engagieren. Die digitalen Sitzungen haben einen großen Vorteil: Egal, wo Du bist, Du kannst von überall aus teilnehmen. Ganz nebenbei bietet sich die Möglichkeit, trotz Corona neue Leute kennen zu lernen. Denn auch viele spaßige Aspekte der Fachschaftsarbeit, wie das gemeinsame ausklingen lassen des Abends nach der Sitzung, haben wir in den digitalen Raum verlegt. Und solange das Wetter es zulässt, ist die Fachschaftssitzung auch nachts & draußen möglich.

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Du willst dich engagieren? Schreib einfach eine E-Mail an [Email protection active, please enable JavaScript.]. Die nächsten Sitzungen in den Semesterferien finden am 15.09. und am 29.09. statt. Wir freuen uns auf Dich!

Liebe Grüße an alle und bleibt gesund,
eure Fachschaft Geographie

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Fotos:Fachschaft Geographie

2.09.2020

Exkursion in CoronaZeiten!

Julius Sax und Linus Zurmühlen, Hilfskräfte in der Arbeitsgruppe "Geographische Entwicklungsforschung" von Prof. Müller-Mahn, berichten über die Planung und Durchführung der digitalen Exkursion im Sommersemester 2020.

Nachdem mein Kollege Linus an dieser Stelle schon vor 3 Monaten über die Exkursionsvorbereitungen unter Coronazeiten sprach, ist es nun endlich vollbracht. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und die ersten Studierenden haben schon Teile der “Smartguide”-Exkursion absolviert. Unser Ziel auch in diesem Semester eine 7-Tages-Exkursion stattfinden zu lassen, konnten wir dadurch erfüllen, dass die Exkursion einzeln oder zu zweit absolviert werden kann und auf Bonn und Köln beschränkt ist. Die eigentlich geplante Exkursion nach Berlin wurde dafür ins nächste Jahr verschoben.

AG_MM_Einführung (Mittel).jpegUm die fünf verschiedenen Touren, die die Studierenden mithilfe eines Smartguides auf Tablets durchführen sollen, innerhalb von 3 Monaten auf die Beine zu stellen, haben sämtliche Hilfskräfte der AG Müller-Mahn, sowie dieser selbst an der Exkursion gearbeitet. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass für diese Art der Exkursion sehr viel mehr Vorbereitung und Zeitaufwand nötig wurde als zuerst gedacht. Neben den inhaltlichen Ansprüchen an eine 7-Tages-Exkursion, die auch unter den gegebenen Bedingungen interaktiv gestaltet werden sollte, waren die Gründe dafür natürlich auch technischer Art. So mussten zuerst Geräte gefunden werden, die sich für die Mitnahme durch die Stadt eignen und als Smartguide von den Studierenden benutzt werden können um selbständig die einzelnen Stationen der Tour zu finden. Außerdem brauchten wir auch noch eine Software, in der eine Karte, Audio- und Videobeiträge, Bilder und Dokumente abrufbar sind und auf die wir die Inhalte der Exkursion spielen konnten. Zu den technischen Experimenten wollten wir auch inhaltlich neue Wege gehen (s. Blog-Beitrag vom 07.05.2020), wobei der asynchrone Ablauf der Exkursion von Vorteil ist. Dieser bot die Möglichkeit verschiedene Expertinnen und Experten zu einem Thema zu befragen und Ausschnitte aus den so entstandenen Interviews an den jeweils passenden Stationen zu präsentieren. Der Vorteil bei der digital unterstützten Exkursion ist, dass sie im Gegensatz zu einer „normalen“ analogen Exkursion einfacher verschiedene Perspektiven einbinden kann. Somit lassen sich auch Sichtweisen widerspiegeln, die sonst eher schwer in einem Exkursionsformat zu bündeln sind. Beispiele dafür sind das Interview mit dem Bonner Stadtbaurat Helmut Wiesner oder dem Betreiber der Kölner Kneipe Barinton. Dabei ändert sich auch die Gesprächssituation, weil sich die Expert*innen nicht einer Gruppe gegenüber befinden. Allerdings geht so auch die Möglichkeit für die Studierenden verloren selbst aktiv in die Diskussion einzusteigen.

AG_MM_Interview Köln Kulturraum 405 (Mittel).jpegEine “Originalbegegnung” mit Menschen, die einen bestimmten (emotionalen) Bezug zu den Orten haben, die auf der Exkursion besucht werden sollen, kann es mit diesem Exkursionskonzept, bzw. unter Coronabedingungen auch nicht wirklich geben. Dabei ist diese besonders wichtig, wie der Raumplaner Christian Lamker in einem Blog-Eintrag beschreibt (http://www.christian.lamker.de/2020/03/corona-looking-for-sense-with-limited-senses/) und wie wir selbst während der Vorbereitung in Gesprächen und Rundgängen mit Interviewparter*innen immer wieder gemerkt haben. Es gibt Orte und damit verbundene Geschichten, auf die wir nur durch unsere Interviewparter*innen aufmerksam wurden. Eine Chance kann höchstens sein, dass durch die fehlenden Originalbegegnungen die Materialitäten der (gebauten) Umwelt noch mehr in den Vordergrund rücken, was wir auch methodisch versucht haben zu reflektieren, mit psychogeographischen Methoden wie dem “Derive”, welche die subjektive Wahrnehmung der (gebauten) Umwelt in den Vordergrund stellen.  

 

AG_MM_GIUB Excursion  Interview 1.2 (Mittel).jpgDie neuen Umstände könnten so vielleicht auch die Chance bieten mit alten Traditionen und Gepflogenheiten der Lehre zu brechen und mal was Neues auszuprobieren. Dabei haben auch die Studierenden mehr Gestaltungsspielraum. So können sie zum Beispiel selbst entscheiden, wann sie welche Exkursion absolvieren und wie sehr sie bei den verschiedenen Stationen in die Tiefe gehen möchten. Jedoch zeigen sich auch hier Grenzen auf. So ist uns trotz des Anspruches nicht an allen Stationen geglückt neue Inhalte und Denkanstöße zu geben. Dies ist nicht zuletzt der Zeitintensivität geschuldet, die benötigt wird um neue Ideen und Konzepte zu entwickeln. Auch wenn die Vorbereitungszeit für die Exkursion durch die spontane Umplanung kürzer war als üblich, machte sich auch hier bemerkbar, dass das neoliberal geprägte Universitätssystem wenig Zeit für die Weiterentwicklung der Lehre offen hält. Im Rückblick fällt zudem auf, dass es in der Exkursion einen deutlichen Überschuss an männlichen Interviewpartnern gibt. Der Grund dafür ist wohl die ungleiche Verteilung zum Beispiel bei Professuren oder Führungspositionen im öffentlichem Dienst. Diese strukturelle Ungleichheit wird somit auch in der Exkursion reproduziert.
Insgesamt zeigt sich, dass auch in der Corona-Krise weiterhin Exkursionen stattfinden können, wenn auch in anderen Formaten als bisher üblich. Aus der Situation können so meiner Meinung nach auch positive Lehren für die universitäre Lehre gewonnen werden.

von Julius Sax und Linus Zurmülen / Fotos: P. Augenstein

3.06.2020

ERASMUS unter Corona – unsere Incomings!

Einige unsere Incomings haben aufgrund der Corona-Reisebeschränkungen ihren Aufenthalt an der Uni Bonn im Sommersemester abgesagt, aber nicht alle. Francois aus Paris, Marc aus Cork und Liv aus Bern sind zwar in Ihren Heimtaländern geblieben, nehmen aber an den Online-Kursen des GIUB teil. Letzte Woche haben sich die Incomings und einige der GIUB-Buddies „virtuell“ mit der Auslandskoordinatorin Simone Giertz getroffen, um sich über die aktuelle Situation auszutauschen. Die Freude über das Wiedersehen war groß! Einige Incomings planen schon bald nach Bonn zurückzukehren, auch wenn das Semester online weitergeht. Nach einem verregneten Wintersemester in Bonn wollen sie nun auch den Bonner Sommer kennenlernen und ihre Freunde und Buddies in Bonn wieder treffen. Mit den neuen Lockerungen der NRW-Landesregierungen sind ja sogar Treffen mit zehn Personen, Kino- und Schwimmbadbesuche wieder möglich.

von Simone Giertz

27.05.2020

Dozentenaustausch an der Uni Bern... und was man daraus für Corona-Zeiten lernen kann.

Julia Poerting, Postdoc in der Arbeitsgruppe Sozialgeographie von Prof. Nadine Marquardt, berichtet von ihrem Dozentenaustausch an der Uni Bern. Ihre Erfahrungen, die sie mit ihrem Seminar gemacht hat, sind auch in der Corona-Zeit hilfreich: Projektarbeiten digital und mal ganz anders...

Im Februar habe ich im Rahmen eines Dozentenaustauschs zwei Wochen am Geographischen Institut der Universität Bern verbracht. Dort begann gerade das Semester und so habe ich die ersten Blocksitzungen eines Master-Projektseminars gemeinsam mit drei Berner KollegInnen (Dr. Elisabeth Militz, Mirko Winkel, Prof. Dr. Carolin Schurr) unterrichtet. Das Seminar beschäftigte sich mit mehr-als-menschlichen Geographien; Corona lieferte zu dem Zeitpunkt zwar ein gutes Fallbeispiel für globale Geographien von Gesundheit in unserer einführenden Präsentation, spielte jedoch noch keine Rolle in unserem Alltag.

Im Laufe des Semesters mussten die Sprechstunden dann wie in Bonn in den digitalen Raum verlagert werden und Konzepte zur Umsetzung der Projekte den Bedingungen angepasst werden. Auch die Abschlusspräsentationen Anfang Mai und die letzte Feedbackrunde und Veröffentlichung des Forschungsblogs vergangene Woche fanden „nur“ digital statt. Für mich bedeutete diese Digitalisierung des Seminars, dass ich trotz der räumlichen Distanz an beiden Sitzungen teilnehmen konnte - ein positiver Nebeneffekt.

Das Seminar hat mich sehr inspiriert, vor allem in Bezug auf die Möglichkeiten und Herausforderungen der (nicht intra-akademischen) Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Unser Seminar befasste sich mit zeitgenössischen Verhältnissen von Natur und Kultur, Mensch und Technologie, Menschlichem und Nicht-Menschlichem. Ziel der Projektarbeiten war es, zentrale Konzepte aus diesen Themenbereichen mit Hilfe eines geeigneten Vermittlungskonzeptes einer selbstgewählten Zielgruppe zu erklären. Dabei gab es lediglich die Vorgabe, eine nicht-text-basierte Form zu wählen, sprich, das Format der „klassischen“ Haus- bzw. Projektarbeit war nicht erlaubt. Dadurch sollten die Studierenden motiviert werden, mit erfahrungsbasierter und leicht zugänglicher Wissensvermittlung zu experimentieren. Die Reflektion eines (frustrierenden) Besuchs einer Kunstausstellung zu historisch-feministischen und zeitgenössischen Werken zu Beginn des Seminars hatte uns allen eindrücklich gezeigt, dass sich elaborierte und ausschließende Codes der Kunstwelt auch auf die Zirkulation von Erkenntnissen in der Wissenschaft übertragen lassen.

Entstanden sind vier spannende Projektarbeiten in den Formaten digitale Ausstellung, Hörspiel, Selbst-Test und Instagram-Container. Einen kurzen Überblick über die Arbeiten finden Sie auf dem Blog des Berner GIUBs.

Von dort gelangen Sie dann z.B. zu der digitalen Ausstellung über Transkorporealität oder können einen digtalen Selbsttest darüber machen, wie menschlich Sie eigentlich sind.

von Julia Poerting / Foto: Julia Poerting

22.05.2020

Erste Erfahrungen mit der digitalen Lehre - Ein Interview mit Malin Ihle

Malin Ihle studiert im Haupfach VWL und im Nebenfach Geographie (2. Semester) an der Universität Bonn. Im Interview berichtet sie uns von den Erfahrungen mit der digitalen Lehre in den ersten Wochen des Sommersemesters 2020. Nachdem es in den ersten Wochen noch die ein oder anderen Probleme gab, läuft inzwischen fast alles rund. Man merkt eben, dass wir alle inzwischen Erfahrungen mit zoom und anderen Tools gesammelt haben.

Das Interview wurde am 18.05.2020 aufgezeichnet. Viel Spaß beim Schauen!

