Wissenschaftliche Bereiche
Die Forschung im Geographischen Institut wird in ganzer Breite unter dem Konzept „Gesellschaft und Raum“ abgedeckt. Die inhaltlichen und methodischen Forschungsschwerpunkte umfassen Ökosystemforschung, Prozessforschung, Risikoforschung, Analyse von Mensch-Umwelt-Beziehungen, Ressourcen und Tragfähigkeit, Entwicklungsforschung, Raumanalyse und Raumgestaltung in Wirtschaft und Gesellschaft, sowie Modellierung, Geo-Informationssysteme und Fernerkundung. Übergeordnetes Forschungsziel ist hierbei, die Rückkopplung zwischen menschlichem Handeln und Umwelt einer Beschreibung zugänglich zu machen, zu verstehen und zu erklären, um aus grundlagenorientierter Forschung problembezogene und angewandte Perspektiven zu entwickeln und umzusetzen.
Im folgenden werden die einzelnen Forschungsbereiche näher beschrieben:
Klimatologie und Landschaftsökologie
Hydrologie und Wasserressourcenmanagement
Geographische Entwicklungsforschung
Klimatologie und Landschaftsökologie
Im Bereich Klimatologie und Landschaftsökologie werden klimatologische, landschaftsökologische, und biogeographische Fragestellungen verfolgt. Gemeinsame Leitfragen sind jene nach der Aufnahme, dem Verständnis und der Modellierung raum- zeitlicher Muster in Ökosystemen. Besonderes Gewicht kommt dabei ökosystemaren Prozessverschiebungen sowie sich verändernden Interaktionen zwischen Mensch und belebter Umwelt im Kontext des globalen Wandels zu. Die dabei betrachteten Systeme sind weit gestreut, wobei der hier von C. Troll begründeten Vergleichenden Hochgebirgsforschung weiterhin besondere Bedeutung zukommt.
Die eng gekoppelten Geosystemelemente der Erdoberfläche und des Wassers werden in den zwei Arbeitsgruppen des Bereichs Geomorphologie im Rahmen der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung bearbeitet. Themenbereiche umfassen Umweltforschung, Global Change Forschung, Katastrophenforschung und interdisziplinäre Risikoforschung auf Basis systemanalytischer Konzepte. Im Vordergrund stehen prozessorientierte Studien, die zur Identifizierung und Lösung von Problemen gekoppelter Mensch-Umwelt-Systeme beitragen. Auf dieser Grundlage werden entsprechend der individuellen Ausrichtung Experimente und Feldbeobachtungen durchgeführt und qualitative und quantitative Modelle von Stoffflüssen entwickelt und angewandt. Die Forschungsansätze umfassen die gesamte quartäre und aktuelle Zeitskala sowie lokale, regionale und globale Raumskalen.
Hydrologie und Wasserressourcenmanagement
Der Bereich Hydrologie und Wasserressourcenmanagement beschäftigt sich einerseits mit den hydrologischen Prozessen auf verschiedenen Raum- und Zeitskalen sowie andererseits mit Aspekten der Wasserverfügbarkeit und wasserbezogenen Risiken. Prozesse des Wasser-, Energie- und Stofftransports werden auf lokaler bis zu regionaler Skala erfasst, analysiert und mit Hilfe von Simulationsmodellen quantifiziert. Die Entwicklung des Prozessverständnisses anhand vergangener und aktueller Beobachtungen ist dabei die wesentliche Voraussetzung für die Quantifizierung der Auswirkung des Globalen Wandels. Die Kopplung naturwissenschaftlicher mit sozio-ökonomischen Prozessen im Sinne von Mensch-Umwelt-Interaktionen bildet die Grundlage für das Management von Wasserressourcen sowie von Flusseinzugsgebieten. Ein regionaler Schwerpunkt des Bereichs ist in West- und Ostafrika angesiedelt, wobei neben der Forschung die Ausbildung von Doktoranden der Region eine wichtige Rolle spielt.
Geographische Entwicklungsforschung
Geographische Entwicklungsforschung beschäftigt sich mit raumbezogenen Problemen und Prozessen von Entwicklung und Unterentwicklung, wobei im Zeichen der fortschreitend global verflochtenen Welt Entwicklungsfragen gleichermaßen in Industrieländern wie in Ländern des Südens betrachtet werden. Aktuell ist GEF auf drei Themenkomplexe in maßstäblicher Varianz von global bis lokal ausgerichtet: 1) die Verflechtungen zwischen Mensch und Umwelt; 2) raumwirksame Artikulationen von Prozessen der Globalisierung; 3) Verwundbarkeits-, Risiko- und Sicherheitsfragen in sozial-ökologischen Systemen. Forschung wie auch Lehre in der GEF ist dabei an Richtgrößen wie gesellschaftspolitische und entwicklungsstrategische Relevanz, Einbindung in Theoriediskurse und Anwendungs- bzw. Berufsbezug orientiert.
