4/5. Nov 2011: Workshop "Geographien der (feinen) Unterschiede"
"Geographien der (feinen) Unterschiede." Bourdieu's Beitrag für eine relationale Humangeographie
Habitus, Feld, Kapital – dies sind nur einige der Konzepte des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, die im Rahmen seiner Theorie der Praxis auch die humangeographische Forschung in den letzten Jahren stimuliert haben. Um die bisherige Auseinandersetzung Bourdieus Theorie in der Geographie zu resümieren und neue Anwendungen seiner Konzepte vorzustellen, fand vom 4.-5. November 2011 ein Workshop am Geographischen Institut der Universität Bonn statt. Mehr als 50 Studenten und Wissenschaftler aus ganz Deutschland kamen zu Vorträgen und Arbeitsgruppendiskussionen zusammen.
Organisiert wurde das Treffen von Benjamin
Etzold, Patrick Sakdapolrak und Michael Eichholz aus der AG Bohle sowie von
Christoph Haferburg und Boris Michel aus Erlangen und Veronika Deffner aus
Aachen. Den Einstieg bildeten
Keynote-Vorträge von Roland Lippuner und Eberhard Rothfuss. Roland Lippuner
stellte zunächst eine Verknüpfung von Bourdieus Kernbegriffen und
humangeographischer Forschung her und unterstrich Bourdieus Beitrag für eine reflexive
Wissenschaftspraxis. Eberhard Rothfuss beschäftigte sich mit der Kritik de
Certeaus an Bourdieus Habituskonzept und zeigte, wie das Verständnis von
Struktur und Handlungsmacht von Akteuren bei Bourdieu durch eine wohlwollende
Kritik aufgewertet werden kann. Den beiden Keynote-Vorträgen folgte eine
Zusammenfassung der Rezeption Bourdieus in der deutsch-sprachigen
geographischen Forschung. Die folgenden Vorträge am
Freitagabend und Samstagmorgen befassten sich mit der
empirischen Umsetzung
Bourdieuscher Konzepte in der Stadtgeographie und der Geographischen
Entwicklungsforschung. Vor allem wasserbezogene Forschung war prominent
vertreten. Beiträge aus Vietnam, Bangladesch, Indien, Deutschland, Jordanien,
Sudan, Marokko und gaben einen spannenden Einblick in verschiedene Kontexte und
sorgten für
einen angeregten Austausch zwischen den unterschiedlichen Ansätzen
der Operationalisierung von Bourdieus Theorie. Raum für eine vertiefte
Diskussion der theoretischen Baustellen bei der Nutzung von Bourdieu in einer
relationalen Humangeographie bot eine Kleingruppenarbeit am Samstagnachmittag.
In drei Gruppen wurden Fragen der Integration materieller Aspekte in ein
Bourdieusches Untersuchungskonzept im Sinne einer sozial-ökologischen Forschung,
der Governance und Aneignung von Raum in Städten sowie der „Gesellschaftsfalle“
bzw. der Anwendbarkeit der Theorie in verschiedenen außereuropäischen Kontexten
diskutiert.
Der Workshop machte deutlich, dass das Verständnis von Bourdieus Werk in der auch dank vieler `Übersetzungsarbeiten´ inzwischen gereift ist und viele seiner „Theorieinstrumente“ in unterschiedlichsten Kontexten operationalisiert wurden. Ein wesentliches Ziel des Workshops war es, Forscher und Studenten in der Reflexion über die Anwendung von Bourdieus Konzepten zusammenzubringen, um gemeinsame blinde Flecken und Brüche herauszuarbeiten und Felder für weitere konzeptionelle Entwicklung über Bourdieu hinaus auszumachen.
Vielen Dank an alle Beteiligten!
Liste der Vorträge: |
| Roland LIPPUNER (Jena): |
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Keynote: Praktiken, Felder und Raum. Bourdieus Theorie der Praxis als Grundlage der Humangeographie |
| Eberhard ROTHFUSS (Bonn): |
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Keynote: De Certeaus Kritik an Bourdieus Strategiebegriff und Habituskonzept |
| Veronika DEFFNER (Aachen) & Christoph HAFERBURG (Erlangen): |
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Rezeption Bourdieus‘ in der deutschsprachigen Geographie |
| Benjamin ETZOLD (Bonn): |
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Alltägliche Raumaneignungen und die Regulation öffentlicher Räume in Dhaka |
| Thomas DÖRFLER (Göttingen): |
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Zur Rekonstruktion suburbaner und urbaner Lebenswelten anhand Bourdieus Habituskonzept und Martina Löws Raumsoziologie |
| Patrick SAKDALPOLRAK (Bonn): |
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Orte und Räume der Health Vulnerability: Bourdieus Theorie der Praxis für die Analyse von Krankheit und Gesundheit in megaurbanen Slums von Chennai, Südindien |
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Joscha METZGER (Freiburg): |
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Wandel der Überlebenssicherung im Zentralen Hohen Atlas (Marokko). Eine Fallstudie in Ameskar Fogani |
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Sven GENSCHICK (Bonn): |
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Bourdieu und Fischzucht in Vietnam. Ein Feld geprägt vom Spiel mit dem Kapital |
| Sebastian ZUG (Fribourg): |
| Michael EICHHOLZ (Bonn): |
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Fragmentierte Trinkwasserversorgung in Boliviens Städten als soziale Praxis gesellschaftlicher Naturverhältnisse |
| Thomas BONN (Heidelberg): |
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Kollidierende Praxislogiken – die Governance von Wasserressourcen in Jordanien |