 

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18.05.2020

Kommissionen in Corona-Zeiten

Ja ja, schon klar, besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Das wurde in den letzten Wochen gefühlt jeden Tag betont. Das hat natürlich seine Berechtigung und ist natürlich nötig, völlig außer Frage. Aber viele Dinge sind, zumindest bei der Arbeit, gar nicht so anders als vorher, zumindest trifft das für mich zu. Ja, es gibt besondere Regelungen am Arbeitsplatz, wie beispielsweise, dass nur noch eine Person pro Büro arbeiten darf, und auch Sitzungen finden unter besonderen Umständen statt. So auch die Kommissionssitzung der Evaluationen. Ich betreue die Evaluation jetzt seit zweieinhalb Jahren, habe also schon einige Sitzungen vorbereitet. Die Vorbereitung der Sitzung die letzte Woche stattfand, um die Ergebnisse aus dem Wintersemester zu besprechen, hat sich für mich kaum von der Vorbereitung anderer Sitzungen unterschieden. Ich habe die Berichte der Onlineevaluation beim Zentrum für Evaluation und Methoden angefordert, sie sortiert, die Lehrendenevaluationen eingescannt und alles den Kommissionsmitgliedern online zur Verfügung gestellt. Das mache ich seit etwa drei Semestern, seit wir die Onlineevaluationen eingeführt haben, ohnehin so. Davor wurden immer alle Berichte dreimal ausgedruckt und als Ordner zur Durchsicht an die Kommissionsmitglieder verteilt, was natürlich nicht besonders ressourcenschonend ist. Das wäre unter den jetzigen Umständen etwas schwierig gewesen, da ja der Großteil im Homeoffice arbeitet, aber so hat es wie gewohnt geklappt.

Ja gut, ich habe vor der Sitzung keinen Kaffee für uns alle gemacht, weil ich allein im Büro saß und die Anderen hauptsächlich zu Hause waren. Der Kaffee war also diesmal nur für mich. Ansonsten haben wir uns ganz normal zusammengesetzt, nur eben bei Zoom und nicht im Gelben Saal. Es hat auch keine technischen Probleme oder Unterbrechungen gegeben. Die Fachschaftsvertreter*innen hatten wie gewohnt die Besprechung der Ergebnisse hervorragend vorbereitet und alle anderen Tagesordnungspunkte wurden mit derselben Ernsthaftigkeit behandelt wie sonst. Warum sollte es auch anders sein?

Was ich rüberbringen möchte ist, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass alles auch unter besonderen Umständen und virtuell sehr gut funktioniert. Man muss eben flexibel bleiben, Nachsicht haben, wenn mal was nicht auf Anhieb klappt, und sich auf die neue Erfahrung einlassen. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn sich bei jemandem, nachdem alles schon eine Viertelstunde vor Beginn eingerichtet ist und jemand nur darauf wartet von Frau Marquardt in das Meeting gelassen zu werden, beim Umstellen des Laptops das Lankabel unbemerkt aus dem Slot löst, jemand sich um viertel nach wundert wo denn die anderen bleiben, eine SMS von der Chefin bekommt wo jemand denn bleibt und jemand (ich natürlich) deswegen fünf Minuten zu spät zur Sitzung kommt.

Ich hoffe, dass ein Teil dieser Flexibilität auch über Corona hinaus erhalten bleibt. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf das nächste Mal, wenn wir nicht auf den gemeinsamen Kaffee, das Geplänkel vor und nach der Sitzung und darauf, sich tatsächlich in die Augen zu schauen, verzichten müssen.

von Paulina Busch

12.05.2020

Regelungen für den "Geschützten Betrieb" am Geographischen Institut

Bitte beachten Sie: Diese Regelungen gelten ab dem 18.05.2020.

  • Beim Betreten und Arbeiten im Institut gelten die aktuellen Abstands-, Hygiene- und Infektionsschutzregelungen der Universität. Ab dem 18. Mai ist das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in den Gebäuden der Universität verpflichtend. Dies gilt insbesondere für die Flure im Institut. Die Abstandsregel von 1,5 m zwischen Personen ist weiterhin einzuhalten. Auf regelmäßige Handhygiene und ein regelmäßiges und intensives Lüften der Räume ist zu achten.
  • Der Zentralbereich und die zentralen Dienste stehen Ihnen weitgehend zur Verfügung. Das Postfachzimmer ist von Montag bis Freitag von 9-13 Uhr zugänglich. Unsere Bibliothek ist in der Zeit von 10 bis 15 Uhr eingeschränkt nutzbar. Auch die Geschäftsführung, Studiengangsmanagement, Prüfungsamt, Kartographie und EDV sind besetzt (Terminabsprache per Mail oder Telefon). Für Labore, Gerätesammlung und C-Pool werden derzeit Hygieneschutzkonzepte erarbeitet, die dem Arbeitsschutz vorgelegt werden müssen. Wann und in welchem Umfang diese Einrichtungen wieder nutzbar sein werden, werden wir so bald wie möglich mitteilen.
  • Die Lehre im Vorlesungs- und Seminarformat findet im Sommersemester 2020 digital mit den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von ZOOM statt. Für besondere Formate wie Praktika und Exkursionen werden individuelle Lösungen erarbeitet, die nach Rücksprache mit dem Studiengangmanagement kreativ und pragmatisch ausgestaltet werden sollen. Sicherheits- und Hygienekonzepte werden hier erforderlich sein.
  • Im Bereich der Forschung gibt es für Drittmittel-Vorhaben und -Projekte einige neue Regelungen. Das Dezernat 7 stellt hier jeweils aktuelle Informationen zur Verfügung. Bitte beachten Sie auch das WissStudGU, das voraussichtlich am 15. Mai im Bundestag verabschiedet und einige wichtige Änderungen für den Bereich Forschung beinhalten wird.

Stand: 12.05.2020

Bitte beachten Sie auch die Hygiene- und Infektionsschutzregelungen der Universität

Ausführliche Informationen zum „Geschützten Betrieb“ finden Sie auf der Corona-Website der Universität.

13.05.2020

Wir spechen über Solidarität...

Mindestens 2000 Kinder und fast 40.000 Erwachsene leben unter menschenunwürdigen Bedingungen allein in den Lagern auf den griechischen Inseln; ganz zu schweigen von den vielen Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. „Von der Hoffnung zum Fiasko“ so betitelt tagesschau.de am 5.5.2020* einen Bericht zu der Aktion Deutschlands, kranke und physisch belastete Flüchtlingskinder aus den überfüllten Lagern Griechenlands aufzunehmen. Und bereits am 18.4. hieß es „Hilfe für Flüchtlingskinder. Weniger als ein Feigenblatt“**

Da wirklich kein Mensch und vor allem kein Kind vergessen werden darf, möchte ich hier meine Gedanken dazu euch/Ihnen mitteilen:

Wir sprechen über Solidarität. Wir sprechen über den Wert von Grundrechten. Wir sprechen über den Wert jedes einzelnen Menschenlebens.

Als Geograph*innen beschäftigen wir uns mit der räumlichen Verteilung von Menschen, von Ressourcen, von Macht. Wir untersuchen Migrationsströme und Fluchtursachen. Wir analysieren den Zugang zu Märkten und Nahrungsmitteln. Wir konstruieren und dekonstruieren den Verlauf natürlicher und politischer Grenzen.

Auch jetzt müssen wir unser Augenmerk auf die Menschen richten, die an den vielen Grenzen unsere Welt unter menschenunwürdigen Bedingungen auf Hoffnung warten. Wir sollten uns fragen, über wenn wir sprechen, wenn wir Solidarität sagen und welches Menschenleben wir tatsächlich für wertvoll erachten. Was ist mit denen, die keine starke Lobby haben? Wie können wir von Hilferufen der Automobilindustrie und des Flugverkehrs reden, wenn wir die wirklichen HILFErufe nicht hören? Solidarität und Menschrechte dürfen nicht an Grenzen enden. Gerade jetzt nicht.

von Pamela Nienkemper

 

*(https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/fluechtlinge-griechenland-209.html)

**(https://www.tagesschau.de/kommentar/fluechtlingskinder-kommentar-101.html)

11.05.2020

Erste Erfahrungen mit der digitalen Lehre - Ein Interview mit Julia Poerting

Julia Poerting, Postdoc in der Arbeitsgruppe Sozialgeographie von Prof. Nadine Marquardt, hat sich Zeit für ein ausführliches Interview zum Thema "Digitale Lehre in Corona-Zeiten" genommen. Sie spricht darüber, wie es ist, die Studierenden nur per zoom sehen zu können, wie groß der Aufwand für die Umstellung ist und was ihr im Vergleich zur "normalen" Lehre am meisten fehlt. Das Interview wurde am 8.05.2020 aufgezeichnet. Viel Spaß beim Schauen!

 

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11.05.2020

Als Student von Luxemburg nach Bonn - das war mal einfacher...

Seit Anfang des Jahres bestimmt CoVid-19 unser Leben. Die Einschränkungen betreffen uns alle und haben unser Leben auf den Kopf gestellt. Seminare und Vorlesungen werden online abgehalten. Viele Studenten kehren nach Hause zurück, um während der Ausgangsbeschränkung bei der Familie sein zu können. Auch ich habe mich dazu entschieden, in mein Heimatland Luxemburg zu fahren, nachdem die Bundesregierung beschlossen hat die Grenze ab dem 16. März zwischen Deutschland und Luxemburg zu schließen. Mein erster Gedanke als ich davon hörte war, wie komme ich jetzt nach Hause. Daraufhin entschloss ich mich sofort am 15. März nach Hause zu fahren. Nach der Einführung der Grenzkontrollen und der Verlegung des Semesterstarts war ich erstmal froh zu Hause zu sein.

Woche für Woche verging und es war keine Besserung in Sicht. Am 10.4 wurden die Grenzkontrollen noch einmal verschärft. Von dem Tag an muss, bis auf wenige Ausnahmen, jeder der nach Deutschland einreist für 2 Wochen in häusliche Quarantäne. Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit oder deutschen Wohnsitz dürfen nur noch in besonderen Ausnahmefällen einreisen.

Die Maßnahmen der deutschen Bundesregierung sorgten in der deutsch-luxemburgischen Grenzregion für großes Unverständnis. Von 448 000 Erwerbstätigen pendeln 197 000 Menschen jeden Tag aus den Nachbarstaaten nach Luxemburg. Vor allem im Gesundheitssektor stellen ausländische Arbeitskräfte die Mehrheit dar. Ohne die Bemühungen der luxemburgischen Regierung, die Grenzen wenigstens für Pendler zu öffnen wäre in Luxemburg das gesamte Gesundheitssystem zusammengebrochen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich im luxemburgisch- deutsch- französischem Dreiländereck eine Region gebildet, die sich über die Grenzen der einzelnen Staaten hinweg entwickelt hat und von sehr großer Bedeutung wurde. Die Saar-Lor-Lux Region ist eines der Vorzeigermodelle, wenn man die Vorteile eines Schengen Raumes darstellt. Der europäische Gedanke ist hier besonders erkennbar. Durch die Grenzschließung wurde dieser Gedanke zerstört. Je länger die Grenzschließungen bleiben, umso mehr zweifeln die Menschen am Sinn eines Schengen Raumes, wenn bei jeder Ausnahmesituation die Grenze geschlossen wird.

Auch für uns Studenten war es unklar, ob man einreisen darf oder nicht. Eigentlich dürfte es kein Problem sein, da wir in Deutschland eine Wohnung haben und hier angemeldet sind. Trotzdem durften nicht alle Studenten nach Deutschland einreisen. Ich habe mich daraufhin im Internet erkundigt, welche Regelungen zu beachten sind. Selbst nach Anfragen an das luxemburgische Außenministerium, die luxemburgische staatliche Studentenhilfe, die luxemburgische und deutsche Botschaft und die Bundespolizei herrschte keine Klarheit. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass es keine speziellen Regelungen gibt, sondern die Entscheidung durch die jeweiligen Grenzpolizisten getroffen werden. Als ich die Antwort las, war ich ziemlich überrascht und wunderte mich, wie ein ganzer Staat diese Entscheidung einer einzigen Person überlassen kann. Mir war jedoch klar, dass ich nach Bonn will und habe daraufhin alle nötigen Vorkehrungen getroffen. Ich folgte dem Rat des luxemburgischen Außenministeriums und habe zahlreiche Bescheinigungen angefordert. Neben der Meldebescheinigung für meinen Wohnsitz in Bonn, habe ich am Geographischen Institut nach einer Bescheinigung gefragt, die bestätigt, dass die Bibliotheken zeitnah öffnen und ich in die Bibliothek muss, um Studienbücher auszuleihen. Des Weiteren habe ich noch eine Anmeldungsbestätigung der Universität Bonn, meinen Studentenausweis und meinen Ausweis benötigt.

Ausgestattet mit meinen Bescheinigungen habe ich mich am Freitag, den 24. April, auf den Weg nach Bonn gemacht. Die Autobahn war komplett abgesperrt und nur LKWs wurden von zwei Polizisten durchgelassen. Alle anderen mussten auf einen Rastplatz fahren. Dort standen Zelte, Einsatzwagen und Polizisten mit Maschinengewehren. Als ich an der Reihe war zeigte ich dem Polizisten meine Bescheinigungen und zu meiner großen Erleichterung ließ er mich durch. Ich war erleichtert darüber nach Deutschland einreisen zu können und ab dem Moment gab es keine Komplikationen mehr. Jedoch bleibt stets ein mulmiges Gefühl im 21. Jahrhundert innerhalb des Schengen Raumes geschlossene Grenzen vorzufinden, welche von schwerbewaffneten Polizisten bewacht werden.

