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Datum: 01.03.2022

GIUB-Expertise in der Eifel gefragt: Ungeklärtes Loch im Feld bei Blankenheim

In der Nähe von Blankenheim in der Eifel tat sich auf einer Fläche der NRW Stiftung im Laufe des letzten Herbstes ein Loch in einer Wiese auf, das lange Zeit unbemerkt geblieben ist. Nach der Entdeckung stellte sich die Frage nach der Ursache und zukünftigen Weiterentwicklung. Die zuständigen Stellen vor Ort kontaktierten Prof. Dr. Herget mit der Bitte um eine Einschätzung als Geograph und Geomorphologe.


Potenzielle Einsturzdoline bei Blankenheim mit steiler Bruchkante (rechts) und ins Loch hineingeglittener Bruchscholle (links). Bild: Jürgen Herget/GIUB 

Das Team um Prof. Dr. Herget traf sich vor Ort mit Frau Julia Roden (Biologische Station im Kreis Euskirchen e.V.) und Frau Dr. Ulrike Müssemeier (LVR – Amt für Bodendenkmalpflege Rheinland) zu einer gemeinsamen Besichtigung des zwischenzeitlich abgesperrten Lochs bei Blankenheim. „Wir sind etwas ratlos und können nur Mutmaßungen anstellen über die Ursachen des Fundes. Deshalb ist uns die Expertenmeinung wichtig“, so Roden.


Begehung des Aufschlusses im Februar 2022. v.l.n.r.: Dr. Ulrike Müssemeier (LVR-Amt für Bodendenkmalpflege), Julia Roden (Biologische Station Kreis Euskirchen), Prof. Dr. Jürgen Herget, Dr. Thomas Roggenkamp. Bild: Katja Kunze/GIUB

Erste Überlegungen deuten darauf hin, dass es sich um eine Einsturzdoline handelt, die charakteristischerweise durch das Auflösen des Gesteinsverbunds im Untergrund und der Erweiterung von Klüften und Spalten zu unterirdischen Hohlräumen entstehen – ein typisches Karstphänomen. Durch die fehlende Statik im Untergrund könnte eine solche Hohlkammer zusammengestürzt sein und so eine Einsturzdoline geformt haben. Da sich in der Umgebung innerhalb der Kalksteinvorkommen jedoch weitere ähnliche Löcher finden lassen, in deren Nähe Bergbaurelikte der Nutzung von eisenhaltigen Verfüllungen von Dolinen nachgewiesen werden konnten, wird alternativ auch der Einfluss des historischen Bergbaus diskutiert. Hier käme der Abbau von Dolinenfüllungen in Betracht, sodass die Löcher als Nachsturz in bergbaubedingte Trichtergruben - Pingen genannt - zu charakterisieren wären. „Wir haben bereits einige Thesen zur Entstehung des Loches aufstellen können, doch nun müssen die systematischen Untersuchungen folgen, um Klarheit über die Ursachen und natürlich auch das Fortschreiten zu bekommen“, so Professor Herget.
Die Diskussion zur Genese dauert also derzeit an und bei der Auflösung des Rätsels sollen nun auch die Studierenden des GIUB mit eingebunden werden. Für die Klärung des Phänomens werden im Rahmen eines Projektseminars von Dr. Thomas Roggenkamp im Sommersemester 2022 weitergehende Untersuchungen durchgeführt. Updates finden sich dann auf der Homepage der Arbeitsgruppe Herget.
Von Katja Kunze, AG Herget

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