Sie sind hier: Startseite Pressemitteilungen Landschaft der Mönche - Das Erbe der Zisterzienser in Oberfranken
Datum: 23.05.2018

Landschaft der Mönche - Das Erbe der Zisterzienser in Oberfranken

Der Radiobeitrag von Kirsten Zesewitz befasst sich mit der Entdeckung einer universellen Landschaft in Oberfranken. Die dort ehemals ansässigen Mönche des Zisterzienserordens prägten die Landschaft in ihrem Einflussbereich in so einer nachhaltigen Weise, dass ihre Spuren noch in der heutigen Landschaft wiederzufinden sind. Der Radiobeitrag thematisiert diese persistierenden Strukturen und Elemente und fußt auf Forschungen von Prof. Dr. Winfried Schenk, Professor für Historische Geographie am hiesigen Institut.

Herr Prof. Dr. Winfried Schenk befasste sich bereits in seiner Doktorarbeit mit der Raumwirksamkeit der Zisterzienserabtei Ebrach in der Frühen Neuzeit. Seine Faszination für die Thematik basiert auf der Persistenz der landschaftlich prägenden Strukturen dieser Zeit, die noch heute Einfluss auf das Leben und Handeln der ansässigen Bevölkerung haben. Weitere Forschungen von Herrn Prof. Dr. Winfried Schenk befassen sich mit Untersuchungen zu Klosterlandschaften im Süden und Westen Deutschlands.

Die "Grauen Mönche" prägten in ganz Europa den Raum rund um ihre Wirkungsstätten auf ähnliche Weise, ob im französischen Morimond, im österreichischen Zwettl - oder eben im fränkischen Ebrach. Im Jahr 1127 kamen die Zisterzienser ins Tal der Ebrach, eine Region, in der sie so leben konnten, wie es ihrem ebenso von Arbeit wie von Frömmigkeit geprägten Credo entsprach. Dazu gehörte auch die Produktion eigener Lebensmittel für die Klöster.

DSC_0881_Blick vom Ebracher Panoramaweg auf die Klosteranlage und ins Mittlere Ebrachtal.JPG

Dank der hervorragenden Kenntnisse der Zisterzienser in Schafzucht, Weinbau und Waldbewirtschaftung entstanden im Laufe der Zeit umfangreiche Grundherrschaften mit einem ausgeklügelten System von Höfen, die sich wie Ringe um das jeweilige Kloster legten. Bis heute finden sich davon Spuren in der Landschaft rund um das fränkische Ebrach: historische Wege, alte Weinberge, Teichketten und Buchenwälder – und Bauwerke wie das Amtsschloss in Burgwindheim oder die ehemaligen Wirtschaftshöfe in Waldschwind oder Winkele.

"Sie müssen sich vorstellen, dass wir im Hochmittelalter sind, und das ist die Zeit mit der höchsten Siedlungsdichte in Europa. Es gab viele kleine Siedlungen; im Prinzip war das Land besetzt, wenn man so will. Jetzt kommen da Mönche an, die einen Siedlungsplatz wollen. Im Prinzip ist alles belegt. Sie haben aber das Privileg bekommen, an einer Stelle doch siedeln zu dürfen, in einem Talschluss, am Ende eines Bachlaufes, dort, wo Bäche zusammenlaufen. Dort ist es unwirtlich, dort hat man einfach nicht gesiedelt. Und diese Stelle durften die besiedeln." (Prof. Dr. Winfried Schenk)

Die Mönche blieben fast 700 Jahre.  Sie prägten das Land und die Menschen. Jahrhundertelang kontrollierte die Abtei halb Oberfranken; bis an den Main reichte ihr Einfluss. Von Ebrach breitete sich der Orden nach Osten aus. Die Äbte agierten als Grundherren und Richter über Lehnsleute, Knechte und Hörige: Ganze Dörfer waren abhängig. Die Macht der Mönche durchdrang die gesamte Region. Im Jahr 1803 wurde die Abtei schließlich aufgehoben. Noch heute spiegelt sich der Siedlungsplan von 1688 in den Landschafts- und Siedlungsstrukturen wieder. Mittlerweile wird das Gebäude des alten Klosters als Justizvollzugsanstalt genutzt.


Den Radiobeitrag von Kirsten Zesewitz können Sie sich unter: www.br.de/radio/bayern2/zisterzienser-in-oberfranken100.html anhören.

Der Text von Kirsten Zesewitz diente als Grundlage für diese Pressemitteilung.

Foto: Dr. Thomas Büttner

Artikelaktionen