Obwohl es im Endeffekt keine Schwierigkeiten gab über die Grenze zu kommen, finde ich es traurig, dass wir als Europa es nicht hinbekommen haben eine gemeinsame Lösung zur Bekämpfung des Covid19 Virus zu finden. Stattdessen hat jedes Land eigensinnig gehandelt. Ich habe nie gedacht, dass ich durch eine Grenzkontrolle muss, um nach Deutschland einzureisen. Außerdem verstehe ich die Überlegung überhaupt nicht, warum Deutschland die Grenzen zu Luxemburg schließt und zu Belgien und den Niederlanden nur verstärkte Kontrollen eingeführt hat. Das Corona Virus hat gezeigt, dass in Krisenzeiten die EU nicht so funktioniert, wie man es sich erhofft. Meiner Meinung nach sind Grenzschließungen auf jeden Fall keine Option, denn „das Virus überträgt sich nicht von Staat zu Staat, sondern von Mensch zu Mensch“ (J. Asselborn). Trotz allem hoffe ich, dass wir diese Krise überstehen und aus diesen Fehlern lernen werden, um in Zukunft die europäische Gemeinschaft nicht nur auf dem Papier stehen zu haben, sondern auch als europäische Gemeinschaft zu handeln.

 

Bleiben sie gesund!!

von Max Koster / Foto: Max Koster

 

7.05.2020

Ein dringendes Plädoyer für mehr "Change Agents" in Forschung und Lehre

Als Master-Student und Wissenschaftliche Hilfskraft (WHF) am Institut, verfolge ich die Veränderungen, welche die Corona-Krise im Unialltag erfordert, momentan aus zwei Perspektiven. Für den Alltag sowohl von Lehrenden als auch von Studierenden bedeutet die aktuelle Situation eine nicht zu unterschätzende Umstellung. Nicht umsonst kamen Forderungen nach einem "Nicht-Semester" auf. Als WHF in der AG Müller-Mahn unterstütze ich gerade die Organisation einer flexiblen Smartguide-Exkursion durch Bonn und Köln, die die 7-Tages-Bachelor-Exkursion nach Berlin ersetzen soll. Die neue Exkursion sollen Studierende nun einzeln oder in Kleingruppen durchführen können.

Bevor wir in den nächsten Wochen hier noch ausführlicher von dem für uns alle neuen Prozess hinter der Organisation einer digital-gestützten Exkursion berichten werden, möchte ich erst noch ein paar meiner persönlichen Gedanken teilen. Während ich mich nun schon ein paar Wochen mit der inhaltlichen Vorbereitung der Smartguide-Exkursion beschäftige, überkommt mich immer mal wieder das Gefühl der Demotivation und des Unverständnisses gegenüber einigen schon seit Jahrzehnten in derselben Form gelehrten Inhalten, die sicher ihre Berechtigung haben, aber für mich als junger Mensch vor dem Hintergrund der multiplen Krise kaum als relevant erscheinen, da sie oft eine Einbettung in einen größeren systemaren Zusammenhang und den Geist eines transformativen Potentials vermissen lassen.

Das Exkursions-Format an die aktuelle Situation anzupassen, bietet meiner Meinung nach eine Chance vermeintlich festgeschriebene Strukturen aufzubrechen und über Geographiedidaktik im Allgemeinen neu nachzudenken. Die aktuelle Krise legt schonungslos Zusammenhänge offen, die zwar in den meisten Fällen nicht neu sind, aber noch dringender denn je von uns allen neue Herangehensweisen erfordern. So lässt sich ein enger Zusammenhang zwischen dem Corona-Virus, der Klimakrise und dem globalen Kapitalismus nicht abstreiten, wie das jüngste, sehr empfehlenswerte AAG-Panel zu 'More-than-human geographies of COVID-19' deutlich macht (noch bis 10.05.20 hier zu sehen: https://aag.secure-abstracts.com/AAG%20Annual%20Meeting%202020/sessions-gallery/26836).

Vor diesem Hintergrund würde ein "business-as-usual" in vielerlei Hinsicht eine deutlich unsicherere, wenn nicht katastrophale Zukunft für alle von uns und besonders für die jüngeren Generationen bedeuten. Man muss sich nur den viel zu trockenen April, den wir alle in sozialer Distanzierung verbracht haben, vor Augen führen und sich fragen, wie wohl der April im Jahre 2040 aussehen wird, wenn wir weitermachen wie bisher. Nicht nur für die inhaltliche Vorbereitung einer Exkursion sollte dies bei Lehrenden zum Nachdenken anregen und die besondere Verantwortung, die ihr Bildungsauftrag mit sich bringt, bewusst werden lassen.

In meinen Recherchen zu den neuesten Erkenntnissen der Geographiedidaktik bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem die Autoren Themen wie Transformation und Postwachstum "als blinde Flecken der Geographiedidaktik" (Bedehäsing & Padberg 2017: S. 29) identifizieren, aber Lehrende der Geographie auch als potentielle "Change Agents" begreifen. Demnach können Lehrende als solche "Change Agents" dazu beitragen, dass "das Nachhaltigkeitsparadigma ‚repolitisiert‘ wird, d. h. ökonomisches Wachstum nicht als global notwendiger und unumstößlicher Rahmen für eine nachhaltige Entwicklung betrachtet wird, sondern eine Diskussion über sozio-ökologische Alternativen, z. B. Postwachstumsansätze, ermöglicht wird" (ebd.: S. 27).

Diesen Gedanken folgend sehe auch ich mich in der Verantwortung als "Change Agent", wenn ich die inhaltliche Vorbereitung einer Geographie-Exkursion unterstütze. Darüber hinaus würde ich mich aber freuen, wenn die aktuelle Krisensituation eine generelle Debatte über das transformative Potential von Exkursionen und das Verhältnis von Forschung und Aktivismus neu anstoßen würde. Bedehäsing & Padberg (2017) sehen ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Verantwortung von Forschenden und Lehrenden zumindest als dringend notwendig an und beantworten die in ihren Schlussfolgerungen gestellte Frage, ob die zentralen Probleme der Gesellschaft-Umwelt-Beziehungen der nächsten Jahrzehnte und die Gestaltung der Transformation Ansatzpunkt oder sogar Kern geographischer Bildung sein sollte, eindeutig mit "Ja! Wir müssen diese blinden Flecken überwinden" (ebd.: S. 29).

Literatur:
Bedehäsing, J. & S. Padberg (2017): Globale Krise, Große Transformation, Change Agents: Heiße Eisen für die Geographiedidaktik? GW-Unterricht 146, S. 19-31.

von Linus Zurmühlen / Foto: L. Zurmühlen
 

7.05.2020

Von Brasilien in den Schwarzwald

Ronja Winkhardt-Enz studiert den MSc Geography of Environmental Risks and Human Security, der gemeinsam vom GIUB und der UNU angeboten wird. Seit Oktober 2019 ist sie als studentische Hilfskraft bei KaVoMa tätig und arbeitet derzeit an ihrer Masterarbeit.

Eigentlich wäre ich jetzt gerade in Brasilien um Interviews für meine Masterarbeit „Human mobility in the context of landslide risk in Sao Paulo“ durchzuführen, doch stattdessen sitze ich bei meinen Eltern im Schwarzwald.

Die Masterarbeit ist die letzte Prüfungsleistung, die mir noch fehlt, um mein Studium an der Universität Bonn und der United Nations University abzuschließen. Diese Gelegenheit wollte ich gerne nochmal mit einem Auslandsaufenthalt in Lateinamerika verbinden, da ich als reiselustige Geographin, für diese Region besonderes Interesse aufgebaut habe und eine Masterarbeit mein Profil nochmals unterstreichen würde.

Eine Masterarbeit mit Forschungsaufenthalt im Ausland ist mit einigen Vorbereitungen verbunden, die bei mir im Oktober/ November mit der Themensuche starteten. Im Gegensatz zu meiner Bachelor Arbeit, die gefühlt nur meine Prüfer*innen gelesen haben, wollte ich für meine Masterarbeit ein Thema finden, dessen Ergebnisse direkt weiterverwendet werden, oder zu einem größe-ren Projekt beitragen können. Deshalb fing meine Themenfindung damit an Forscher und Organisationen zu kontaktieren die im Bereich „Migration, Klimawandel, Katastrophen“ in Lateinamerika forschen. Nach mehreren Gesprächen durch eigene Kontakte nach Panama, Mexiko, Kolumbien und Peru bin ich dank eines Kontaktes von der UNU-EHS an RESAMA gelangt. RESAMA ist ein süd-amerikanisches Netzwerk für Umweltmigrationen mit dem Ziel Informationen über Umweltmigration und verwandte Themen zu erstellen und zu verbreiten sowie Wege zur besseren Einbindung in regionale und nationale Agenden zu finden und zu fördern. Nach einigen Emails und Skype-Gesprächen war klar, dass ich in Brasilien das Thema Migration in Zusammenhang mit Hangrutschungen in zwei risikobehafteten Gemeinden untersuchen kann. Die Ergebnisse wären sowohl für die Kooperation von RESAMA und der örtlichen Universität UFABC wertvoll, als auch für das überregionale Projekt von RESAMA in Partnerschaft mit der Universität für Frieden in Costa Rica - dem lateinamerikanischen Observatorium für menschliche Mobilität, Klimawandel und Katastrophen (MOVE-LAM), das die Kartierung von Beweisen, Sammlung von Daten und Erfahrungen im Zusammenhang mit den Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die menschliche Mobilität in der Region voran treibt.

Da ich dieses Vorhaben nur mithilfe eines Stipendiums realisieren konnte musste ich vor Weihnachten, sämtliche Dokumente (Motivationsschreiben, Vorhabensbeschreibung, Gutachten, Unterstützungsschreiben der Organisation vor Ort sowie Sprachnachweise) für die Bewerbung auf das Promos Stipendium organisieren. Ich freute mich riesig als ich Anfang Februar die Zusage von PROMOS bekam, nach Brasilien gehen zu dürfen. Mir blieb dann noch ein Monat bis zur Ausreise, die ich den Vorbereitungen für die Feldforschung widmete.

Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen einzigen Corona-Infizierten in Südamerika und ich hoffte bei meiner Ausreise dem, was sich da gerade in Europa entwickelte, entfliehen zu könnte. Im Nachhinein wohl ein bisschen zu naiv, aber ich glaube ich war so froh, nach all den Vorbereitungen endlich starten zu können, dass ich Corona nicht als mögliche Gefährdung für meine Pläne sah.

Die erste Woche in Sao Paulo, hatte ich Zeit anzukommen, mich zurecht zu finden und mich auf das erste Treffen mit meiner neuen Arbeitsgruppe vorzubereiten. Diese bestand aus Mitgliedern von RESAMA und der Universität UFABC, die bereits Kontakte zu den beiden Gemeinden haben, in denen ich die Interviews durchführen wollte.

Dann ging alles relativ schnell, auch in Brasilien gab es nun Covid-19 Infizierte mit dem Hotspot in Sao Paulo und innerhalb kürzester Zeit stiegen die Zahlen rasant an. Diese Situation veranlasste den Professor präventiv die Stadt zu verlassen und aus unserem ersten Treffen ein Skype Meeting zu machen.

Am Tag des Skype Meetings kam dann die weltweite Reisewarnung des deutschen Außenministers, die EU überlegte den europäischen Luftraum dicht zu machen und mir wurde es langsam unwohl. Nach langem hin und her überlegen, ob ich die Krise in Brasilien aussitze oder besser heimfliege, beschloss ich in Rücksprache mit RESAMA, UFABC, meinem Betreuer der UNU sowie meiner Familie den nächsten Flieger nach Deutschland zu nehmen.

Jetzt versuche ich mich in den Alltag meiner Eltern zu integrieren, bei denen ich die letzten Jahre immer nur ein paar Tage zu Besuch war und gleichzeitig die Datenerhebung von Deutschland aus durchzuführen. Ob ich die Interviews per Skype oder Whatsapp-Calls durchführen kann, liegt jetzt daran, ob meine Kontakte vor Ort Menschen in den beiden Gemeinden finden, die bereit sind auch in dieser Ausnahmesituation mit mir über Hangrutschungen und damit verbundene Migrationsformen zu reden. Dieser Prozess ist deutlich langwieriger und komplizierter als er es ohne Corona gewesen wäre.

von Ronja Winkhardt-Enz / Foto: Ronja Winkhardt-Enz

6.05.2020

Wie funktioniert Homeoffice und Homeschooling?

Mladenka Tampas, Assistentin im Geschäftzimmer unseres Instituts, schreibt über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Zeiten von Corona - und dazu kommt dann noch, dass sie nicht immer in ihr Büro kann. Viele Einschränkungen auf einen Schlag!

