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Datum: 03.12.2018

Wer gestaltet die Stadt? Bachelorstudierende organisieren Veranstaltung im Namen des DVAG

Stadtplanung wird von unterschiedlichen Akteuren beeinflusst. Die Verflechtungen dabei sind vielseitig, komplex und erscheinen oft undurchsichtig. Das hielt eine Gruppe von Geographie-Studierenden der Universität Bonn jedoch nicht davon ab, im Rahmen eines Vertiefungsseminars unter Leitung von Heiner Schote eine Veranstaltung im Namen des DVAG (Deutscher Verband angewandter Geographie) zu organisieren. Ziel war es, die während der Stadtplanung stattfindenden Prozesse besser zu verstehen und zu hinterfragen. Dazu luden sie vier Referenten ein.
 
WGS_Podium.pngZu Beginn der Veranstaltung wurde in drei Vorträgen der Referenten deutlich, dass es in Deutschland zu einem Wandel des Planungsverständnisses gekommen ist. Stadtplanung ist heute zu einem politischen Prozess geworden und stellt besonders die öffentliche Verwaltung vor neue Herausforderungen. Wie diese Prozesse ablaufen, erläuterte Michael Isselmann genauer, indem er den Aufbau der verschiedenen Planungsebenen darstellte. Er zeigte auf, wie es in sogenannten „Top-down-Prozessen“ von den Ländern zu den Kommunen und Städten zu einzelnen, kleinräumigen Projekten kommt,  gleichzeitig aber auch, wie dieser Weg mittels  „Bottom-up-Prozessen“ in die andere Richtung möglich ist.
Anschaulicher wurden solche „Bottom-up-Prozesse“ durch Dr. Thorsten Fröhlich, der die Immobilien- und Standortgemeinschaft Severinstraße auf der Veranstaltung vertritt. Er zeigte auf, wie sich Einzelhändler und Immobilieneigentümer zusammenschließen und gemeinsam ein Konzept entwickeln, um das Quartier rund um die Severinstraße wieder attraktiver zu gestalten. Fröhlich betonte, wie wichtig die Kommunikation sowohl mit den Bürgern, als auch mit der Stadt dabei sei.
Kommunikation ist ein grundlegendes Thema, mit dem sich auch Dr. Oliver Märker von der Zebralog GmbH beschäftigt. Die Agentur ist Vermittler zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern. Sie unterstützt Kommunen, Ministerien und Unternehmen bei der Durchführung und Auswertung von Bürgerbeteiligungsprozessen. Wenn die Fronten in einem geplanten Projekt zu verhärten drohen, wird Märker beauftragt, den Dialog zwischen Parteien, Unternehmern und Bewohnern zu schaffen. Es sei laut ihm zwar nicht möglich, am Ende alle Interessen unter einen Hut zu bekommen - zum Beispiel die der  sogenannten “Nimbys” (”Not in my backyard”) - doch im gegenseitigen Gespräch versteht man vielleicht, warum eine bestimmte Meinung vertreten wird oder warum in einem Prozess scheinbar nichts passiert.
Das ein Stück weit verloren gegangene Vertrauen der Bürger in die Verwaltung zurückzugewinnen, sieht Dr. Helmut Redeker (SPD- Fraktion im Bonner Stadtrat) als eine zentrale Aufgabe an. Er stellte fest, dass es in einzelnen Stadtteilen und Quartieren ein deutlich höheres Interesse an Bürgerbeteiligung gibt als an Vorhaben, die auf die gesamte Stadt bezogen sind. Jedoch sollten nach Redeker alle Bürger mehr einbezogen werden.

Insgesamt herrschte bei der Podiumsdiskussion Einigkeit darüber, dass gegenseitiges Vertrauen eine wichtige Voraussetzung für bessere Bürgerbeteiligungsverfahren ist. Dieses müsse durch mehr Offenheit und Transparenz im Planungsprozess zurückgewonnen werden. Zudem müsse es, wie Michael Isselmann sagte, zu einer „Entscheidungsakzeptanzkultur“ sowie zu einer „Verstetigung“ der Planungsprozesse kommen. Bürgerbeteiligung sei  keine Frage des ob, sondern des wie.
 
Foto: V. Saure
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