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Datum: 01.02.2021

Reisetagebücher Johannes Justus Reins veröffentlicht

Der ehemalige Bonner Geographieprofessor verfasste während seiner Forschungsreise durch Japan in den Jahren 1873-75 ein vierbändiges Tagebuch. Nun wurden diese ersten beiden Bände dieser handschriftlichen Aufzeichnungen fast 150 Jahre später ediert und somit einem breiten fachlich interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Portrait Rein.pngJohannes Justus Rein (1835-1918) gehörte zu den ersten Europäern, die sich in Japan, das nach jahrhundertelanger Abschottung im Prozess der Öffnung und Modernisierung begriffen war, frei bewegen konnten. Um im Auftrag des preußischen Handelsministeriums die traditionellen japanischen Technologien zu untersuchen, bereiste Rein von 1873 bis 1875 weite Teile des Landes. Er beließ es jedoch nicht bei Studium des Handwerks und der Industrie, sondern stellte umfassende geographische Forschungen an, die in seinem zweibändigen Opus magnum „Japan nach Reisen und Studien im Auftrage der Königlich Preußischen Regierung“ (1881 & 1886), der ersten wissenschaftlichen Landeskunde Japans, aufgehen sollten. Dass Rein als Nachfolger Ferdinand von Richthofens auf den Lehrstuhl für Geographie berufen wurde, beruhte maßgeblich auf dem Erfolg dieser Forschungsreise durch Japan. Durch seine kontinuierliche Lehre (1883-1910) trug Rein maßgeblich zur Etablierung des Fachs an der Universität Bonn bei. Die Gesamtübersicht zur personellen Entwicklung finden Sie hier.

Einblick in das Tagebuch:
Am Abend nach der Besteigung des höchsten Berges Japans notierte Rein, wie er den Anblick des Sonnenuntergangs vom Vulkan Fuji aus erlebte: „Das Bild war so großartig, so überwältigend, wie ich es noch nie gesehen habe. Die folgende Nacht war ebenfalls kalt und flohreich, doch konnte ich mehr schlafen als zuvor. 2/9. Mittwoch h. 5.20 bei Sonnenaufgang vor Stationshütte (der untersten No. 8) 517mm. & 924,5 bei 5 1/2°C.“  In charakteristischer Weise spiegelt sich in diesen wenigen Zeilen seines Reisetagebuchs wider, inwiefern persönliche Eindrücke, landeskundliche Beobachtungen und Notizen ineinander verwoben sind und gleichzeitig die Begegnung mit dem Neuen und Fremden dokumentieren.

Textausschnitt Rein.jpgDie Inhalte der Tagebücher dokumentieren einen geographischen Erkenntnis- und Verarbeitungsprozess länderkundlicher Forschung und haben deshalb einen disziplingeschichtlichen und epistemologischen Eigenwert. Für Japanolog*innen entfaltet sich das Potential des Tagebuchs in Reins detaillierter Illustration der Natur und Kultur des damals noch unbekannten Landes. In Japan besteht bis heute ein großes Interesse am Leben und Wirken Reins. Mit detailstarken Anmerkungen, z.T. in japanischer Schrift, unterstützte Prof. Shigekazu Kusune, Vorsitzender der „Gesellschaft zum Gedenken an Dr. Rein“ in Hakusan, den Editionsprozess tatkräftig.

CG37_Titelseite.pngWir freuen uns, die ersten beiden der insgesamt vier Reisetagebücher als 37. Band des Colloquium Geographicums veröffentlichen zu können. Die beiden weiteren Bände werden am Ende dieses Jahres folgen.

Text: Tobit Nauheim & Winfried Schenk

Foto: Portrait Johannes Justus Rein - Originalphotographie aus dem Archiv Dr. Jürgen Schwalms

Scan: Ausschnitt einer Tagesbuchseite - ULB, Heimatverein Raunheim

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