 

Es ist wohl die größte Herausforderung für Familien in der jetzigen Situation. Was bedeutet Kontaktsperre, Homeoffice und Homeschooling?
Ich habe zwei pubertierende Töchter die auf der weiterführenden Schule sind und derzeit mit mir und meinem Mann versuchen das „Ganze“ zu bewältigen.
Unser Wohnzimmer ist umfunktioniert worden zum Büro und zum Klassenzimmer, das bedeutet man hat gefühlt nie Feierabend.

Meine Kollegin Anja und ich sitzen normalweise gemeinsam im Büro. Wir haben uns seit sechs Wochen nicht mehr gesehen, weil wir im Büro nicht den Mindestabstand einhalten können. Zwischen Telefonaten und E-Mails müssen wir zwischendurch in Mathe, Deutsch, Englisch und vielen weiteren Schulfächern unsere Kinder unterstützen. Man lernt jeden Tag dazu und passt sich immer wieder der Situation an, weil es sich auch ständig ändert. Zum Homeschooling kommt dazu, dass jegliche Freizeitgestaltung der Kinder wegfällt. Sportvereine, Musikschulen und Freunde treffen findet nicht mehr statt und es entsteht ein ganz neuer Alltag.

Homeoffice bedeutet nicht immer, dass wir von 8 Uhr bis 13 Uhr arbeiten. Die Arbeitszeiten sind flexibel. Manchmal läuft der Laptop schon um 6 Uhr morgens oder doch erst um 16 Uhr.

Selbst wir Erwachsenen wünschen uns die Normalität und den Alltag zurück und den Kindern geht es genauso. Die Herausforderung ist groß und als Familie versucht man sich durchzukämpfen und die Corona-Krise durchzustehen. In diesem Sinne bleibt alle gesund und zu Hause!
 

von Mladenka Tampas, Zentralbereich Geschäftszimmer / Foto: M. Tampas
 

4.05.2020

Der Bibliotheks-Alltag während der Corona-Krise

Vor einigen Wochen hat sich unser Alltag in der Bibliothek stark verändert. Am Freitag dem 13. - es ist schon irgendwie ironisch, dass es an diesem Datum passierte - schloss die Stadt Bonn sämtliche städtische Einrichtungen (u.a. die Stadtbibliotheken). Am Vortag hatte ich mir noch überlegt, welche Maßnahmen man demnächst für die Bibliothek im GIUB ergreifen könnte, um die Nutzer*innen und die Mitarbeiter*innen besser zu schützen, falls sich der Virus weiter ausbreiten sollte. Plötzlich ging alles Schlag auf Schlag, am Freitag schloss die Stadt Ihre Bibliotheken. Die Uni zog nach und lies ab Samstag alle universitären Bibliotheken schließen.

Montagmorgen kam man auf die Arbeit und fragte sich „Was jetzt?“. Das erste Mal die Bibliothek geschlossen lassen, die Informationen über die Webseite und die sozialen Medien verbreiten und die Mitarbeiter*innen informieren. Da bei einem Großteil der Mitarbeite*innen die Arbeitszeit für die Aufsicht und Betreuung der Nutzer*innen verwandt wird, mussten diese Stunden nun anders und sinnvoll verplant werden. Dienstpläne mussten abgeändert werden, da Arbeitszeiten bis 21 Uhr bei einer Schließung nicht mehr sinnvoll oder nötig waren. Alle paar Tage gab es neue Erkenntnisse, neue Regelungen die es zu beachten galt. Gerade hatte man das Team mit neuen Aufgaben eingedeckt, wurde von der Uni der Minimalbetrieb ausgerufen – nur noch eine Person pro Raum. Also Pläne verwerfen und neu schmieden. Kolleg*innen konnten nicht mehr zusammenarbeiten, alle Absprachen zu Projekten und Aufgaben konnten nicht mehr schnell von Angesicht zu Angesicht geregelt werden. Jedes Detail muss ab sofort ausschließlich per Mail, Telefon oder Zoom-Konferenz besprochen werden. Die Aufgaben wurden umstrukturiert und technische Möglichkeiten geschaffen, um irgendwie auch von Zuhause arbeiten zu können, da die Bitte ausgesprochen wurde, so viele Mitarbeiter*innen wie möglich ins Homeoffice zu schicken. Homeoffice für die Bibliothek – wie sieht das denn aus? Ein paar Tage später, wieder eine andere Lage: Rotationsdienste. Das bedeutete, dass für alle wichtigen Bereiche zwei Teams gebildet wurden. Diese Teams sollten jeweils abwechselnd im Institut oder aus dem Homeoffice arbeiten. Je nachdem zu welchem Team man gehörte, war man in den ungeraden Kalenderwochen hier und in den geraden dort. So sollte verhindert werden, dass die Gruppen sich gegenseitig „kontaminieren“ falls man sich aus Versehen doch mal in der Teeküche oder auf dem Flur begegnete. Zwangsläufig musste also wieder ein neuer Dienstplan erstellt werden. Es gab keine Routine mehr, jede Aufgabe, jeder Ablauf musste überdacht werden. In den letzten Wochen habe ich wohl so viele Telefonate geführt und Emails geschrieben wie im letzten halben Jahr nicht. Das Arbeiten im Homeoffice war für mich selber außerdem eine kleine Herausforderung, da ich mitten im Umzug steckte. Ich saß also zwischen gepackten Kartons und halb abgebauten Möbel und versuchte tagsüber ein zehnköpfiges Team zu koordinieren und nachmittags irgendwie zwischen Corona und Kontaktsperre einen Umzug zu machen.

Aber was fällt eigentlich an Arbeiten an, wenn die Bibliothek doch geschlossen ist? Einiges! Es wurden Inventuren gemacht, Bücher repariert, Scans für Mitarbeiter*innen angefertigt, die Literatur im Homeoffice brauchten. Es wurden eigene Datenbanken gepflegt und Datensätze bereinigt. Natürlich haben wir weitere Bücher eingekauft und eingearbeitet. Ebenso kam immer noch Post an, die bearbeitet werden wollte, Anfragen über Email und Telefon, die beantwortet werden mussten. Es wurde eine Notausleihe für Studierende eingerichtet, die Mitten im Examen waren. Wir haben zudem die Zeit genutzt, um das Kartenprojekt weiter voran zu treiben, durch Corona hatten wir endlich mal Zeit, einige tausend Karten auf einen Schlag zu bearbeiten. Diese Arbeit hätte sich sonst auf Wochen oder Monate nebenbei verteilt. Ebenso haben wir uns bemüht den Lehrenden zu zuarbeiten, die nun das Semester online abhalten müssen. Dazu wurde ich z.B. per Zoom in Seminare zugeschaltet, um den Studierenden etwas über Literaturrecherche zu erzählen und Live-Recherchen vorzuführen.

Seit dem 27.04.2020 ist die Bibliothek wieder im Corona-Schutzbetrieb unter strengen Auflagen für wenige Nutzer*innen am Tag geöffnet. Diese Wiedereröffnung erforderte viele Gespräche, Mails und Zoom-Konferenzen mit dem Rektorat, dem Arbeitsschutz, der ULB und natürlich innerhalb des GIUB. Wenigstes bekam man über Zoom mal wieder seine Kollegen zu sehen, wenn auch nur virtuell. Es wurde ein Konzept ausgearbeitet, wie man trotz allem weitermachen könnte, das vom Arbeitsschutz abgesegnet werden musste. Arbeitsplätze wurden auseinandergerückt, Markierungen und Hinweisschilder angebracht. Plexiglas wurde besorgt sowie Handschuhe, Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel. Viele dieser Artikel waren kaum aufzutreiben, aber irgendwie haben wir es geschafft und sind nun wieder für euch da. Zwar im eingeschränkten Service, aber wir geben unser Bestes und hoffen, das Angebot bald ausweiten zu können.

von Antje Pellowski / Foto: A. Pellowski

30.04.2020

Eine neue Stelle ab dem 1.04.2020 - ein Interview mit Barbara Huth (bh) von Anna Schoch (as)

 

as: Frau Huth, die meisten am Institut haben Sie noch gar nicht kennengelernt: Seit wann und wo arbeiten Sie am Institut?

bh: Seit 01.04.2020 arbeite ich für Herrn Prof. Schrott im Sekretariat, Zimmer 152.

 

as: Wie funktioniert die Einarbeitung in Zeiten der Corona-Krise? Sind Sie am Institut oder im Homeoffice?

bh: Bis jetzt befinde ich mich überwiegend im Homeoffice. Ab und an kann man mich am Institut antreffen, wo meine Einarbeitung eigentlich stattfinden sollte. In dieser momentan besonderen Zeit/Situation ist Dank der modernen Medien eine Einarbeitung möglich. Besser als ich dachte. Sie ersetzt aber nicht in vollem Umfang die Einarbeitung vor Ort wie sie im Normalfall stattfinden würde.

 

as: Und wie klappt es mit dem Kontakt zu den neuen Kolleg*innen?

bh: Ich empfinde ein großes Entgegenkommen aller, die mir bisher meist virtuell begegnet sind. Dafür bin ich sehr dankbar! Der Kontakt findet per Telefon, Mail oder WebConf statt.

 

as: Was vermissen Sie im Moment am meisten?

bh: Normalität, die ich bis vor kurzem ein Leben lang gewohnt war.

 

as: Haben Sie noch weitere Herausforderungen, die Sie während der Corona-Krise bewältigen und mit der Arbeit vereinbaren müssen?

bh: Ich persönlich befinde mich im Vergleich zu vielen anderen Menschen in einer komfortablen Situation. Alleine schon in solch einer Zeit eine Arbeit gefunden zu haben.
Meine Tochter steht kurz vor dem Abitur. Homeschooling ist für mich glücklicherweise kein Thema. Eine wirklich nur kleine Herausforderung ist, wenn unsere kleine Familie mit 3 Personen sich alle im Homeoffice befinden. 3 Laptops müssen räumlich so aufgeteilt werden, dass keiner den anderen stört. Flexibilität ist gerade jetzt in jeder Hinsicht gefragt und sich neuen noch nie dagewesenen Herausforderungen zu stellen und einzulassen.

 

as: Vielen Dank für das Interview!

Foto: B. Huth

28.04.2020

ERASMUS unter Corona - Leonie in Spanien

Leonie ist an der Universidad de Granada, und beantwortet uns ein paar Fragen. Danke für den Einblick in den etwas anderen ERASMUS-Austausch!

Seit wann befindest Du Dich an Deiner Gastuni und wie war der Semesterstart?

Schon seit September befinde ich mich in Spanien in Granada, d. h. ich habe meinen Erasmus Aufenthalt verlängert, weil ich mich hier direkt wohl und gut aufgehoben gefühlt habe. Anfangs war es tatsächlich sehr schwierig für mich das Spanisch aufgrund des andalusischen Akzentes zu verstehen, man gewöhnt sich jedoch daran, wenn man jeden Tag damit konfrontiert wird. Woran ich mich ebenfalls erstmals gewöhnen musste ist, dass die Uni tendenziell völlig unterschiedlich abläuft, Anwesenheit ist obligatorisch und die Kurse bestehen aus deutlich weniger Studenten*innen. Außerdem werden wöchentlich Abgaben verlangt. Aufgrund von vielen Einführungsveranstaltungen und verschiedensten Erasmus Organisationen lernt man jedoch etliche Leute kennen und man kann sich leicht austauschen und gegenseitig helfen, wenn man Probleme hat, sich zurecht zu finden. Gerade die Umgebung hier hat mich von Anfang an fasziniert, in einer halben Stunde kommt man von einer vollen Stadt an den Strand oder in die ruhige Sierra Nevada, um zu wandern oder sogar im Winter Ski zu fahren.

 

Wie hat sich die Situation seither geändert? Finden noch Kurse an der Uni statt oder ist alles auf Online-Formate umgestellt worden?

Als der Virus bekannter wurde, waren die meisten Leute in der Uni noch sehr entspannt und es wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen, auch nicht als in Italien schon eine Krisensituation herrschte. Mitte März hat sich die Situation hier dann von einem auf den anderen Tag verändert. Über das Wochenende wurde die Ausgangssperre verhängt, die sonst so belebten Straßen waren wie leergefegt und die für uns Student*innen beliebten Tapas-Bars wurden geschlossen. Zuerst haben wir keinerlei Informationen von der Uni erhalten und waren dementsprechend alle etwas ratlos und fühlten uns wie im Urlaubsmodus, nach 2 Wochen wurden wir schließlich mit Emails und Informationen überhäuft. Die Kurse sind für mich alle unterschiedlich geregelt, die Präsentationen werden hauptsächlich mit Zusatzmaterial wie Texten und Videos hochgeladen. Online Klassen habe ich leider nicht, weswegen es mir teilweise schwer fällt, den Stoff aufzuarbeiten. Wöchentlich habe ich Abgaben und dementsprechend viel zu tun. Außerdem hätte ich normalerweise Praktika im Labor, welche nun per Onlinemikroskop stattfinden, eine merkwürdige, aber interessante Erfahrung. Dadurch, dass ich Kontakt zu weiteren Erasmus-Student*innen habe, kann ich mich austauschen und fühle mich weniger verloren. Ich habe eine Zeit darüber nachgedacht, nach Deutschland zurückzufliegen und das Semester hier abzubrechen, da ich anfangs ziemlich überwältigt war von den schlagartigen Veränderungen. Im Endeffekt habe ich mich dagegen entschieden. Zum Einen, weil quasi alle Flüge gestrichen worden sind und zum anderen auch, weil mir die Stadt so unglaublich gut gefällt und ich die Hoffnung habe, dass die Quarantäne hier in Spanien bald enden wird und ich endlich wieder die Natur genießen kann.

