Sie sind hier: Startseite Pressemitteilungen Studierende des GIUB erforschen die Kontinuität kolonialer Geographien
Datum: 20.03.2017

Studierende des GIUB erforschen die Kontinuität kolonialer Geographien

Die deutsche Kolonialgeschichte ist nicht nur relevant durch die aktuelle Medienpräsenz des Völkermordes an den Herero und Nama durch deutsche Schutztruppen im Jahr 1904 im damaligen Deutsch-Südwestafrika. Zeichen des Kolonialismus sind an vielen Orten zu finden. Das Grab des Kommandeurs des Völkermordes, Lothar von Trotha, findet sich z.B. auf dem Poppelsdorfer Friedhof, direkt neben dem Soldatenehrenmal. In der Nähe liegt auch Carl Troll begraben, der vor seiner langjährigen Tätigkeit in Bonn in den Jahren 1930-1935 Professor für Kolonial- und Überseegeographie in Berlin war. Dessen umfangreichen Nachlass Bachelorstudierende in der Institutsbibliothek als Material für ihre Forschungsarbeiten im Projektseminars „Koloniale Geographien“ unter Leitung von Dr. Sybille Bauriedl genutzt. Die Disziplingeschichte der deutschen Geographie ist eng verbunden mit der deutschen Kolonialgeschichte: Geographen bereiteten mit Forschungsexpeditionen in den deutschen Kolonien, die Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitskräften vor und mit Lehrstühlen der Kolonialgeographie, in geographischen Gesellschaften sowie geographischen Zeitschriften wurden der Kolonialismus propagiert und globale Ausbeutungsverhältnisse legitimiert. Diese kolonialen Geographien zeigen eine Kontinuität, die auch für aktuelle geographische Fragestellungen zu Globalisierung, Ressourcenkonflikte, globalen Umweltveränderungen und imperialen Lebensweisen relevant ist.


Im Rahmen des Seminars wurden Studienprojekte zu Ressourcen, Infrastrukturen, Kulturaustausch und Arbeitsteilung in "Deutsch-Ostafrika" und "Deutsch-Südwestafrika" während der deutschen Kolonialzeit und in postkolonialen Entwicklungsphasen bearbeitet. Teil des Projektseminars waren zum einen drei Exkursionen zur Steyler-Mission in St. Augustin mit ihrer ethnologischen Ausstellung, die der Ausbildung zur Missionsarbeit dient, zum Kölner Rautenstrauch-Joest Museum mit seiner Abteilung zur ethnologischen Sammlungsgeschichte während der Kolonialzeit.

Koloniale_Geo1

Steyler-Mission in St. Augustin: Pater Georg berichtet den Studierenden vom Masken-Schatz der Babanki (Kamerun) und deren Bedeutung für die Ausbildung von Missionaren in Westafrika.

Zum anderen fand eine dreitägige Exkursion nach Hamburg, der ehemaligen „Kolonialmetropole des Kaiserreiches“ statt. In Hamburg finden sich nicht nur zahlreiche Handels- und Kontorhäuser von Unternehmen, die vom Kolonial- und Überseehandel profitiert haben, sondern auch die Siedlungs- und Hafenstruktur ist bis heute geprägt von der Lagerung und Verarbeitung von Ressourcen ehemaliger Kolonialländer. Auch hier finden sich Kontinuitäten des Überseehandels. So ist die HafenCity zum bevorzugten Standort der Weltmarktführer des Kaffee- und Palmölhandels und der Containerlogistik geworden.

Koloniale_Geoneu

Hamburger Hafenkrone: Blick auf koloniale Infrastrukturen: Hafen- und Werftanlagen, Hochbahn (1912) und Elbtunnel (1913), Navigationsschule (1905), Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten (1910).

Koloniale_Geo2

Hamburger Altstadt: Eingang zum Kontorhaus der Reederei Woermann.

Koloniale_Geo3

Hamburg-Altona: Bismarck-Statue von 1898 mit aktuellen Graffiti.

Fotos & Text: S. Bauriedl

Artikelaktionen