Der Bereich Stadt- und Regionalforschung zeichnet sich durch eine sozialwissenschaftlich ausgerichtete Stadt- und Regionalforschung aus. Aus einer problembezogenen und angewandten Perspektive werden aktuelle Tendenzen der gesellschaftlichen Entwicklung in ihren Auswirkungen auf Städte und Regionen untersucht. Dabei richten sich unsere Aktivitäten in erster Linie auf Ursachen für derzeit ablaufende Prozesse der Stadt- und Regionalentwicklung in postindustriellen Gesellschaften auf lokaler, regionaler und nationaler Maßstabsebene. Das Handeln der Akteure sowie veränderte Akteurkonstellationen für das Bau- und Planungsgeschehen werden als wichtige Ursachen für räumliche Entwicklungen und Konflikte gewertet. Weiterhin werden auch flächen- und verkehrsbezogenes Handeln der Bürger in den Städten und Regionen einbezogen. Zudem richten sich unsere Aktivitäten auf die Folgen des demographischen sowie technologischen Wandels für die Stadt- und Regionalentwicklung.
Der Arbeitsbereich Sozioökonomie des Raumes interessiert sich primär für die Wechselwirkungen zwischen sozioökonomischen Prozessen und Raumentwicklung. Gemeinsam ist beiden Arbeitsgruppen (Neiberger und Pohl) erstens die relationale Forschungsperspektive, also die Annahme, dass Raum als zentrales konzeptionelles Element nicht als passiver Container zu verstehen ist, sondern als aktives Medium fortlaufend in soziale und ökonomische Prozesse eingebunden ist und diese mit gestaltet, und zweitens die methodologische Ausrichtung auf die qualitative Sozialforschung. Inhaltlich arbeitet die AG Neiberger schwerpunktmäßig zur Wirtschaftsgeographie von Dienstleistungen, insbesondere Logistik sowie zu Fragen der Globalisierung. Die aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen bei der räumlichen Verankerung von Logistikunternehmen im Internationalisierungsprozess sowie bei der Governance globaler Wertschöpfungsketten. Die AG Pohl beschäftigt sich mit sozialgeographischen Fragestellungen, konkreter mit Regionaler Identität, Stadtentwicklung sowie Theorie und Methodologie der Geographie. Aktuelle empirische Arbeiten konzentrieren sich auf Fragen der Umweltwahrnehmung und des gesellschaftlichen Umgangs mit Risiken in Technik und Umwelt.
Die Historische Geographie ist eine geographische Teildisziplin, die sich mit den in historischer Zeit abgelaufenen raumbezogenen Prozessen menschlicher Aktivitäten und den sich daraus ergebenden materiellen und immateriellen räumlichen Strukturen beschäftigt.
Sie erbringt Beiträge in der Grundlagenforschung durch die Analyse vergangener Landschaftszustände als Hintergrund und Ursachenerklärung für biogeoökologische, wirtschaftliche, soziale, demographische sowie mentale Prozesse und Verhältnisse in der Vergangenheit (sog. „Altlandschaften“) und in der Gegenwart („past in the present“).
Die Historische Geographie leistet Beiträge zur Umweltbildung mit der Vermittlung der Einsicht, dass unsere Umwelt eine Geschichte hat und mithin ständigen Veränderungen unterlag und unterliegt. Schließlich betreibt die Historische Geographie angewandte Forschung, indem sie in Planungsprozessen zum Erhalt und zur zukunftsorientierten Nutzung des historischen Erbes in allen Landschaftstypen mitarbeitet.
Geographische Informationssysteme (GIS), Kartographie und Fernerkundung (FE) verbinden geographische Methodik mit computergestützten Informationssystemen. Sie dienen der Verarbeitung von Informationen unter besonderer Berücksichtigung der raumzeitlichen Differenzierung der beobachteten Sachverhalte. Digitale Kartographie, GIS und FE ermöglichen die computergestützte Erfassung, Analyse und Modellierung von statischen und dynamischen Umweltvariablen. Für die Erfassung und Analyse von raum-zeitliche Verteilungen und Verflechtungsmustern spielen digitale Rasterdaten die mittels Flugzeug- und/oder satellitengestützter Sensoren gewonnen werden eine besondere Rolle.
Die Arbeitsgruppen GIS, Kartographie und FE von beschäftigen sich arbeitsteilig und schwerpunktmäßig mit der Integration von kartographisch-geographischer Methodik und moderner Informationstechnologie (Internet/Web 2.0/ Grid) - Spatial Web Services, multimediale kartengestützte Informationssysteme, colaborative Formen der Gestaltung von Informationssystemen und Geodateninfrastrukturen, ortsbezoger mobiler Geoinformationsdienste und 3D-Visualisierung - einerseits (AG Greve, AG NN) und der Validierung, Prozessierung und Integration von optischen und Mikrowellen-Satellitendaten in Regionalmodellen zu Bestimmung von Landnutzungsveränderungen oder zu Abschätzung der Nettoprimärprodukiton oder zur Erfassung der ökologischen Vulnerabilität in semiariden Ökoystemen (AG Menz). Alle drei Arbeitsgruppen sind im Bereich der GIS-gestützten Umwelt- und Raumplanungsinformationssystemen (Entscheidungsunterstützungssystemen) und damit im Bereich des Risikomanagements tätig.