 

Wie erlebst Du den Alltag in Deinem Gastland/Stadt? Hast du Kontakt mit Deinen neuen Kommiliton*innen?

Mein Alltag hat sich seitdem sehr verändert, hier gilt eine strikte Ausgangssperre, was bedeutet, dass man nur zum Einkaufen alleine in naher Umgebung das Haus verlassen darf. Ich sehne mich sehr danach, das Haus zu verlassen, aber da ich in einem großen Haus mit 19 weiteren Erasmus-Student*innen wohne, bin ich quasi nie alleine und habe weiterhin die Chance, viele soziale Kontakte zu haben. Wir haben einen gemeinsamen Alltag entwickelt, welcher aus Lernen, Sport und gemeinsamen Essen besteht. Es hätte auf jeden Fall schlimmer sein können und ich freue mich schon darauf, wenn wieder einigermaßen Normalität herrschen wird und ich meine letzte Zeit hier genießen kann.

Foto: L. Boddenberg

27.04.2020

Wiederöffnung der Bibliothek am Geographischen Institut

 

*** English version below ***

Liebe Studierenden,

durch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist wieder eine eingeschränkte Nutzung unserer Bibliothek möglich. Die GIUB-Bibliothek wird ab Montag, den 27. April 2020, wieder von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 9 bis 13 Uhr im "Corona-Schutzbetrieb" geöffnet sein. Ein Besuch der Bibliothek ist pro Person und Tag auf eine Stunde begrenzt, ebenso wie die Zahl der Anwesenden (max. 10 Personen). In dieser Zeit kann Literatur gesichtet oder ausgeliehen werden. Eine Ausleihe über Nacht bzw. eine Wochenendausleihe (von bis zu 3 Titeln) ist wieder für die Studierenden der Geographie möglich. Die Recherche an den PCs in der Bibliothek wird, ebenso wie das selbstständige Scannen und Kopieren, durch die strengen Hygieneauflagen jedoch leider nicht möglich sein. Durch die Ausleihe über Nacht könnt Ihr aber die örtlichen Copy-Shops nutzen. Für Lehrende und Studierende im Examen wird ein Scanservice unter Berücksichtigung des Urheberrechts angeboten. Scan-Anfragen können an [Email protection active, please enable JavaScript.] gerichtet werden. Die Bibliotheksnutzung ist momentan nur unter bestimmten Auflagen möglich, die Details können auf der Homepage der GIUB-Bibliothek nachgelesen werden.

Die ULB hat hilfreiche Informationen zu Recherchemöglichkeiten und Volltextzugang trotz Corona  zusammengetragen.

 

 

Reopening of the library at the Department of Geography

Dear students,

Due to the relaxation of the Corona measures, a restricted use of our library is possible. The GIUB library is opened from Monday to Thursday from 9:00 am to 1:00 pm. Visits to the library are limited to one hour per person per day and the number of people present in the library at the same time is also restricted (max. 10 persons). During this time, literature can be viewed or borrowed. Every geography student is allowed to borrow up to 3 books overnight or over the weekend. Unfortunately, research on the PCs in the library as well as independent scanning and copying is not be possible due to the strict hygiene requirements. However, by borrowing overnight you can use the local copy shops. For students in the exam phase, a scan service is offered (considering copyright law). Scan requests can be sent via email to [Email protection active, please enable JavaScript.]. Library use is currently only possible under certain hygiene and distancing conditions.

The ULB has gathered helpful information on research options and access to full-texts despite the coronavirus.

24.04.2020

Lehre, Homeschooling, Vertretungsprofessur - mein "Corona-Alltag"

Das Zoom-Meeting mit meinen Studierenden geht gleich los! Aber gerade möchte meine Tochter noch von mir erklärt haben, warum man „dann“ mit Doppel-N, aber „in“ nur mit einem „N“ schreibt, das ist für sie nicht logisch (für mich auch nicht, aber es ist halt so!?). Ich muss sie an meinen Mann verweisen, er soll es ihr erklären, denn ich will vor dem Seminar noch die Teilnehmerliste ausdrucken. Mein Mann bekommt aber gerade einen Anruf seiner Kollegin, weil auf seiner Arbeit ein Gerät kaputtgegangen ist und er sich darum kümmern soll.

Home-Office und Home-Schooling in Corona-Zeiten, und das, wo ich gerade frisch zum 01. April die Vertretungsprofessur in Hydrologie am GIUB übernommen habe. Das ist an sich bereits sehr spannend und herausfordernd, aber alle mit Präsenzveranstaltungen, Exkursionen und Feldarbeiten geplanten Seminare mal eben innerhalb kurzer Zeit auf komplett digital umzustellen, ist nochmal eine andere Sache. Glücklicherweise kann sich meine Tochter auch oft gut selbst beschäftigen und mein Mann und ich können unsere Arbeitszeiten flexibel miteinander abstimmen. Nur an den Tagen nicht, wo wir parallel Veranstaltungen digital durchführen müssen, da haben wir noch keine Lösung gefunden. Denn unsere Tochter mal eben zu einer Freundin zu schicken oder die Großeltern zu bitten, ist derzeit halt nicht möglich. Es gibt Tage, da möchte ich mich dreiteilen können!

Momentan bedeutet Home-Office für mich, dass ich öfter als sonst auch noch abends am Schreibtisch sitze und die Lehre vorbereite. Habe ich bisher 3 SWS Lehrverpflichtung gehabt, sind es dieses Semester 8 SWS, die ich gut vorbereiten und den Studierenden die Themen so vermitteln möchte, dass sie die Lernziele der Seminare erreichen können. Es läuft nicht alles perfekt! Flexibilität und eine große Portion Gelassenheit ist das Gebot der Stunde. Und wenn meine Tochter dann doch mal während des Online-Seminars ins Zimmer platzt um mir aufgeregt mitzuteilen, dass unsere Katze eine Maus in der Küche freigelassen hat, dann ist das halt so. Und wenn manch ein Studierender (oder ich) technische Probleme mit der Kamera hat und nur telefonisch am Seminar teilnehmen kann, dann ist auch das in Ordnung. Wichtig finde ich, dass es für die Studierenden kein verlorenes Semester ist und ich denke auch, dass wir Lehrenden viel für unsere zukünftige Lehre lernen können. Aber nicht nur das. Zeitmanagement, (Hausaufgaben-) Motivation, Projektmanagement, Didaktik, Digitalisierung und Koordination sind Kompetenzen, die auch in Post-Coronazeiten gefragt sein werden.

von Dr. Linda Taft, Vertretungsprofessorin für Hydrologie am GIUB (www.geographie.uni-bonn.de/forschung/ags/ag-hydrologie)

23.04.2020

A very much shortened research trip to Kenya and Uganda

Dr. Christiane Stephan, postdoc in the research group Development Geography (www.geographie.uni-bonn.de/forschung/ags/ag-geographische-entwicklungsforschung/staff/christiane-stephan), reports in an interview from her research trip to Kenya and Uganda. Christiane works on human-environment interactions, geographic risk research and political ecology. Her regional focus is in Mexico and Eastern Africa.

 

Where and how long did you stay abroad? And for what purpose?

On February 22nd I started a travel to Kenya and Uganda. First privately and then I started my empirical research. At first I was in Nairobi to make some preparations for research at the British Institute in Eastern Africa and carried out some interviews with Nairobi-based artists. Then I went to one of my research regions, the city of Nakuru. I had planned to stay there until June to do research with young people at schools and with artists in a participatory project on "Future Visions of the Young Generation" and to apply creative methods to reflect on these visions.


How did the corona crisis change the situation in the country?

Due to the closure of all schools and universities in Kenya from mid-March onwards, the situation also changed in Nakuru. It became clear that I could not do my research with students at that time. Then friends informed me that the Nakuru Players Theatre, a creative hub in Nakuru's, also had to close due to the Corona situation. This of course affected my planned work with artists. There were no confirmed cases in Nakuru, but public life was further restricted to prevent a potential spread. In the last weeks the situation changed however, as in many towns markets closed or were moved and a curfew from 7pm to 5pm was installed. This makes life for people much harder, especially for those people who cannot buy large amounts of food provision in advance and have now even lost their jobs. They rely on rare food provisions by NGOs or private people.

 

How did you experience everyday life in your host country/city? Did you still have contact with other people or colleagues?

Daily life in Nakuru was actually quite relaxed. What changed was that you had to wash your hands under supervision of security personell before entering a supermarket. In some neighbourhoods, added to the usual greeting "Mzungu (white)!" to me as a white woman, now "Corona" was added! This irritated me at first. But I noticed that most of the people, when they greeted me with "Mzungu, Corona!", laughed and some wanted to shake my hand or give a fist bump, so they really confronted uncertainty with humour. Since I usually wasn't travelling alone but with friends from Nakuru, I didn't feel uncomfortable. I regularly exchanged with the leader of our working group at GIUB and I really appreciated the fact, that my local observations of the situation in Kenia were considered. I also had contact with colleagues from the CRC228 program, through a whatsapp group. Especially those who were still in Kenya at that time exchanged ideas and observations. This was a valuable group for me to also talk about uncertainties, deliberations about whether to stay or to leave the country and about a whole range of emotions that came up in each of us.

 

When and how did you come back to Germany?

At the end of March, together with my family, I decided to travel to Germany. This decision challenged me a lot, because I would have loved to stay in Kenya. When my rebooked flight was suddenly cancelled, I was worried for a moment. With support from my family I booked a new flight and after a long journey with a 16-hour stopover at Addis Ababa Airport, I arrived in Germany. At an overcrowded baggage collection site, these words made me and the people standing directly right and left to me smile with an expression of irony: "Due to the current COVID-19 pandemic we ask you to keep the minimum distance at all times".

Photos: © Mapet

23.04.2020

Interessanter Lesestoff

Hallo liebe Blog-Leser*innen,

heute möchte ich euch zwei interessante Artikel zum Lesen empfehlen, über die ich "gestolpert" bin (Twitter sei Dank...).

1. The Covid-19 Crisis – Reflections on dealing with Risks by Prof. Jakob Rhyner (Uni Bonn): www.bonn-alliance.uni-bonn.de/en/innovations-campus-bonn-en/globalchangeandsystemicrisks/the-covid-19-crisis-dealing-with-risks

Viele Konzepte, die wir häufig in der Geography anwenden, wie z.B. Risiko, der Katastrophenkreislauf oder Resilienz können auch auf die Covid-19 Krise angewandt werden und liefern viel "Denkstoff" in dieser Hinsicht. Konzeptionell liefert der Artikel nichts "neue", aber zeigt schön, was unser bisheriges Wissen beitragen kann.

2. Vertieft die Pandemie die digitale Kluft? von Tina Zintl und Melina Elvis: www.die-gdi.de/die-aktuelle-kolumne/article/vertieft-die-pandemie-die-digitale-kluft/

Hier in Deutschland leben wir in einer sehr guten Situation, was die digitale Infrastruktur angeht (ja... es könnte NOCH Besser sein). Vor allem an der Uni haben wir das Glück, sehr flexibel im Homeoffice arbeiten zu können. Aber es bestehen sehr große Ungleichheiten...

"Im Zuge der drastischen Maßnahmen, die die Welt ergreift, um die Infektionsraten des Coronavirus zu verlangsamen, arbeiten inzwischen Milliarden von Zuhause aus. Firmen mit hochqualifizierten Angestellten versuchen, die durch die Ausgangssperren entstandenen Verluste durch einen schnellen Umstieg auf digitale Medien (wie Videokonferenzen oder Webinare) auszugleichen. Aber vielen anderen, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, fehlen die Voraussetzungen, um bei Social Distancing und digitalen Arbeitsformaten nachzuziehen. Wird dies die digitale Kluft zwischen gutsituierten Angestellten und denjenigen, die nicht in der glücklichen Lage sind, von überall aus arbeiten zu können, vertiefen? Oder könnte die Krise neue globale Wertschöpfungsketten für digitale Dienstleistungen schaffen und zusätzliche Online-Arbeiter rekrutieren?"

