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Datum: 19.12.2017

Workshop mit den interviewten Geflüchteten: Mehr Flexibilität bei den Verwaltungsabläufen wünschenswert

Workshop Köln 1.JPGAm 18. November 2017 fand der zweite Workshop des Forschungsprojekts „Integrationsprozesse von Geflüchteten in nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden“ im Allerweltshaus Köln e.V. statt. In diesem Rahmen diskutierten über 30 Geflüchtete mit den beteiligten Forschern und Forscherinnen aus Aachen, Bonn und Köln die bisherigen Ergebnisse des Projekts. Der inhaltliche Fokus lag dabei auf den vier Dimensionen Wohnen, Sprache, Arbeit und soziale Beziehungen. Ziel war es, die Zwischenergebnisse des Projekts mit den interviewten Geflüchteten zu besprechen und so die aktuelle Lebenssituation sowie Anmerkungen der Teilnehmer in den weiteren Forschungsprozess zu integrieren. Zentrales Ergebnis des Workshops ist, dass es bei den Dimensionen Wohnen, Sprache und Arbeit eine höhere Flexibilität bei den Verwaltungsabläufen braucht, um den Integrationsprozess geflüchteter Personen auch in Zukunft zu unterstützen. Insgesamt wünschen sich die Geflüchteten eine größere Anerkennung der Integrationsleistungen, die sie tagtäglich erbringen.

Köln_Workshop 2.JPGZu der Dimension des Wohnens wurde herausgestellt, dass viele Geflüchtete Probleme haben, eine eigene Wohnung zu finden. Dies gelingt in vielen Fällen nur mit Unterstützung durch Hilfsorganisationen, städtische Einrichtungen oder private Kontakte. Als ein Grund für die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche wurden unter anderem Vorurteile gegenüber Geflüchteten sowie schlechte Erfahrungen der Vermieter mit den Jobcentern genannt. Gleichzeitig betonten die Geflüchteten die Bedeutung einer eigenen Wohnung für den Ankommens- und Integrationsprozess in Deutschland, da die Lebensbedingungen in den Sammelunterkünften als äußerst belastend wahrgenommen werden (u.a. wegen fehlender Privatsphäre und mangelnder Hygiene).
Mit Bezug auf die Dimension der Sprache wurde der Wunsch mehrerer Teilnehmer nach einer Kinderbetreuung sowie mehr zeitlicher Flexibilität der Sprachkurse formuliert. Dies würde im Fall einer Familie beiden Elternteilen die Teilnahme an einem Sprachkurs ermöglichen.
Insgesamt wurde eine starke Interdependenz zwischen den Dimensionen Sprache und Arbeit hervorgehoben. So stellen mangelnde Sprachkenntnisse und der notwendige Nachweis von Sprachprüfungen zentrale Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt dar. Gleichzeitig wird betont, dass ein Arbeitsplatz wichtig ist, um erworbene Sprachkenntnisse zu erproben und auszubauen.

Die Bildung engerer Freundschaften auf Augenhöhe zwischen Deutschen und Geflüchteten scheint bisher eher eine Ausnahme darzustellen. In vielen Fällen beschränken sich die sozialen Kontakte auf Personen, die ehrenamtlich im Bereich der Flüchtlingshilfe arbeiten. Mit Blick auf die Dimension der sozialen Kontakte wurde von einigen der geflüchteten Personen der Wunsch nach einer größeren Offenheit von Seiten der deutschen Bevölkerung geäußert.

Insgesamt bot der Workshop die Möglichkeit eines produktiven Austauschs zwischen den beteiligten Wissenschaftlern und den Geflüchteten. So konnte gemeinsam erarbeitet werden, welche Schwierigkeiten im Bereich der Integration nach wie vor bestehen. Die teilnehmenden Geflüchteten konnten ihre Perspektive auf den Prozess des Ankommens in Deutschland teilen und so aktiv am Forschungsprozess partizipieren.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden im Laufe des Jahres 2017 Geflüchtete und Experten zum Integrationsprozess in der Stadt Köln und im Kreis Heinsberg interviewt. Nachdem die ersten Forschungsergebnisse im Juni 2017 bereits den befragten Expteren präsentiert wurden, fokussierte der zweite Workshop nun den Austausch zwischen den beteiligten Wissenschaftlern und den Geflüchteten. Das Projekt ist eine Kooperation der drei Universitäten Aachen, Bonn und Köln und wird gefördert durch das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) des Landes NRW.
 

Fotos: C.-C. Wiegandt

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