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Datum: 01.04.2020

Masterexkursion nach La Gomera ins Kanarische Archipel

Ende Februar ging es für 20 Studierende der Geographie unter der Leitung von Prof. Dr. Mariele Evers und in Begleitung von Katja Höreth bei der Masterexkursion nach La Gomera ins Kanarische Archipel. Das Thema der Exkursion war die Untersuchung der Mensch-Umwelt-Beziehungen auf der Insel, sowie die besondere Ausprägung der Hydrologie und der Wechselwirkungen mit Gesellschaft, Landwirtschaft und Biodiversität.

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Trotz leichter Anreiseschwierigkeiten aufgrund des Calima, einer Wetterlage, die mit starken Winden Sand aus der Sahara zu den Kanaren bringt und eines kaputten Fliegers, haben wir es alle früher oder später nach San Sebastian auf La Gomera geschafft. Studierende der Uni Klagenfurt, mit denen vor Ort eine Kooperation geplant war, mussten ihre Reise leider absagen.

La Gomera stellt ein besonderes, spannendes und diverses Forschungsgebiet dar, denn die kleine Insel ist nicht nur bekannt für den größten zusammenhängenden Lorbeer- und Heidewald mit vielen endemischen Arten, der seit 1986 UNESCO-Welterbe ist, sondern auch für seine einmalige Pfeifsprache. Jene ist entstanden, damit sich die Menschen über die tiefen Barrancos (Schluchten) hinweg unterhalten können. Auch das Meeresinselökosystem ist ein Biodiversitätshotspot im Atlantik. Weitere interessante Aspekte auf La Gomera sind der vulkanische Ursprung, die Terrassenbewirtschaftung, das Wassermanagement, sowie der Einfluss der EU.

Wir hatten das Glück dort mit verschiedenen Expert*innen zu den oben genannten und weiteren Themen sprechen zu können. Von Melanie, einer deutscher Auswanderin und Reiseveranstalterin, haben wir auf einer Rundreise über die Insel viel über die Geschichte und den Tourismus auf La Gomera erfahren und einen Überblick über den Natur- und Kulturraum bekommen. Mit ihr konnten wir kurz nach unserer Ankunft bei einer Wanderung durch den Nationalpark Garajonay, in welchem der Lorbeerwald liegt, eindrucksvoll die Auswirkungen des Calima beobachten. Der Lorbeerwald, ein immergrüner Nebelwald, welcher normalerweise seinen Wasserbedarf über den horizontalen Niederschlag der Passatwinde deckt, war staubtrocken. Nur wenige Tage später, bei einem erneuten Besuch des Nebelwaldes, blickten wir Richtung Norden dann stattdessen nur noch in die Passatwolken.

Nebelwald_Nationalpark Garajonay_SophieKocherscheidt.jpegDurch eine bestehende Kooperation von Frau Prof. Evers mit dem Nationalpark Garajonay auf La Gomera, hat sich der Nationalparkdirektor Angel Fernandez viel Zeit für uns genommen und uns viele Informationen über die Artenvielfalt und Probleme gegeben, mit denen der Nationalpark zu kämpfen hat. Bei einer Wanderung mit Ricardo Dorta Cruz, einem Mitarbeiter des Nationalparks, erfuhren wir mehr über das schwierige Konzept der Terrassenbewässerung und schauten uns verbrannte Gebiete des Nebelwaldes an, die sich langsam wieder regenerieren. 2012 fielen 10% der Inselfläche einem großen Brand zum Opfer, bei dem auch große Teile des Lorbeerwaldes verbrannten, was signifikante Effekte auf die Grundwasserneubildung auf der Insel hat. Außerdem wurden wir von Itamar Morales und seiner Kollegin Milagros, Mitarbeiter des Consejo Insular de Aguas de La Gomera, in das Wassermanagement von La Gomera eingeführt, die die Herausforderungen bezüglich Wasserquantität, -qualität und Hochwasser deutlich machten.

Während der Exkursion hatten wir aber auch einige Tage Zeit, um eigene Forschung betreiben zu können und z.B. Wasserproben zu nehmen oder mit weiteren Expert*innen auf der Insel zu sprechen.

Neben all der harten Arbeit und den anstrengenden Seminaren auf sonnigen Dachterrassen, wurden wir mit Karneval der besonderen Art, Strandbesuchen und gemeinsamen Abenden - stets mit Mojo rojo und Mojo verde (einer roten und einer grünen Soße, die es dort mit Brot zu Beginn in jedem Restaurant gibt), belohnt.

Fotos: Sophie Kocherscheidt und Stephan Decker

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