Der Text ist Teil der Corona-Sonderreihe des Formats "Die aktuelle Kolumne", die die Folgen der Corona-Krise entwicklungspolitisch und sozioökonomisch einordnet. Weitere Texte findet ihr auf der Überblicksseite: www.die-gdi.de/publikationen/die-aktuelle-kolumne/

 

Viele Grüße und viel Spaß beim Lesen (dafür ist ja gerade ein bisschen mehr Zeit...),

Anna

22.04.2020

Corona und das Studiengangsmanagement

Spätestens seit Mitte März war klar, dass das kommende Sommersemester 2020 nicht so starten würde wie gedacht. Weder am 6. April noch mit den bisher geplanten Präsenz-Lehrveranstaltungen. Schrittweise wurden von der Landesregierung und dann natürlich auch von unserem Rektorat Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus bekannt gegeben, die erheblichen Einfluss auf die Organisation der Lehre des Sommersemesters hatten.

Dabei war das Wintersemester 2019/20 ja noch gar nicht abgewickelt: in der Geographie wurde (zum großen Glück!) noch rechtzeitig am 12. März der 2. Klausurtermin der B1-Vorlesung im Hörsaal geschrieben, nur einige wenige noch ausstehende Klausuren in Aufbauseminaren wurden mittlerweile als mündliche Prüfung (unter Heranziehung einer zweiten Prüferin) über Zoom durchgeführt. Das ging dank der guten Kooperation aller Beteiligten sehr gut.

Die Master-Exkursion in die USA fand am 18. März ihr reguläres Ende und alle Teilnehmer*innen konnten die Rückflüge so umbuchen, dass sie nach Deutschland zurückkamen. Die für den 18. März geplante Tunesien-Exkursion musste leider abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben werden. Das war für uns alle eine sehr schwere Entscheidung. Damals standen wir alle noch mit Abstand in einem Büro und telefonierten mit zwei Telefonen gleichzeitig, da die Absage auch mit Anja Gries, mit dem Geschäftsführenden Direktor Claus Wiegandt und natürlich Veit Bachmann, der bereits in Tunesien war, geklärt werden musste.
Gleichzeitig wurde im Eilverfahren (Telefonate und Emails) über die Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse die Abgabefrist der laufenden Bachelor- und Masterarbeiten um vier Wochen verlängert. Im Anschluss gaben Inge Rawat und Carina Rong sofort die neuen Abgabefristen in POS ein, da sich bei uns die Anfragen der Studierenden häuften.

Diese und viele weitere Entscheidungen mussten innerhalb kurzer Zeit getroffen und dann aber auch immer sofort umgesetzt werden. Für uns anstrengend und herausfordernd ist, dass in Abständen von nur wenigen Tagen mehrfach Regelungen „über den Haufen“ geworfen werden mussten, da niemand die Entwicklung der Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen auf viele Bereiche absehen konnte. Da kann keiner etwas dafür, aber wir alle müssen damit umgehen. Anstrengend für alle, für uns, für die Lehrenden und auch für die Studis.

Zunächst hieß es, der Semesterstart wird verschoben, dann geht es aber wie geplant los. Dann sollten sich alle auf mögliche digitalen Lehre vorbereiten, da zuerst vielleicht doch noch keine Präsenzveranstaltungen im April und Mai möglich sein werden. Im nächsten Schritt wurden alle Exkursionen und Geländeveranstaltungen in der Pfingst- und E-Woche gekippt (das tat uns besonders weh). Werden wir jetzt ein komplettes Semester mit digitaler Lehre erleben?

Aber wie funktionieren in Zeiten eines Kontaktverbotes Absprachen? Also, nicht nur intern, sondern auch fakultäts- und uniweit? Der Unileitung ist es sehr wichtig, dass die Leitlinien der Universität eingehalten werden und alle prüfungsrechtlichen Beschlüsse auch rechtskräftig sind… Weder wir noch viele andere im Studiengangsmanagement kannten vorher Zoom, jetzt ist es selbstverständlich geworden. Wir zoomen untereinander mit den Kolleginnen im Prüfungsamt, da wir dann besser die anfallenden Arbeiten besprechen und klären können und wir zoomen in der Fakultät mit den anderen Studiengangsmanager*innen und dem Prodekan für Studium und Lehre. Wir zoomen innerhalb des GIUBs in den verschiedenen Gremien und Gruppen. Das klappt zum Glück sehr gut. Und wir sind über alle Neuerungen seitens der Uni-Leitung immer sehr gut informiert.

Sorgen bereiten uns die vielen geplanten Exkursionen, Geländepraktika und Methoden, die man eben nicht virtuell oder digital lehren und lernen kann. Wir haben dies jetzt alles in den Juli, August und September geschoben – hoffentlich kann das dann alles wie gewohnt stattfinden. Auch weiß niemand, was passiert, wenn alle Studierende mehr oder weniger gleichzeitig auf Ecampus zugreifen, hier bleibt es ebenfalls spannend.

Schön ist für uns, dass es nun mit der Lehre losgeht. Wir haben den Eindruck, dass viele Lehrende kreative Lösungen für diese schwierige Zeit gefunden haben. Die Lehrenden stehen zur geplanten Präsenzzeit den Studis per Mail, per Telefon, per Zoom, per … zur Verfügung. Und wenn wir alle etwas Nachsicht miteinander haben, denken wir, dass die nächste Woche gut starten kann.

Wenn es Probleme gibt, bitte bei uns melden. Wir helfen, so gut es eben in diesen Zeiten und in dem prüfungsrechtlichen Rahmen eben geht.

Andrea Frei und Sonja Hock

21.04.2020

Ein digitales Interview mit unserem Geschäftsführenden Direktor Prof. Claus-C. Wiegandt

Ein Interview mit Prof. Claus-C. Wiegandt (ccw), geführt von Anna Schoch (as) - Es ist spannend, einen so genauen Einblick hinter die Kulissen zu erhalten! So offen berichtet der Geschäftsführende Direktor selten von seiner Arbeit und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Es sind eben besondere Zeiten...

 

as: Herr Wiegandt, seit dem 1. Oktober des vergangenen Jahres leiten Sie unser Institut als Geschäftsführender Direktor. Was hat sich denn durch die Pandemie für Sie in den letzten Wochen verändert?

ccw: So einiges! Seit jetzt fünf Wochen arbeite ich nur noch von zu Hause und bin höchstens an Wochenenden zum Unterschreiben von Zeugnissen im Institut. Alle Kontakte laufen über E-Mail, zoom und Telefon – seien es Beratungsgespräche mit Studierenden, der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in den Forschungsprojekten oder die Organisation des Institutsbetriebs.

 

as: Was gibt es denn zu organisieren?

ccw: Die meiste Arbeit macht es derzeit für uns alle, die Lehre auf digitale Formate umzustellen. Bei Vorlesungen und Seminaren geht das wohl – schwierig wird es bei Veranstaltungstypen, die eine Präsenz vor Ort erfordern. Was für andere Fächer das Labor, ist für uns Geographen ja das Gelände. So bereiten Exkursionen, Geländepraktika oder Forschungsseminare die größten Schwierigkeiten.

 

as: Und wie gehen Sie damit um?

ccw: Die meisten dieser Veranstaltungen haben wir in den Sommer verschoben und hoffen, dass wir uns dann wieder freier bewegen können. Diese Verschiebungen müssen wir aber abstimmen, um eine Überschneidungsfreiheit in der Lehre für die Studierenden hinzubekommen. Unser Studiengangsmanagement leistet hier derzeit Großartiges.

 

as: Und sind Sie selbst involviert?

ccw: Ich erinnere mich sehr gut an den 11. März, als noch keiner von uns an Kontaktsperren gedacht hat. Im Büro von Andrea Frei haben Sonja Hock und ich zu dritt mit Veit Bachmann telefoniert und über die Absage der großen Exkursion nach Tunesien verhandelt. Es gab Informationen, dass das tunesische Gesundheitsministerium Einreisende aus Risikogebieten unter eine 14-tägige Quarantäne stecken wollte – und Deutschland war ein solches Risikogebiet für die Behörden in Tunesien. Für mich war diese Denkrichtung ganz ungewohnt. Wir haben unsere Studierende dann noch so gerade davon abgehalten, nach Tunis zu fliegen. Und das war gut so, weil einige Tage später dann genau das eintraf, wovon wir gerüchteweise gehört hatten. In Quarantäne wäre es eine recht langweilige Exkursion geworden.


as: Und nun?

ccw: Veit Bachmann wird die Exkursion im neuen Jahr wohl nachholen. Und Studierende, die nur noch diese Veranstaltung brauchen, werden mit mir nach Ostdeutschland reisen. Hoffentlich kann diese Exkursion dann im September stattfinden.

 

as: Ist denn unser Institut geöffnet?

ccw: Nein, das war eine kurze Diskussion, die wir dann schon in Videokonferenzen geführt haben. Unser Rektor und unser Kanzler hatten zu Beginn des Kontaktverbots alle Geschäftsführenden Direktoren über zoom eingeladen. Mit fast 40 Personen haben wir organisatorische Angelegenheiten besprochen und am folgenden Tag gab es dann das Rundschreiben der Universitätsverwaltung, alle Häuser zu schließen.

 

as: Ist denn jetzt niemand mehr im Institut?

ccw: Oh doch – in zwei Schichten arbeiten zwei Kernteams noch in unserem Haus – ohne direkten Kontakt miteinander. Rollierend eine Woche HomeOffice, eine Woche Institut. Rechnungen gehen ja ein, Personalanträge werden gestellt, Abschlussarbeiten werden abgegeben und müssen verteilt werden. Der Betrieb läuft ja weiter. Und dies gilt ebenso für unsere Gremien. Die Vorstandssitzung von zu Hause über zoom war schon eigenartig. Ich sah all meine Kolleginnen und Kollegen auf dem Bildschirm, engagiert diskutierend über die Frage, ob und wie wir uns an einer Schlegel-Professur beteiligen wollen – und als ich kurz aufschaut und durchs Fenster geblickt habe, sah ich meine Nachbarn bei der Gartenarbeit. Schon etwas komisch.

 

as: Was vermissen Sie am meisten?

ccw: Zwei Dinge: Zum ersten den direkten Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meiner Arbeitsgruppe – auch wenn es ganz amüsant ist, breakout sessions auf zoom fürs Seminar zu üben – und dann zum zweiten natürlich das Reisen, das wir Geographen doch alle so gerne tun. Hier werden wir uns wohl noch einige Zeit einschränken müssen.

 

as: Gibt es denn auch erfreuliches?

ccw: Über Videokonferenz haben wir die Berufungsverhandlungen mit unserem Rektor, der stellvertretenden Kanzlerin, dem Dekan, dem Finanzdekan, Britta Klagge als Fachgruppenvorsitzende und Frau Hörschelmann in Dresden geführt – und das war erfolgreich! In der letzten Woche hat sie zugesagt, bei uns im August als Professorin anzufangen. Und Herr Schenk bleibt uns noch zwei Jahre erhalten. Beides freut uns sehr.


as: Vielen Dank fürs Interview und alles Gute in diesen digitalen Zeiten.

20.04.2020

Ein Forschungsaufenthalt in Kenia und Äthiopien - der dieses Mal ganz anders lief...

Ein kurzes, schriftliches Interview mit Annapia Debarry, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin in der AG Geographische Entwicklungsforschung von Prof. Detlef Müller Mahn (https://www.geographie.uni-bonn.de/forschung/ags/ag-geographische-entwicklungsforschung/staff/annapia-debarry)

Wo und wie lange warst du im Ausland? Und für welchen Zweck?

Ich war in Kenia und in Äthiopien, diesmal leider nur für 14 Tage. In Nairobi sollte der „Gender Summit“ stattfinden, eine Konferenz, die im Rahmen meiner Promotion spannend und für mich persönlich auch sehr wichtig gewesen wäre. Leider musste sie ausfallen – aufgrund von Corona. Ich war unglaublich enttäuscht! Dann habe ich die Zeit stattdessen genutzt, um die Hauptstadt kennenzulernen und Kontakte zu kenianischen Kollegen*innen zu knüpfen. Anschließend war ich in Addis Abeba, um Daten zu erheben, aber auch um Freunde und Kollegen*innen zu treffen. Das hat dann zum Glück mehr oder weniger geklappt.

Wie hat sich die Situation durch die Corona-Krise im Zielland verändert? Wie hast Du den Alltag in Deinem Gastland/Stadt erlebt? Hattest du noch Kontakt mit anderen Personen bzw. Kolleg*innen?

