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Ausrichtung

Gesellschafts-politischer Bezugsrahmen

Akteure im Kontext von HIV/Aids

Nahrungskriesenforschung

Methodik/Didaktik


  • Gesellschafts-politischer Bezugsrahmen

Das Erkenntnisinteresse richtet sich an drei gesellschaftlichen Bestimmungsgrößen in der Region des Südlichen und Östlichen Afrika aus:

  1. Die fortschreitende Einbeziehung der Länder des Südlichen und Östlichen Afrika in globale Entwicklungen, die sich vornehmlich als Maßnahmen zur Strukturanpassung und als partielle, selektive Marktintegration artikuliert und die einen Niedergang des innergesellschaftlichen Zusammenhalts (soziale Sicherungssysteme, soziale Kontrollsysteme zur Durchsetzung gesellschaftlich akzeptierten, normierten Handelns, hierarchisch und autoritär ausgerichtete und stabilisierte Gesellschaftsstrukturen etc.) zur Folge haben.
  2. In diese Situation gesellschaftlicher Umorientierung greift ein - tendenziell von außen durch die internationale Geber-Auflagen beschleunigter - Transformationsprozess ein, der in seinen Grundprämissen vielen der tradierten gesellschaftlichen Erfahrungen und einem durch Normierungen vorgezeichneten Handeln widerspricht und dieses dadurch in Frage stellt. Neue Formen des Umgangs miteinander müssen entworfen und erprobt werden und sich als neue Handlungsleitlinien etablieren. Unklar ist bisher, wer schließlich die Akteure in diesem Prozess sein werden und wie es ihnen gelingen wird, ihre Führungsrolle überzeugend zu legitimieren.
  3. In dieser Zeit, in der tradiertes Wissen und akzeptierte Regeln des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Folge fortschreitender Globalisierung ohnehin in Frage gestellt sind, in der ein neues - wenn auch zum Teil vornehmlich programmatisches - gesellschaftspolitisches Angebot (Demokratisierung, "empowerment" durch Partizipation) Chancen und auch Gefahren für ein innovatives und selbst bestimmtes Handeln bietet, finden sich viele Menschen und Haushalte in einer bisher nicht erfahrenen Weise von Krankheit und Tod bedroht.

Die Gestalt der Epidemie HIV/Aids widerspricht dabei allen bisherigen Erfahrungen mit Krankheiten. Werden normalerweise die körperlich Schwächsten der Gemeinschaft - Kinder und Alten - besonders von Krankheiten heimgesucht, so sind es nun diejenigen, die durch ihre Arbeitskraft bisher immer den gesellschaftlichen Fortbestand gewährleisten konnten. Damit übersteigen nicht nur die Dimensionen der Krankheits-Auswirkungen jegliches Maß einer sozialen Krisenbewältigung nach vertrautem und erprobtem Muster, sondern es verschiebt und erweitert sich auch die Perspektive auf mögliche Akteure in dem Problemkontext.

 

  • Akteure im Kontext von HIV/Aids

Unter dem Einfluss der benannten Außenkräfte sind die Akteure in eine Situation eklatant erhöhter Verwundbarkeit in ihrer Lebensgestaltung (»livelihood«) geraten, aus der sie sich mit den gesellschaftlich erprobten und sozial tradierten Mitteln nicht befreien können. Das heißt, sie finden sich letztlich gezwungen, Neues zu erproben, neue Verbindlichkeiten zu definieren und neue Institutionen zum Schutz des Überlebens — allein und in der Gemeinschaft — durch ihr Handeln zu schaffen!

Das Erkenntnisinteresse unserer Arbeitsgruppe richtet sich allgemein auf das Handeln der Akteure im Kontext dieser mehrdimensionalen Umbruchs- und Gefährdungssituation, wobei wir in den einzelnen Projekten (Diplom- und Magisterarbeiten) Teilaspekte der komplexen Gesamtkonstellation ansprechen.

 

  • Nahrungskriesenforschung

Der gesellschaftliche Umbruch, der mit der fortschreitenden Marktintegration und Modernisierung spätestens mit den in den 80er Jahren in allen Ländern des Südlichen Afrika durchgesetzten Maßnahmen zur Strukturanpassung beschleunigt Einzug hielt, hat Konsequenzen, deren wohl existentiellste eine Herabsetzung der Nahrungssicherheit ist.

Die Auswertung empirischen Datenmaterials aus einer dreijährigen Feldforschung in den Jahren 1994 bis 1996, in die 385 Haushalte auf dem Ufipa-Plateau im Südwesten Tansanias einbezogen waren, weisen unmissverständlich auf eine tendenziell zunehmende Verwundbarkeit durch Nahrungsdefizite bei der Mehrzahl der Haushalte in der Folge von Marktintegration und Modernisierung hin. Diese pauschale Bewertung muss jedoch differenziert werden. Es gibt neben den vielen Verlierern in der gesellschaftlichen Umbruchsituation auch Gewinner, deren Verwundbarkeit durch Nahrungsengpässe sogar herabgesetzt und deren gesamte Lebenssituation (livelihood) verbessert werden konnte. Diese Gewinner sind in der Regel diejenigen, die auf Grund ihrer besseren Kapitalausstattung (»assets«) — vom Landzugang über Arbeitskraft bis zu Wissen und Information — jedoch auch im Zuge einer diskursiven und reflexiven Auseinandersetzung mit den Bestimmungsgrößen des gesellschaftlichen Umbruchs diese gezielt nutzen können.

(Tröger, S.: Handeln zur Ernährungssicherung im Zeichen gesellschaftlichen Umbruchs — Untersuchungen auf dem Ufipa-Plateau im Südwesten Tansanias. Saarbrücken 2004, im Druck; Beiträge in Zeitschriften s. Literaturverzeichnis).

 

  • Methodik/Didaktik

Die methodisch-didaktische Ausbildung der Studierenden ist an zwei Eckpolen orientiert:

  1. Für die empirische Arbeit im Feld werden die Studierenden nicht nur allgemein mit Methoden der besonders qualitativen Sozialforschung, sondern speziell mit dem Methodenangebot partizipativer Forschung (PRA — »Participatory Rural Appraisal«, ein Planungsansatz aus der Entwicklungspraxis) vertraut gemacht. Die Methoden werden während einwöchiger Geländepraktika erfahren, geübt und in ihrer Anwendbarkeit reflektiert (GP I in Strasburg/Uckermark vom 11. bis 17. April 2003, GP II in Waldheim/Sachsen vom 29. September bis 6. Oktober 2004).
  2. Da in Gegenwart und Zukunft sowohl von diplomierten Geographen als auch von Lehrern erweiterte Kompetenzen im Bereich einer medialen Präsentation von Inhalten erwartet werden, liegt ein Schwerpunkt der Methoden bezogenen Lehre auf einer diesbezüglichen Schulung. Die Studierenden arbeiten zum Beispiel gemeinsam an Filmprojekten, deren Abschluss ein digitaler Videofilm zu jeweils ausgewählten Fachinhalten bildet (ein Film zur Frage »nachhaltiger Stadtentwicklung in Bonn« — WS 03/04 und SS 04). Des Weiteren werden die Studierenden in Techniken der Moderation und Visualisierung ausgebildet.

 

 

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