Zur Zeit meiner Ankunft gab es weder in Kenia noch in Äthiopien statistische erfasste Fälle, allerdings bereits umfassende Gesundheitschecks. Die Menschen haben das alles mit Geduld über sich ergehen lassen. Hat man den Flughafen verlassen, hätte man glatt die Pandemie vergessen können, wären da nicht zahlreiche Menschen gewesen, sei es im Taxi oder im Hotel, die einen freundlich, aber besorgt darauf angesprochen haben. Die Lage hat sich dann aber innerhalb von einer Woche zugespitzt und die Stimmung kippte nach meiner Ankunft in Addis Abeba. Ich musste vielfach fremdenfeindliche Kommentare über mich ergehen lassen und wurde sogar mit Steinen beworfen. Das ist nicht das Äthiopien, das ich kenne. Auch mein äthiopischer Freundeskreis war schockiert. Interessant war in diesem Zusammenhang, dass man sich erneut mit seiner eigenen Rolle, dem „Weißsein“ und Privilegien auseinandergesetzt hat.

Wann und wie bist du zurück nach Deutschland gekommen?

Als sich die Lage dann soweit zuspitzte, dass nicht mehr klar war, ob es weiterhin Flüge in Richtung Deutschland geben würde, habe ich schließlich umgebucht und bin vor rund zwei Wochen wieder in Frankfurt angekommen – und ohne Gesundheitscheck eingereist… Inzwischen gibt es auch in Äthiopien einen „lockdown“ und die meisten meiner Freunde*innen und Kollegen*innen arbeiten im Homeoffice. Aber für viele Menschen in Äthiopien – wie auch in Kenia – ist das unvorstellbar, denn sie leben von der Hand in den Mund. Einmal mehr beschäftigen mich in diesen Tagen diese Fragen rund um (globale) Ungleichheit. Verändert dadurch, dass ich zurzeit nochmal emotionaler damit umgehe.

Foto: Annapia Debarry
 

20.04.2020

Planung von digitaler Lehre in der AG Wiegandt - ein Erfahrungsbericht

Es hat nicht lange gedauert bis die Corona-Epidemie auch das Arbeitsleben der Lehrenden am GIUB getroffen hat. Noch Anfang Februar saßen Professorinnen, Doktoranden und Vertreter der Fachschaft zusammen und berieten auf der Lehrkonferenz über gute Lehre. Als sich die Semesterferien dem Ende neigten und einige schon voller Zufriedenheit auf ihre bewährten Lehrkonzepte blick-ten, wurde klar: Dieses Semester wird alles anders. Kontaktverbot, Bibliotheksschließung, Ein-schränkungen im ÖPNV und schließlich die Sperrung des Instituts für Studierende. Eine große Ratlosigkeit stellte sich ein.

In der AG Stadt- und Regionalforschung von Prof. Wiegandt haben wir glücklicherweise schon vor Corona einen regen Austausch unter uns WiMis beschlossen, da wir alle das Humangeographie Aufbauseminar geben. Unser Neuzugang Julian Antoni steht nun vor der Aufgabe sein allererstes Seminar in Zeiten von Corona durchzuführen. Miriam Gruber hat zwar schon Erfahrung in der Lehre gesammelt, muss ihr sorgsam vorbereitetes Konzept nun aber auf den Kopf stellen. Und Moritz Ochsmann hat sein letztes Seminar 2017 gehalten und war über ein Jahr völlig raus aus dem Lehrbetrieb, denn da konnte man noch verreisen und solche Sachen… Nun war also guter Rat teuer.

Zu Beginn gab es verschiedene Einschätzungen zum Zeithorizont und zur Schwere der Einschränkungen unter uns WiMis. Die täglichen Nachrichten und E-Mails von Geschäftsführung und Rektorat bestimmten jedoch viel stärker und unmittelbarer die direkte Seminarplanung als unsere ge-meinsamen Vorüberlegungen. Die Ansage, dass das komplette Sommersemester nun digital abgehalten werden soll, schien manches leichter zu machen, anderes fast unmöglich. Nun sollen wir alle unsere Lehre via „Zoom“ abhalten, eine Software für Videokonferenzen, von der wir noch nie vorher etwas gehört hatten. Was ist, wenn die Internetverbindung abbricht? Schreckensvisionen von eingefrorenen, verpixelten Bildschirmen und unverständlichen Fragen aus scheppernden Laptopboxen stiegen in uns auf. Haben die Studierenden überhaupt alle Webcam und Mikrofon zu Hause?

Die digitale Lehre erfordert ein Umdenken in den verschiedensten Bereichen, von der Betreuung der Studierenden über die Frage, welche Inhalte synchron - also über Videokonferenzen – vermittelt werden können bis hin zu einem völlig neuen Seminarkonzept. Wie thematisiert man Corona im Aufbauseminar? Die medizinische Geographie, sonst eher eine Spezialdisziplin für Vertiefungsseminare, wurde plötzlich zu unserem Einstiegsthema. In kurzer Zeit haben wir eCampus-Funktionen kennengelernt, die uns völlig neu waren, und das ganz ohne Fortbildung (auch wenn es vermutlich schneller gegangen wäre, wenn man nicht alles selbst hätte ausprobieren müssen)! Einiges davon wird man vielleicht auch in Zukunft nochmal nutzen. So haben wir ein E-Learning Modul auf E-Campus konzipiert, um die Inhalte zum wissenschaftlichen Arbeiten zu vermitteln, das bisher auch gut angenommen wird.

Doch so etabliert und hochgelobt unsere Systeme sind, sowohl eCampus als auch Basis und DFN-conf (noch so ein Programm für Videokonferenzen) sind in den letzten Wochen an ihre Grenzen gestoßen. Wir sind also vielleicht doch nicht ganz so optimal aufgestellt, wie gerne behauptet wird. Egal, wie lange Mails man an die Studierenden schreibt, irgendwas vergisst man doch und es kommen Fragen auf, die sich im Seminarraum in fünf Minuten, aber jetzt nur noch durch fünf E-Mails an fünf Personen klären lassen.

Sehr positiv ist hingegen die Abstimmung bei uns in der Arbeitsgruppe, vor allem, weil wir alle das gleiche Modul haben und uns dadurch gut austauschen können. Unsere wichtigste Erfahrung mit der Lehre in Zeiten von Corona ist, dass es nun umso wichtiger ist, den Austausch unter den Leh-renden am GIUB voranzutreiben. Ebenso ist es eine große Erleichterung, dass uns Herr Wiegandt so gut mit Informationen versorgt - die sind ansonsten ja doch eher rar. Denn auch wenn die Regierung nun erste Schritte aus dem Lockdown beschlossen hat, weiß keiner so richtig, wie es weitergeht. Doch inzwischen hat sich zumindest bei Julian, Miriam und Moritz das Gefühl eingestellt, dass alles gut wird, wenn wir zusammenarbeiten.
 

von Miriam Gruber, Moritz Ochsmann und Julian Antoni

15.04.2020

“Die Krankheit der Reichen und Weißen”

Anfang Februar ging es für mich das vierte Mal nach Tansania, um dort für meine Doktorarbeit im Rahmen des Projektes CRC „Future Rural Africa“ empirisch zu digitalen Informationsdiensten in ländlichen Gebieten zu forschen. Ich freute mich auf die straff durchgeplanten zwei Monate, die vor mir lagen, auch weil ich so den Wintermonaten in Deutschland entfliehen konnte. Von einer Pandemie war hier noch keine Rede. Und in Tansania blieb das weitestgehend auch so. Natürlich habe ich über Freunde, Familie und Kolleg*innen mitbekommen, wie sich die Situation global entwickelte, aber Tansania blieb ruhig. Man konnte dort niemanden testen und somit gab es auch keine Infizierten. Viele Geschichten kamen darüber auf, warum Afrika verschont blieb:

„Über 25 Grad Celsius kann sich das Virus nicht mehr ausbreiten.“
„Wir hatten Ebola, ihr habt dafür Corona!“
„Nur Reiche und Weiße bekommen Corona!“

Gerade letzteres hält sich hartnäckig, denn selbst nach der Diagnose von einigen wenigen Infizierten in Tansania, stellte sich heraus, dass dies entweder Tourist*innen waren oder die weitgereiste, tansanische Elite. Nichtsdestotrotz wurden in einer Hauruck-Aktion alle Schulen und Universitäten geschlossen und der Verkehr kollabierte, da über Nacht alle Internatsschüler*innen und Studierende in ihre Heimat zurück mussten. Versammlungsverbot, Desinfektionsmittel vor jedem Gebäude oder öffentlichen Verkehrsmittel, Lautsprecherwagen fuhren durch die Straßen und erklärten, was Corona ist, mein Mobilfunkanbieter schickte mir SMS und erklärte mir, was ich jetzt beachten müsse, falls ich mehr erfahren wolle, könnte ich das über USSD-Abfragen. Es wurden Corona-Lieder verfasst und mit viel Gelächter zur Begrüßung Füße, Fäuste und Ellbogen gegeben.

Meine Arbeit sollte ich zunächst abbrechen, da die Organisation vor Ort Angst hatte, dass mir etwas zustoßen würde. Gerade in den Dörfern hätten die Bauern, mit denen ich sprechen wollte, sehr viel Angst vor Weißen und deren Reaktionen auf mich schienen unberechenbar. In einem kenianischen Dorf hätten sie einen Weißen schon umgebracht, vor lauter Angst vor dem Virus. Auch auf der Straße rief man mich nun nicht mehr „Weiße“, sondern „Corona“ – auch mal eine amüsante Abwechslung. Die ausgedehnte Angst vor Weißen ist nur die Spitze des Eisbergs an Verschwörungstheorien, die nun kursierten und die Welt in den tansanischen Köpfen in eine neue Ordnung rückten. Nach einigen Tagen und unter ständiger Begleitung konnte ich meine Arbeit jedoch wieder aufnehmen.

Solange ich weiterarbeiten konnte, die offizielle Fallzahl niedrig blieb und die Pandemie eine unwirkliche Gruselgeschichte der Medien blieb, fühlte ich mich in Tansania sehr sicher. Doch dann wurde Stück für Stück der Flugverkehr bestimmter Airlines eingestellt, auch mein Flug wurde gecancelt. Und dann möchte man doch gar nicht so gerne in der Ferne bleiben müssen, wenn die Welt auf dem Kopf steht. Informationen darüber, welche Airline zuverlässig zu sein schien, waren schwer zu erlangen. In dieser Situation haben sich die Mails der deutschen Botschaft als sehr hilfreich herausgestellt, um ein Ticket bei der letzten Airline, die noch operierte, zu ergattern. Doch wie? Meine Reiseagentur antwortete nur noch mit automatischen Emails der Überforderung, von Online-Käufen wurde abgeraten, da die Systeme unzuverlässig waren, und ich saß tagaus tagein in einem Dorf und redete mit Bauern. Ein paar Touristen konnten durch die Rückholaktion des Auswertigen Amtes Sitzplätze in Fliegern erlangen, doch die gingen relativ kurzfristig und bevorzugten zunächst gestrandete Familien. Letzten Endes besorgte mir ein Masterstudent, der auch während seiner Forschung für seine Abschlussarbeit auf Sansibar festsaß, eines der letzten sündhaft teuren Tickets. Auch wenn die Rückreise eine Zitterpartie bis zur letzten Minute blieb, da man sich kaum in Sicherheit wiegen konnte, dass nicht doch noch ein Flug abgesagt werden würde, so war dennoch klar, dass der eigentliche Ausnahmezustand doch in Deutschland auf mich warten würde, wo ich vor einer Woche an einem entvölkerten Flughafen gelandet bin.

von Astrid Matejcek

Fotos: Astrid Matejcek

14.04.2020

Rollierende Präsenz der Krisenteams im GIUB. Covid-19 erfordert strikte Maßnahmen.

„Das GIUB ist für den Publikumsverkehr geschlossen!“ So steht es an der Eingangstür des Instituts und das heißt, dass der Institutsbetrieb abseits des Publikumsverkehrs unter den erschwerten Rahmenbedingungen von Corona weiterlaufen muss.
So wollen Abschluss- und Hausarbeiten abgegeben und Noten verbucht werden, die Lehrplanung für das nächste Wintersemester läuft auf Hochtouren und die Umplanungen für das laufende Sommersemester erfordern eine große Kraftanstrengung. Personalanträge wollen bearbeitet, Rechnungen bezahlt werden, Berufungsverhandlungen mit künftigen Profs müssen geführt und Baumaßnahmen geplant werden.

Das alles passiert derzeit in zwei Krisenteams im GIUB, im von der Hochschulverwaltung verordneten Minimalbetrieb. Die beiden Teams um Sonja Hock und Manfred Nutz sind wochenweise rollierend getrennt im GIUB anwesend, während das „Gegenstück“ jeweils im "Homeoffice“ erreichbar ist. Es besteht eine Kontaktsperre zwischen den Teams, so dass bei einer eventuellen Infektion eines Teammitglieds und der daraus zu erfolgenden Quarantäne keine teamübergreifende Infektionskette entstehen kann. So ist ein Minimal-, im Extremfall auch Notbetrieb, sichergestellt. Der Austausch findet über Videokonferenzen statt, so dass der „Staffelstab“ wöchentlich problemlos übergeben werden kann.

Die Belange der Studierenden, der Lehrenden und sonstigen Mitarbeiter*innen werden somit kontinuierlich vor Ort bearbeitet, ganz gleich ob es um das Haushalts- oder Personalwesen, Literaturbeschaffung und Seminarplanung, Technik für das eLearning, Laborarbeiten, die Öffentlichkeitsarbeit oder um die Probleme der ERASMUS-Studierenden geht.
Auch wenn alle hoffen, dass bald der Normalbetrieb wieder Einzug im GIUB hält, die erschwerten Arbeitsbedingungen haben gezeigt, dass der zentrale Verwaltungsbereich des GIUB mit einer guten Zusammenarbeit und Teamgeist auch eine solche Krise meistern kann.

von Manfred Nutz

6. April 2020

ERASMUS unter Corona - Joana in Finnland

Für viele GIUB-Studierende verläuft ihr Auslandssemester in diesem Jahr anders als erhofft. Durch die Corona-Krise ist ein normales Studium an der Gastuni nicht möglich und auch die beliebten ERASMUS-Events finden zur Zeit nicht statt. Von den 17 GIUB-Studierenden, die normalerweise noch im Ausland wären, sind bereits sieben zurückgekehrt, zehn befinden sich noch an ihrer Gastuni. Wir wollen wissen, wie unsere Studierenden die Situation vor Ort erleben.

 

Joana ist an der University of Eastern Finland, Joensuu, und beantwortet uns ein paar Fragen. Danke für den Einblick in den etwas anderen ERASMUS-Austausch!

Seit wann befindest Du Dich an Deiner Gastuni und wie war der Semesterstart?

Mein Semester hat Anfang Januar begonnen und geht bis Ende Mai. Ich wurde hier herzlichst aufgenommen und von Tutoren unterstützt, um mein Semesterstart so leicht wie möglichst zu gestalten. Es war alles sehr organisiert und man hat direkt neue Leute kennen gelernt.

Wie hat sich die Situation seither geändert? Finden noch Kurse an der Uni statt oder ist alles auf Online-Formate umgestellt worden?

In Finnland ist die Situation durch Corona leicht verspätet angekommen. Alle Universitätskurse, Sportkurse und Events wurden vorübergehend und nun voraussichtlich bis Ende Mai gestrichen. Das heißt für mich, dass ich die Universität nicht mehr besuchen werde.

Die University of Eastern Finland ist aber bestens vorbereitet! Alle Kurse wurden vom einen auf den anderen Tag online angeboten. Klausuren werden auch online angeboten, sowie Präsentationen können online gehalten werden. So kann ich all meine Kurse beenden.

Wie erlebst Du den Alltag in Deinem Gastland/Stadt? Hast du Kontakt mit Deinen neuen Kommiliton*innen?

Mein Alltag hier hat sich natürlich drastisch verändert. Ganz viele Erasmus Studenten haben abgebrochen und sind wieder nach Hause geflogen, da sie auch von dort die Kurse online beenden können. Auch viele neue Freunde sind traurigerweise nach Hause geflogen. Mir fehlen vor allen Dingen die Sportkurse, da ich mindestens 3-4x in der Woche zum Sport gegangen bin. Wir versuchen jedoch weiterhin aktiv zu bleiben. In Finnland gibt es keine Ausgangssperre, nur für die Region Uusimaa, wo die meisten Corona-Fälle festgestellt worden sind. Wir dürfen uns weiterhin mit maximal 10 Leuten treffen. Abstand halten ist natürlich selbstverständlich und sobald jemand Krankheitszeichen aufweist, am besten selber in Quarantäne gehen. Hier halten sich wohl auch alle so gut es geht dran. Joensuu ist außerdem eine kleine Stadt und selbst wenn man raus geht, sieht man kaum Leute auf den Straßen. Wir haben hier viel mehr Möglichkeiten den Leuten aus dem Weg zu gehen, da viel weniger Einwohner auf einer großen Fläche leben. Außerdem sind wir hier alle nur ERASMUS-Studenten, die kaum mit Risikogruppen in Kontakt kommen. Mit meinen Kommilitonen bin ich weiterhin im Kontakt und wir versuchen das Beste aus unserer Situation zu machen. Wir gehen viel raus und gehen wandern, machen Sport zusammen oder lernen (alles natürlich nur in kleinen Gruppen). Auch wenn unser Semester anders verlaufen ist als geplant und wir manche Tage sehr niedergeschlagen waren, genießen wir unsere Zeit hier und vor allen Dingen unsere Privilegien rausgehen zu dürfen und in kleinen Gruppen uns zu treffen.

6. April 2020

Informationen aus dem GIUB zum Start ins Sommersemester 2020

Dieser Brief wurde am 6. April 2020 vom Geschäftsführenden Direktor Prof. Dr. C.-C. Wiegandt an alle Studierenden des Geographischen Instituts versandt.

Liebe Studierende,

 

unglaublich und bis vor kurzem undenkbar, welche Veränderungen in den letzten Tagen für uns alle eingetreten sind. Dies gilt auch für den universitären Alltag.

Heute wäre der Tag, an dem die Vorlesungszeit des Sommersemesters regulär begonnen hätte. Stattdessen ist unser Institutsgebäude seit zwei Wochen geschlossen und wird es in den kommenden Wochen wohl auch noch bleiben. Sie werden deshalb auf eine noch nicht absehbare Zeit von zu Hause aus studieren müssen.

Sie alle haben mitbekommen, dass das Sommersemester erst am Montag, den 20. April startet. Alle Veranstaltungen des Sommersemesters sollen nach heutigem Stand der Dinge bis Ende September abgeschlossen sein, damit sich Ihr Studium trotz der besonderen Lage nicht verlängert. Leider müssen wir die Blockveranstaltungen aus der Pfingst- und der E-Woche in die zweite Hälfte des Semesters verschieben. Die Planungen hierzu laufen auf Hochtouren. Stattdessen werden wir entsprechend den Vorgaben des Rektorats die 14 Tage, also die Pfingst- und E-Woche Anfang Juni für die klassischen Lehrveranstaltungen nutzen.

In diesem Semester setzen wir verstärkt auf digitale Lehrformate. Alle Lehrenden werden versuchen, Sie auch mit den neuen digitalen Tools qualifiziert auszubilden. Zoom und ECampus werden bei den Vorlesungen und Seminaren die Instrumente sein, mit denen wir kommunizieren werden und auf denen die entsprechenden Materialien liegen. Unsere Bibliotheken sind allerdings bis auf weiteres geschlossen. Herausfordernd ist sicherlich die Durchführung von Veranstaltungstypen im Labor bzw. im Gelände – wie Exkursionen, Geländepraktika oder auch Teile der Projektseminare. Wir verschieben diese Veranstaltungen derzeit in den Sommer in der Hoffnung, dass sich die Lage bis dahin wieder normalisiert. Wann wir wieder auf einen Präsenzbetrieb vor Ort umstellen, kann heute noch niemand seriös vorhersagen.

Alle weiteren Hinweise zur Durchführung der Lehre bekommen Sie von den Leiterinnen und Leitern Ihrer jeweiligen Veranstaltungen. Im Hintergrund plant und organisiert unser Studiengangsmanagement mit großem Einsatz den Betrieb. Um Sie auch zukünftig aktuell zu erreichen, verfolgen Sie die Homepage, aber auch die Facebook-Posts des GIUB und des Studiengangsmanagements aufmerksam.

Meine Bitte heute: Machen Sie bei den digitalen Angeboten mit und sehen Sie es den Lehrenden nach, wenn nicht alles gleich perfekt klappt. Für uns alle ist diese Situation neu.

Trotz aller widrigen Umstände wünsche ich Ihnen als Geschäftsführender Direktor des GIUB ein gehaltvolles und erfolgreiches Semester. Und vor allem: Bleiben Sie gesund und munter,

 

mit besten Grüßen
Claus-C. Wiegandt

 

Foto: colourbox.de

21. März 2020

Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus am Geographischen Institut

*** English Version below ***

Das Rektorat hat im Einvernehmen mit den Fakultäten folgende Maßnahmen beschlossen, die ab dem 16. März 2020 gelten.

Die Vorlesungszeit beginnt erst am 20. April 2020. Bis dahin finden keine Präsenzlehrveranstaltungen statt, Lehrende könne vorab von eLearning-Angeboten Gebrauch machen. Prüfungen werden verschoben, in Ausnahmefällen können alternative Prüfungsformen abgestimmt werden. Die Sprechstunden von Lehrenden und in der Beratung (Studienberatung, Prüfungsamt, usw.) werden bis zum 20. April 2020 ausfallen. Bitte nutzen Sie alternative Kommunikationswege wie E-Mail oder Telefon. Für laufende Abschlussarbeiten haben unsere Prüfungsausschüsse vier Wochen Aufschub gewährt. Die Belegung in Basis für Statistik (B6) und Geomatik (B7) ist ab sofort bis 19.04.2020 möglich. Die Zuteilung der Geländepraktika (B2) erfolgt erst Ende April.

Die Bibliothek des GIUB bleibt bis auf Weiteres geschlossen. In wichtigen Ausnahmefällen können nach Terminabsprache Bücher ausgeliehen werden. Terminvereinbarung: [Email protection active, please enable JavaScript.]. Weitere Infos auf der Homepage der Bibliothek folgen.

Die Gerätesammlung bleibt bis auf Weiteres geschlossen. In wichtigen Ausnahmefällen kann eine Ausleihe nach Terminabsprache vereinbart werden. Terminvereinbarung: [Email protection active, please enable JavaScript.].

Das Labor bleibt bis auf Weiteres geschlossen. In wichtigen Ausnahmefällen können einzelne Arbeiten fortgeführt werden, dies ist mit der Laborleitung abzustimmen. Gruppenarbeiten im Labor finden nicht statt. Absprachen immer vorab über [Email protection active, please enable JavaScript.].

C-Pool, Archiv und Kartensammlung bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Evtl. Anfragen bitte an [Email protection active, please enable JavaScript.].

Das Institutsgebäude wird für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Universitätsleitung setzt alles daran, einen „minimalen Präsenzbetrieb“ aufrecht zu halten. Eine Notschließung könnte durch die Landesregierung angeordnet werden, ist aber zunächst nicht das Ziel der Universitätsleitung. Mitarbeiter*innen sind weiterhin per E-Mail oder  telefonisch zu erreichen. Bitte haben Sie Verständnis für gewisse zeitliche Verzögerungen, die sich u. U. durch die Betreuungssituation für Eltern ergeben können.

Bachelor- und Masterarbeiten können nach vorheriger Terminabsprache mit dem Prüfungsamt im Institut abgegeben werden.

Die Informationen der Universitätsleitung zu den weitergehenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus  finden Sie hier: www.uni-bonn.de/neues/064-2020 (Pressemitteilung der Universität Bonn vom 14.03.2020).

Informationen zum Coronavirus durch die Uni Bonn finden Sie hier: www.uni-bonn.de/neues/informationen-zum-corona-virus/

Stand: 21.03.2020

 

Measures for the containment of coronavirus at the Department of Geography

The Rectorate of the University of Bonn, in agreement with the faculties, has decided on further measures as of Monday, 16 March 2020.

The lecture period in summer semester 2020 will begin on April 20, 2020. Lectures at the University of Bonn will therefore also start on this date. Lecturer have the opportunity to begin digital courses before the newly defined start of the semester. All examinations originally planned for the coming weeks will be cancelled and postponed to a later date. In urgent cases alternative form of examinations may be possible. The office hours of lecturers as well as of the student advisory service and the examination office will be cancelled. Please communicate via e-mail or phone. For running theses a four week extension was granted.

The library at the Department of Geography will be closed until further notice. In urgent cases borrowing books is possible. For arrangement please contact: [Email protection active, please enable JavaScript.]. Further information on the website of the library will follow.

The equipment collection at the Department of Geography will be closed until further notice. In urgent cases borrowing equipment is possible. For arrangement please contact: [Email protection active, please enable JavaScript.].

The laboratories at the Department of Geography will be closed until further notice. In urgent cases running experiments and works can be continued. Group work will not be possible for the time being. Arrangements with the lab assistants is mandatory: [Email protection active, please enable JavaScript.].

The Computer Room, Archive and Map Collection at the Department of Geography will be closed until further notice. For inquiries please contact [Email protection active, please enable JavaScript.].

The institute will be closed to the public until further notice. High priority of the university administration is to run the university on a "minimal operations level". A closure through the state government may be imposed, but is not the goal of the university administration. Further on, staff is available via e-mail or phone. Please understand that there might be a temporal delay due to the childcare sitiuation of some staff. 

Bachelor’s and Master’s theses can be handed in after prior date arrangement with the examination office.

Here you can find the information on “Further measures for the containment of coronavirus” by the Administration of the University: www.uni-bonn.de/news/064-2020 (press release from March 14, 2020).

General informationen on the coronavirus by the University of Bonn can be found here: www.uni-bonn.de/news/information-on-the-coronavirus

State: March 21, 2020

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